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Englands Nationalmannschaft : Die Frühreifen

Wilde Kerle auf dem Weg zum Titel? England spielt mit frischen Kräften Bild: dpa

Die Investition in die Zukunft zahlt sich jetzt schon aus: England entwickelt eine neue Fußballer-DNA. Am Samstag steht sie gegen Schweden im Halbfinale der Fußball-WM auf der Probe.

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          Als die deutsche Mannschaft ihr WM-Desaster erlebte, saß Gareth Southgate in einem Pressekonferenzraum in Kaliningrad. Dort sprach er über das bevorstehende letzte Gruppenspiel der Engländer gegen Belgien. Aber auch das Scheitern der Deutschen gegen Südkorea wurde ein Thema, als die Nachrichten aus Kasan in Kaliningrad eintrafen. Sie sind ja nicht umsonst eine Art Lieblingsfeind der Engländer. Oder sollte man sagen: ein geliebter Feind?

          Denn so wie Southgate laut englischen Journalisten darüber sprach, schien Schadenfreude, dieses schöne deutsche Wort, das es ins Englische geschafft hat, dem Trainer der „Three Lions“ nicht im entferntesten in den Sinn zu kommen. Er sprach vielmehr über seine Bewunderung für Deutschland. Dass er das Team von Joachim Löw im vergangenen Jahr beim Confed Cup beobachtet habe, auch die U 21 bei ihrem EM-Sieg in Polen. „Wir haben eine Menge dabei gelernt, Deutschland zu studieren, nicht zuletzt im vergangenen Sommer, und haben das genutzt“, sagte Southgate in Kaliningrad. „Indirekt haben sie einen großen Einfluss darauf gehabt, was wir jetzt tun.“

          Fussball-WM 2018

          Der deutsche Fußball ist für die Engländer, die an diesem Samstag (16 Uhr/F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und ARD) gegen Schweden um den Halbfinal-Einzug bei der WM in Russland spielen, schon seit längerem eine Art Role Model. Ein Beispiel für das, was es braucht, um aus einer Krise heraus wieder an die Spitze zu kommen. Was in England derzeit passiere, sagte Oliver Bierhoff vor ein paar Monaten, erinnere ihn daran, was in Deutschland nach 2000 passiert sei. Jener verheerenden EM, in deren Folge sich der deutsche Fußball erneuerte – mit einer beinahe revolutionierten Jugendarbeit.

          Englands Nachwuchs hat Deutschland überholt

          Die Mühen mündeten zuerst in den Gewinn der U-21-EM 2009 und dann in den WM-Titel 2014. Jetzt aber ist es so, dass die Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sorgenvoll nach England zeigen. In der vergangenen Saison war Europas Juniorenfußball fest in englischer Hand. Die U 17 und die U 20 wurden Weltmeister, die U 19 Europameister, und bei den EM-Turnieren der U 17 und der U 21 war erst im Finale und im Halbfinale Schluss, jeweils im Elfmeterschießen.

          Und Deutschland? Ja, gewann die U-21-EM. Bei der U-17-WM reichte es fürs Viertelfinale. Die U 20 aber schied im WM-Achtelfinale aus – gegen Sambia. U 19 und U 17 scheiterten jeweils in der EM-Vorrunde. Für die nächste U-19-EM im Juli ist das DFB-Team nicht einmal qualifiziert.

          Gute-Laune-Trainer: Gareth Southgate führt sein Team mit eigenem Stil

          England erlebte seine große Schmach vor zehn Jahren, 2008, als das Team die EM-Qualifikation verpasste, darüber hinaus aber war es die Erfahrung fortgesetzter Stagnation, das Gefühl der immer größeren Entfernung vom Rest der Fußballwelt, was zu enormem Handlungsdruck führte – und zu einer Orientierung an Nationen wie Deutschland, Frankreich oder auch Belgien. 2012 wurde das nationale Leistungszentrum St George’s Park eröffnet.

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