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Thesen, Taktik, Trends : Belgien und England spielen Fußball auf dem Gaspedal

  • -Aktualisiert am

Naturgewalt am Ball: Romelu Lukaku bringt Wucht in den belgischen Angriff Bild: AP

In der Gruppe G ist zwar das Wichtigste schon entschieden. England und Belgien haben die Achtelfinal-Qualifikation sicher. Dennoch erhofft sich F.A.Z.-Kolumnist Frank Kramer vom direkten Duell ein Spektakel.

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          England gegen Belgien an diesem Donnerstag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur  Fußball-WM und in der  ARD) – das wird ein Höhepunkt der WM. Das Duell besitzt alle Voraussetzungen, um ein richtig spektakuläres Spiel zu werden: Beide Mannschaften bringen im Offensivbereich eine rasante Geschwindigkeit mit, Spieler mit erstklassiger Technik, Tempo und Topqualität im Abschluss – beide Teams besitzen verdammt viel Potential. Gegen ihre bisherigen Konkurrenten Panama oder Tunesien mussten beide ihr ganzes Können noch gar nicht zeigen. Erst dieses finale Gruppenspiel wird für beide Teams eine Bestandsaufnahme auf Topniveau.

          Fussball-WM 2018

          Belgien hat aus den vergangenen 15 Partien zwölf Siege und drei Unentschieden geholt – und dabei bis auf zwei Ausnahmen immer mindestens zwei Tore geschossen. Die Altersstruktur der Mannschaft ist sehr interessant. Das Team ist nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht richtig alt. In der Startelf sind mit Innenverteidiger Jan Vertonghen und Stürmer Dries Mertens nur zwei Spieler älter als dreißig Jahre. Der Großteil des Kaders aber ist zwischen 24 und 27 Jahre alt – das beste Fußballalter. Einerseits bist du da in der Lage, mächtig Speed zu machen, bist aber auch nicht mehr so unerfahren, dass dir in Drucksituation naive Fehler unterlaufen.

          Vor allem haben die Belgier eine Generation von ehrgeizigen Spielern im Aufgebot, die im Nationaldress zusammen endlich etwas reißen wollen. Unbändiger Erfolgshunger ist bei einer WM unerlässlich. Die Belgier schalten nicht in den Verwaltungsmodus, wenn sie 2:0 in Führung liegen, sondern sie bleiben auf dem Gaspedal. Ihr Kader besteht zu beinahe hundert Prozent aus Legionären: 22 Spieler stehen im Ausland unter Vertrag. Und ein Großteil davon bei Top-Adressen der Premier League: zwei bei Chelsea, drei bei Manchester United, zwei bei Manchester City, einer bei Liverpool, drei bei Tottenham. Dazu kommen Profis, die bei Barcelona oder Neapel Stammspieler sind – ein klares Indiz für die belgische Extraklasse.

          Sie haben für sich in der Nationalmannschaft eine Organisation im 3-4-3-System gefunden, bei dem sie in jedem Mannschaftsteil Stabilität besitzen und nach der Balleroberung mit Wucht vorstoßen. Kevin De Bruyne, der allerdings am Donnerstag wegen einer drohenden Gelbsperre geschont werden dürfte, spielt dabei Sechser, das sagt vieles über die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die in dieser Truppe stecken. De Bruyne war bei Wolfsburg – und ist es aktuell bei Manchester City erst recht – einer der herausragenden Zehner beziehungsweise offensiven Außenspieler Europas.

          F.A.Z.-Kolumnist Frank Kramer.
          F.A.Z.-Kolumnist Frank Kramer. : Bild: Picture-Alliance

          Mit seinem Ideenreichtum und seiner Geschwindigkeit wird auch das defensive Mittelfeld zu einer kreativen Zone, die bei Bedarf Lücken schließt und zugleich vor allem offensiv immer wieder Impulse setzt. Man darf neugierig sein, wie sich das im Duell mit England bemerkbar macht. Bei den „Three Lions“ ist auch durchgängig ein enormes Tempo festzustellen, sie sind reaktionsschnell und zweikampfstark. Sie treten im 3-5-2-System an. Ohne richtige Flügelangreifer, sondern eher mit zwei zentralen Stürmern und davon einem beweglichen Sprinter als Verbindungsspieler zum Mittelfeld – wobei Harry Kane ohnehin ein Angriffsexperte ist, der alles kann. Dahinter kommen zwei Achter und ein Sechser vor der Viererkette, damit wird die Zentrale stabilisiert.

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