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Fußball-WM : Suárez von der WM ausgeschlossen

Vorsichtig bissig: Luis Suarez für neun Spiele oder vier Monate gesperrt Bild: REUTERS

Die Fifa sperrt den Stürmer nach der Beißattacke für vier Monate und neun Länderspiele. Zudem muss der Uruguayer 100.000 Schweizer Franken zahlen.

          Keine 44 Stunden lagen zwischen der drastischen Tat und der drakonischen Strafe, der härtesten, die der Internationale Fußball-Verband (Fifa) je bei einer Weltmeisterschaft gegen einen Spieler ausgesprochen hat. Am Donnerstagmorgen gab die Fifa bekannt, dass Luis Suárez nach seiner Beißattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini beim 1:0-Sieg Uruguays gegen Italien im letzten Gruppenspiel am Dienstag mit sofortiger Wirkung für vier Monate keinen Fußball spielen darf und darüber hinaus für neun offizielle Fifa-Spiele (WM, WM-Qualifikation, Südamerika-Meisterschaft) gesperrt wird. Dazu muss er eine Strafe von 100.000 Schweizer Franken zahlen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Diese Sperre beginnt mit dem Achtelfinale der Uruguayer gegen Kolumbien an diesem Samstag, bei dem Suárez nicht einmal das Stadion, das Maracan in Rio, betreten darf. Denn ihm sind nun bis Ende Oktober „alle fußballbezogenen Aktivitäten“ verboten, also auch Stadionbesuche, vor allem aber das Training und die Spiele mit seinem Klub, dem FC Liverpool. Oder auch für einen möglichen neuen Klub, denn vor der WM sollen Real Madrid und der FC Barcelona Interesse an einer Verpflichtung des Torschützenkönigs der Premier League gezeigt haben. Nun müsste ein neuer Verein allerdings bis Ende Oktober auf den Neuzugang Suárez verzichten, was das Interesse wieder beeinträchtigen könnte.

          Der Vorfall hatte in aller Welt Empörung ausgelöst, nachdem die TV-Bilder, die Beißspuren auf Chiellinis Schulter und die beiden vorherigen Beißattacken von Suárez aus den Jahren 2010 und 2013 deutlich gegen den Wiederholungstäter Suárez sprachen. Die Fifa erwähnt die Beißattacke in ihrer Urteilsbegründung jedoch nicht explizit – vermutlich, weil in der gebotenen Kürze der Zeit für die Urteilsfindung harte Beweise für das Vergehen nur sehr schwierig gerichtsfest zu machen waren. Es war in der Begründung nur von Suárez’ „Verhalten“ die Rede. „Ein solches Verhalten kann auf keinem Fußballplatz toleriert werden, erst recht nicht bei einer Weltmeisterschaft vor den Augen von Millionen von Menschen“, erklärte Claudio Sulser, der Vorsitzende des Disziplinar-Komitees der Fifa. Das Gremium habe „alle Faktoren des Falles und die Schwere von Herrn Suárez’ Schuld in Betracht gezogen“. Die Paragraphen der Disziplinarordnung der Fifa, gegen die der Uruguayer demnach verstoßen hat, betreffen „Ehrverletzung, Verletzung von Fairplay und Sportlichkeit“ sowie „unkorrektes Verhalten gegenüber Gegenspielern“. Suárez und der uruguayische Verband Afu kündigten eine Berufung gegen den Entscheid an. Dieser hat aber jedenfalls in der ersten Instanz keine aufschiebende Wirkung, so dass sein Einsatz gegen Kolumbien am Samstag nicht mehr durch einen Gang durch die Instanzen der Sportgerichtsbarkeit erwirkt werden kann.

          Allerdings eröffnet die mögliche Anrufung des Ad-hoc-Panels des Internationalen Sportgerichtshofs Cas für die WM, der übernächsten Instanz auf dem Berufungsweg, die Möglichkeit, eine aufschiebende Wirkung zu beantragen. Das setzt allerdings erstens eine Berufung voraus – und lohnt sich nur, sofern Uruguay dann noch im Turnier ist. „Es fühlt sich an, als wäre Uruguay aus der WM geworfen worden“, sagte Wilmar Valdéz, der Präsident der Afu. Man habe mit Fifa-Präsident Joseph Blatter gesprochen und werde sich nicht von der WM zurückziehen.

          Chiellini zeigt seine Schulter mit Bisswunde

          Die bisherige Rekordstrafe bei einer WM waren acht Spiele für den Italiener Mauro Tassotti für einen Ellenbogenschlag gegen Spaniens Luis Enrique im WM-Viertelfinale 1994. Der Kroate Josip Simunic wurde wegen rassistischer Vergehen nach dem WM-Playoff-Spiel gegen Island sogar für zehn Spiele gesperrt und verpasste dadurch die WM in Brasilien.

          Zuungunsten von Suárez dürften seine Vorstrafen in die Urteilsfindung eingeflossen sein. Er hatte bereits 2010 bei Ajax Amsterdam und 2013 beim FC Liverpool Gegenspieler gebissen und Sperren von sieben und zehn Spielen durch die nationalen Verbände erhalten. Wegen rassistischer Beleidigung des dunkelhäutigen Franzosen Patrice Evra von Manchester United – ein Vorwurf, den Suárez bis heute zurückweist – wurde er 2011 für acht Spiele gesperrt. Und schon bei der vergangenen WM hatte Suárez für eine der großen, polarisierenden Negativszenen des Turniers gesorgt, als er mit einem absichtlichen Handspiel im Viertelfinale Ghana den Sieg raubte und hinterher prahlte: „Das war die Hand Gottes.“

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