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Südamerikaner bei der WM : Neymars Egotrips sind gut fürs Geschäft

  • -Aktualisiert am

Drama, Drama, Drama: Neymar und Brasilien scheitern im Viertelfinale. Bild: AFP

Die letzte WM-Woche mit den vier europäischen Halbfinalisten ist nett anzusehen. Aber es fehlt der Kick des Unberechenbaren. Die Aufreger lieferten die lateinamerikanischen Diven auf und neben dem Platz.

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          Stimmen die Informationen des in der Regel gut informierten Blattes „Folha“ aus São Paulo, dann ließ es sich Familie Neymar bei dieser Weltmeisterschaft in Russland besonders gut gehen. Die Entourage des im Viertelfinale mit der brasilianischen Seleção an den belgischen Konterkünstlern gescheiterten Stürmers durfte offenbar – als einzige aus dem Kreis der Nationalspieler – stets im Mannschaftshotel einchecken. Und für die strapaziösen Reisen zu den Spielorten wartete auf den „Club Neymar“ ein Privatjet. Sein Hofstaat glich dem eines Fürsten, inklusive Hairstylisten, Hofnarren und Claqueuren. Keine Frage: Der Auftritt Neymars bei dieser WM hatte etwas von einer der in Brasilien so beliebten Telenovelas, die mit Geschichten von Aufstieg und Niedergang, Liebe und Hass, Inszenierung und Drama das Millionenpublikum allabendlich fesselt.

          Neymar folgte einer Logik, die im Kleinen einst den damaligen Bremer Manager Willi Lemke faszinierte, als es um den FC Bayern ging. Der hatte zu jener Zeit den Ruf, der FC Hollywood zu sein. Er habe lange über die Aussage seines Dauerrivalen Uli Hoeneß nachgedacht, verriet Lemke, als er die Aussage des Bayern-Managers zur Kenntnis nehmen musste: „Wir müssen arroganter werden.“ Zunächst habe er sich darüber aufgeregt, sagte Lemke, dann aber habe er erkannt: „Das war eigentlich genial.“ Denn damit konnten die Bayern gleich zwei Lager vor den Bildschirmen versammeln: „Beim FC Bayern schalten nicht nur die ein, die den Klub mögen, sondern auch jene, die ihn gern verlieren sehen wollen“.

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