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„Enttäuscht mich sehr“ : Faeser kritisiert qatarische Behörden

  • Aktualisiert am

Innenministerin Nancy Faeser an der mobilen Fan-Botschaft des DFB in Doha Bild: dpa

Bei einem Besuch in Doha bemängelt die Innenministerin, dass einem deutschen Fan in Qatar Regenbogenzeichen abgenommen wurden. In der Affäre um die „One Love“-Binde erhält der DFB eine Antwort der FIFA.

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          Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat die qatarischen Behörden für deren Umgang mit Regenbogenabzeichen bei der WM in Qatar kritisiert. „Das enttäuscht mich sehr“, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Doha über den Fall eines deutschen Fans, dem eine Armbinde und ein Schweißband in Regenbogenfarben abgenommen worden waren. „Das ist nicht mein Verständnis von Sicherheitsgarantien, die mir der Innenminister gegeben hat.“ Premier- und Innenminister Chalid bin Chalifa Al-Thani hatte Faeser Anfang November in Qatar versichert, jeder sei zur WM willkommen.

          DFB-Präsident Bernd Neuendorf berichtete während des Gesprächs an der mobilen Fanbotschaft des Deutschen Fußball-Bundes von einer Schalte mit weiteren europäischen Verbänden. „Wir haben von verschiedenen Teams die Nachricht bekommen, dass Regenbogenbinden abgenommen wurden“, sagte er und erinnerte an die Worte von FIFA-Präsident Gianni Infantino, der ebenfalls angegeben hatte, „jeder“ sei in Qatar willkommen. „Das ist für uns kein Zeichen des Willkommens“, sagte Neuendorf.

          Homosexualität ist in Qatar per Gesetz verboten. Die Sicherheit der LGBTQI*-Community in Qatar ist deshalb eines der großen WM-Themen. Die englische Abkürzung LGBT steht für lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender. Oft werden auch die Varianten LGBTQ, LGBTQI oder LGBTQIA+ verwendet. Jeder Buchstabe steht für die eigene Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung.

          Neuendorf: Haben Antwort von FIFA erhalten

          Neuendorf berichtete zudem, der DFB habe nach dem Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde die FIFA angeschrieben und eine schriftliche Aussage angefordert, dass die Binde verboten ist. „Wir haben heute eine Antwort bekommen“, sagte Neuendorf am Mittwoch. Zunächst müsse der Schiedsrichter reagieren, dann aber behalte sich die FIFA vor, bei solchen Vorgängen die eigene Disziplinarkommission anzurufen. Diese kann weitere Strafen verhängen. „Wir behalten uns eine rechtliche Prüfung vor“, sagte Neuendorf.

          Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) würde an der Stelle von DFB-Kapitän Manuel Neuer die „One Love“-Kapitänsbinde bei der Fußball-WM in Qatar trotz der angedrohten FIFA-Sanktionen tragen. „Ich wäre interessiert zu sehen, was der Schiedsrichter macht, wenn da einer mit der Binde rumkommt“, sagte der Wirtschaftsminister in der Nacht zu Mittwoch in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. „Ich würde es darauf ankommen lassen“, erklärte Habeck, „es wäre ein moderater Protest“. Schließlich handele es sich um eine Binde und nicht um eine „elaborierte“ Protestform wie etwa bei den Klimaaktivisten der „Letzten Generation“.

          Habeck sagte, er erinnere sich an Proteste, die ikonisch geworden seien und etwas verändert hätten wie der Kniefall des damaligen US-Football-Profis Colin Kaepernick 2016 als Zeichen gegen Rassismus. Danach habe es breiter angelegte Proteste gegen Rassismus im Sport gegeben.

          Das Besondere sei, dass die WM in Qatar anders als frühere Turniere politisch sei, es keinen unpolitischen Sport mehr gebe. „Dann fragt man sich natürlich auch, wie würde man in der Situation agieren.“ Zwar könne er nicht für andere sprechen, aber es sei klar, was nahe liege.

          Vizekanzler Robert Habeck
          Vizekanzler Robert Habeck : Bild: dpa

          Die „One Love“-Armbinde war im September als gemeinsame Aktion mehrerer europäischer Nationalmannschaften angekündigt worden, darunter die deutsche Auswahl. Die bunte Kapitänsbinde sollte bei der WM als Symbol für Gleichberechtigung, Diskriminierungs- und Meinungsfreiheit stehen.

          Die FIFA kündigte dann aber am Montag an, das Tragen der Binde bei der WM in Qatar zu sanktionieren – woraufhin der DFB seinen Verzicht darauf erklärte. Kritiker warfen dem Verband und Team danach vor, vor der FIFA eingeknickt zu sein, was die Offiziellen zurückwiesen. WM-Gastgeber Qatar steht unter anderem wegen der Missachtung von Menschenrechtsstandards in der Kritik.

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