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Lutz Pfannenstiel im Interview : „Senegal tritt auf alles, was sich bewegt“

Ein Hoffenheimer in Frankfurt: Lutz Pfannenstiel. Bild: Wolfgang Eilmes

Lutz Pfannenstiel spielte als Torwart auf allen Kontinenten. Im Interview spricht er kurz vor Beginn der WM über die deutschen Chancen, Sanés Fehlen und kuriose Geschichten von den Exoten.

          Der Welttorhüter Lutz Pfannenstiel hat in seiner Profikarriere als Fußballer auf allen Kontinenten gespielt: 25 Vereine in 13 Ländern, nachzulesen in „Unhaltbar – Meine Abenteuer als Welttorhüter“. Für den Bundesligaklub 1899 Hoffenheim verantwortet er seit 2011 den Bereich „Internationale Beziehungen“ und arbeitet im Scouting. Pfannenstiel, 45, arbeitet als TV-Experte für ZDF, BBC, Eurosport und DAZN. Er ist Auslandsexperte beim DFB und Trainerausbilder bei der Fifa. Pfannenstiel wird die WM in Russland für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und FAZ.NET als Experte begleiten.

          Herr Pfannenstiel, was ist Ihre schönste Erinnerung an eine Fußball-Weltmeisterschaft?

          Die schönste ist zugleich die letzte. Ich war für das ZDF 2014 in Brasilien, war ganz nah dran, auch beim Finale. Hinter mir im Maracanã-Stadion saß Sergio Goycochea, der argentinische Elfmeterkiller, der im WM-Finale 1990 den Elfmeter von Andreas Brehme nicht halten konnte. Vor dem Spiel sagte ich zu ihm: „Heute wird Deutschland wieder 1:0 gewinnen, weil du im Stadion bist.“ Als Götze dann in der Verlängerung das 1:0 erzielt hatte, habe ich mich umgedreht, er lächelte, winkte ab und verließ das Stadion.

          Welcher Art sind Ihre Kindheitserinnerungen an Weltmeisterschaften?

          Weltmeisterschaften faszinieren mich. Seit ich denken kann, habe ich mir jedes einzelne Spiel angeschaut – entweder live oder später als Aufzeichnung. Die unterschiedlichen Fußballkulturen hatten auf mich schon immer eine unglaubliche Anziehungskraft, dann hatte ich das Glück, selbst an vielen Orten auf dieser Welt Fußball zu spielen, so dass ich zu vielen Ländern eine Verbindung habe. Die unterschätzten, die schwächeren Mannschaften, also die Exoten, das sind für mich persönlich die wichtigsten bei so einer WM.

          Sie waren selbst Jugendnationalspieler.

          Ja, als Deutschland 1990 Weltmeister wurde, war ich im Kader der deutschen U17 und hatte mir Hoffnungen gemacht, selbst irgendwann Nationaltorhüter zu sein.

          Was ist dann schiefgelaufen?

          Vieles! (Lacht) Ich bin nach Malaysia gewechselt. Man kann das als Fehler bezeichnen, aber ich sehe das nicht so. Es war die Entscheidung eines Sturkopfs. Ich hatte damals Angebote von Bayern München, dem 1. FC Nürnberg und dem VfL Bochum, ich hätte Vertragsamateur werden sollen. Gespielt hätte ich in der Amateurmannschaft, zum Beispiel in der Bayernliga. Das habe ich strikt abgelehnt, ich wollte unbedingt Profi werden. Wenn du das als Siebzehnjähriger sagst, kommt das nicht gut an. Ich habe meinem Vater erklärt: Das erste Profiangebot nehme ich an! Und das kam dann ausgerechnet aus Malaysia: 5000 Dollar im Monat, ein Auto, eine Wohnung im Shangri-La-Hotel und ein Jet Ski. Das war schon ein luxuriöser Kulturschock, ich kam ja aus Kötzting aus der bayerischen Oberliga.

          Es war der Beginn Ihrer Weltreise. Sie haben in allen sechs Kontinentalverbänden gespielt, in 13 Ländern, für 25 Vereine. Gibt es da eine große Liebe?

          Es gibt viele Lieben, Brasilien ist eine davon. Ich war der erste Deutsche, der dort gespielt hat, einer der ganz wenigen Europäer. Ich bin unter anderem im alten Maracanã-Stadion aufgelaufen, damit ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Aber auch meine Zeit in Vancouver war wunderbar, es gibt nicht viele schönere Städte auf der Welt. Und Dunedin Technical in Neuseeland hat mir im Prinzip mein Leben zurückgegeben, nachdem ich in Singapur aus dem Gefängnis entlassen worden war. Danach musste ich so weit weg, wie es ging, um mich selbst wiederzufinden. In Europa hätte mir meine Geschichte wie ein Felsbrocken im Genick gelegen.

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