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Zwei Traumtore von Mbappé : Das französische Abenteuer geht weiter

  • -Aktualisiert am

Traf gegen Polen zwei Mal: Kylian Mbappé Bild: Reuters

Titelverteidiger Frankreich löst beim 3:1 gegen Polen das Viertelfinal-Ticket im Stile eines Champions. Kylian Mpappé schlüpft in die Rolle des Problemlösers.

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          Auffällig oft sprach der französische Trainer Didier Deschamps nach vollbrachtem Viertelfinaleinzug von „der Gruppe“, von einem „Team“ und von einer „Einheit“, als die Polen mit 3:1 Toren besiegt worden waren. Das Bemühen der Franzosen, sich als sozial funktionierendes Ensemble zu präsentieren, ist seit dem ersten Tag in Qatar deutlich spürbar, am Sonntag hatten Deschamps’ Worte allerdings noch einen anderen Subtext, die Botschaft lautete: Wir sind nicht nur Kylian Mbappé.

          Der Superstar von Paris St. Germain hatte nicht nur hervorragend gespielt in diesem Achtelfinale, er hatte auch zwei Tore geschossen; mit fünf Treffern führt er jetzt die Liste der besten Torjäger des Turniers an und besitzt exzellente Aussichten, der Superstar dieser WM zu werden. „Kylian mit seinen Fähigkeiten, der löst so manches Problem“, sagte Deschamps vorsichtig, ein größeres Lob wollte ihm in seinem ersten Statement nach dem Abpfiff nicht über die Lippen kommen. Das übernahm dann freundlicherweise der polnische Trainer Czeslaw Michniewicz: „Es gibt Messi, Ronaldo und Lewandowski, jemand muss von ihnen übernehmen, und ich glaube, das wird Mbappé sein.“

          Fußball-WM 2022

          Die Franzosen wollen sich solche Huldigungen lieber für den Finalabend aufbewahren, also sagte Oliver Giroud schlicht: „Das Abenteuer geht weiter.“ Der Stürmer vom AC Mailand hatte den ersten Treffer für Frankreich geschossen und konnte ebenfalls einen persönlichen Coup feiern: 52 Tore hat er jetzt für die Nationalmannschaft erzielt, damit überflügelte er den großen Thierry Henry in diesem Ranking. „Das ist natürlich genial, Thierry schlagen zu können, jetzt steht die Kiste“, sagte Giroud. „Meine Besessenheit ist aber, mit dem Team noch weiter zu kommen.“

          Die Franzosen rollen also ungebremst durchs Turnier (abgesehen von der Mbappé-Show) – nicht mit dem ganz großen Spektakel, aber immer gerade gut genug, um noch stabil zu wirken und keine Zweifel an der Autorität als amtierender Weltmeister aufkommen zu lassen. Im Raum stand ja die Frage, ob sich das letzte Vorrundenspiel gegen Tunesien (0:1), in dem Deschamps etliche Spieler geschont und eine auf neun Positionen veränderte B-Elf nominiert hatte, negativ auswirken würde. Schließlich war die Mannschaft zuvor in einem guten Turnierflow gewesen.

          Eine letztgültige Antwort ließ sich nicht finden, aber es fiel dem Titelverteidiger in der ersten Halbzeit schon schwer, Lücken in der polnischen Defensive zu entdecken. Eine gewisse Dominanz war vorhanden, Chancen blieben jedoch selten. Und als die Polen mutiger wurden, zeigte sich in der 38. Minute, dass auch die französische Defensive verwundbar ist. Zunächst konnte Piotr Zielinski völlig frei aus zehn Metern schießen, traf aber Frankreichs Torhüter Hugo Lloris, bevor Raphaël Varane den folgenden Nachschuss von Jakub Kaminski auf der Linie klärte. Das WM-Projekt des Titelverteidigers wackelte ganz schön in diesen Szenen, in denen dann aber doch die größere individuelle Klasse den Ausschlag zu seinen Gunsten gab.

          Kurz vor der Pause spielte Mbappé am Ende eines langen Spielzuges mit vielen Stationen einen Steilpass auf Giroud, der mit einem komplexen Drehschuss in die lange Torecke sehenswert zum 1:0 traf (44.). In der ersten Hälfte war aber auch zu beobachten, dass der 22 Jahre alte Aurélien Tchouameni Mühe hat, den verletzten N’Golo Kanté zu ersetzten, der beim WM-Sieg vor vier Jahren eine Instanz im Mittelfeld darstellte. Tchouameni, der für Real Madrid spielt, strahlt noch nicht diese überzeugende Autorität aus, mit der Kanté die Räume zwischen Mittellinie und eigenem Strafraum beherrscht. Nach 66 Minuten wurde er von Youssouf Fofana ersetzt, das könnte noch zum Problem werden für den Titelverteidiger.

          In der zweiten Hälfte überwanden die Franzosen dann aber endgültig ihren B-Elf-Kater aus dem Tunesien-Spiel. Zwischenzeitlich war die Überlegenheit erdrückend. Mbappé traf zum 2:0, als die extrem defensiven Polen gerade einmal die Absicht gefasst hatten, doch einen Angriff zu wagen. Sie wurden kühl ausgekontert (74.). Damit waren die Partie praktisch entschieden, ehe Mbappé mit einem technisch beeindruckenden Schuss noch das 3:0 nachlegte (90.+1). „Wie er Tore schießt, ist phantastisch, seine Aktionen haben dieses Spiel letztlich entschieden“, sagte der polnische Trainer Michniewicz hinterher anerkennend. Tief in der Nachspielzeit verwandelte Robert Lewandowski noch einen Elfmeter im zweiten Versuch für den Verlierer (90.+9), aber das spielte keine maßgebliche Rolle mehr. „Wir bereiten uns jetzt auf Weihnachten vor“, sagte Michniewicz.

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