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WM-Aus gegen Kroatien : Was England im Halbfinale zum Verhängnis wurde

Am Tag danach wird das Kopfweh noch schlimmer sein bei den Engländern. Bild: Reuters

Das 1:0 im Halbfinale ist bereits das neunte Tor der Engländer bei der WM nach einer Standardsituation. Das ist bemerkenswert, offenbart aber auch ein entscheidendes Problem gegen Kroatien.

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          Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer jagen 90 Minuten dem Ball nach, und am Ende entscheidet ein Standard. Gary Lineker hat diese Weisheit zwar nicht in die Welt gesetzt, aber die Engländer haben bei dieser WM lange daran geglaubt. Doch zum Ende des Halbfinales standen die Standardkönige gegen die Kroaten mit leeren Händen da, obwohl sie in ihrer Spezialdisziplin wieder erfolgreich waren.

          Fussball-WM 2018
          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Aber ein einziges Standardtor durch Kieran Trippier war beim 1:2 zu wenig gegen die Kroaten, die ihre Treffer in der regulären sowie in der Nachspielzeit nach entschlossenen Kombinationen erzielten. In der 68. Minute war es Ivan Perisic, der das englische Freistoßtor zur Führung (5.) ausglich. Und dann traf in Torjägermanier Mario Mandzukic in der 109. Minute in einem Halbfinale, bei dem die Engländer nicht zuletzt daran scheiterten, dass sie ihre Chancen aus dem Spiel heraus nicht nutzten. Mit ihrer schärfsten Waffe, dem Standard, konnten sie in der entscheidenden Phase nicht mehr punkten. Für England war das Spiel zunächst wie geplant verlaufen. Das Team brauchte nur fünf Minuten, um sich auf dem Weg zu ihrem außergewöhnlichsten Erfolg seit dem WM-Sieg 1966 zu fühlen. Freistoß Trippier: Schuss. Tor. Einfacher kann man im Fußball nicht voran kommen.

          Und in diesem Halbfinal-Fall auch nicht schneller. Der Schuss des Tottenham-Verteidigers war der erste Torschuss des Spiels. Die Entstehung des Treffers, der rechts oben haargenau ins Ziel traf, war kein Zufall. Mehr als die halbe englische Mannschaft war daran beteiligt, zumindest indirekt. Sechs englische Spieler verlängerten dabei die kroatische Abwehrmauer auf beiden Seiten, so dass die Spieler in ihren dunklen und weißen Trikots wie Klaviertasten erschienen, die ihre Plätze getauscht hatten. Torhüter Subasic hatte keine Möglichkeit, um die eigene Mauer herum einen Blick auf den Schützen und dessen Anlauf zu werfen – und niemand wusste angesichts des halben Dutzends Engländer auf einer Linie, ob sie sich nicht vielleicht einen ganz besonderen Trick ausgedacht hatten.

          Der Führungstreffer war schon das neunte Tor der Engländer bei dieser WM mit Hilfe einer Standardsituation. Drei davon waren Elfmeter, wobei davon wiederum zwei aus Eckstößen entstanden waren. Nur drei von ihren zwölf Toren haben die Engländer bei dieser WM aus dem Spielverlauf erzielt. Diese Schwäche sollte ihnen an diesem Abend zum Verhängnis werden. Auch in den 120 Minuten plus vierminütiger Nachspielzeit schaffte es das Team von Trainer Gareth Southgate nicht, aus dem Spielverlauf zu treffen. Den Engländern fehlte die Effizienz und Konsequenz, die sie bei sogenannten „ruhenden“ Bällen sonst an den Tag legen.

          Die Eckstöße der Engländer, bei denen sie in diesem Turnier schon viermal erfolgreich gewesen sind, waren zwar auch gegen Kroatien gefährlich, aber im Abschluss fehlte diesmal die Präzision, vor allem beim Kopfball von Maguire (14.), dem im Viertelfinale so die 1:0-Führung gegen Schweden gelungen war.

          Umgekehrt war der 0:1-Rückstand der vierte von fünf Gegentreffern, den die Kroaten durch Standards bei dieser WM hatten hinnehmen müssen. Das Team von Trainer Zlatko Dalic jedoch erwies sich nicht nur als kampf-, sondern auch als spiel- und kombinationsstärker. Kroatien nutzte die Schwäche der Engländer, durch Kombinationsfußball nicht zum Erfolg zu kommen, in der zweiten Halbzeit auf ihre Weise. Ivan Perisic traf in der 68. Minute akrobatisch mit dem Fuß über dem Kopf seines Gegners hinweg. In der Verlängerung hatten die Engländer ihre beste Chance wieder durch eine Standardsituation. In der 99. Minute war es ein Kopfball von Stones, den Vrsalkjo kurz vor der Linie mit dem Kopf noch abwehren konnte. Sechs Engländer hatten sich in einer Reihe auf Höhe des Elfmeterpunkts in Richtung Strafraumgrenze postiert und Stones so den nötigen Freiraum verschafft. Das war in diesem Spiel zu wenig.

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