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5:1 gegen Aserbaidschan : Weltmeister mit zwei Gesichtern

  • -Aktualisiert am

Am Ende klarer Sieger: Team Deutschland gegen Aserbaidschan Bild: WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Mit Mühe zur makellosen Bilanz. Die deutsche Mannschaft tut sich beim 5:1 gegen Aserbaidschan lange schwer – beendet die WM-Qualifikation aber mit einer eindrucksvollen Punktzahl.

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          Sonntagabend ist in Deutschland für gewöhnlich eher Krimizeit. Und eine ganze Weile sah es aus, als würden einige der 34.600 Zuschauer, die auf der Suche nach dem richtigen Kick ins Fritz-Walter-Stadion gekommen waren, ihre Entscheidung für das Ballsport- statt fürs Fernsehprogramm im Nachhinein bereuen müssen. In Kaiserslautern hieß das Motto des Abends lange: die Stille nach dem (Kunst-)Schuss. Das Publikum fühlte sich in der ersten Hälfte zu Recht nur unzureichend unterhalten, nachdem Leon Goretzka die deutsche Nationalmannschaft mit einem wunderbaren Hackentrick in Führung gebracht hatte (8. Minute). Ramil Sheydajew glich sogar für Aserbaidschan aus (34.).

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Doch nach der Pause wurde es dank einer substantiellen Steigerung in Sachen Konzentration und Zielstrebigkeit dann doch noch ein standesgemäßer 5:1-Erfolg, und auch die Stimmung auf den Rängen besserte sich merklich dank der Tore durch Sandro Wagner (54.), Antonio Rüdiger (64.), noch einmal Goretzka (66.) sowie Emre Can (81.).

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          Die makellose Qualifikation für die WM im nächsten Sommer in Russland mit zehn Siegen aus zehn Spielen war also gelungen, und von Mitte der zweiten Hälfte an lief sogar die Welle über die Tribünen des Fritz-Walter-Stadions. Manches, aber natürlich auch nicht alles, was zunächst schiefgelaufen war, ließ sich mit den umfangreichen Umbauten erklären, die der Bundestrainer vorgenommen hatte.

          Gegen Aserbaidschan veränderte Löw die Mannschaft, die drei Tage zuvor die WM-Qualifikation mit einem 3:1 in Nordirland perfekt gemacht hatte, gleich auf sieben Positionen. Dazu mussten die Deutschen zwei weitere Verluste durch Verletzungen schon in der ersten Hälfte hinnehmen. Während es bei Niklas Süle nach einer leichteren Blessur aussah, humpelte Shkodran Mustafi von Betreuern gestützt vom Platz. Doch auch unabhängig davon war es natürlich viel zu wenig, was die Deutschen in der ersten Hälfte boten.

          Beim Blick auf Joachim Löws Startelf konnte man sich fragen: Ist denn schon wieder Confed Cup? Gkeich neun Spieler, die auch in Russland dabei waren und dort den Titel eroberten, durften in Kaiserslautern von Beginn an ran. Lediglich Müller und Sané kamen hinzu. Im Abwehrzentrum spielte Mustafi eine Art letzten Mann, vor ihm agierten Kimmich, Can und Süle, wobei Can zugleich den Spielaufbau aus der Tiefe einleiten sollte. Das Mittelfeld, Abteilung Offensive, bestand aus Brandt, Goretzka, Müller und Sané, vorne gaben Stindl und Wagner einen Zweier-Sturm.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Los war dann schon einiges in der ersten Hälfte – nur ganz anders, als sich das Löw, seine Spieler und auch das Publikum vorgestellt hatten. Manches, was im Falle des Gelingens lässig hätte aussehen können, endete schlampig und mit Frust. Die Führung wurde den Deutschen dann auch eher zufällig serviert. Goretzka kam nach einem Eckball nahe der Fünf-Meter-Linie mit dem Rücken zum Tor an den Ball, wie er dann mit der Hacke hoch ins Netz traf, muss ihm erstmal einer nachmachen.

          Sicherheit brachte das den Deutschen jedoch auch nicht. Vor allem die Defensive verteilte großzügig Einladungen. Richard Almeida hätte fünf Minuten später gern schon eine davon dankend angenommen, schob den Ball aber allein vor Torwart Bernd Leno knapp vorbei. Es folgten der erste Wechsel, Antonio Rüdiger kam für den angeschlagenen Süle, sowie eine der wenigen Szenen, in denen Löws Team einmal einen klaren Angriff spielte – doch auch das mündete in einen Teil der deutschen Pannenshow: Im Grunde schien es für Wagner sogar schwieriger, dieses 2:0 aus kurzer Distanz nicht zu machen.

          Der Spätberufene mit der glänzenden Bilanz: Kopfball-Torschütze Wagner Bilderstrecke
          Der Spätberufene mit der glänzenden Bilanz: Kopfball-Torschütze Wagner :

          Das nächste Unglück folgte bald – und diesmal erwischte es Löws Team gleich doppelt heftig. Nach einem langen Ball vertrat sich Mustafi und blieb am Boden liegen, Sheydajew zog davon, wurde im Strafraum zu zögerlich angegriffen und ließ mit seinem Schuss dann auch noch Leno düpiert dastehen. Für Mustafi ging es nicht weiter, er wurde durch Ginter ersetzt. In der Nachspielzeit hätte Sané das 2:1 erzielen können, doch er verzog seinen Schuss – ein passender Abschluss.

          Nach der Pause jedoch wirkte es, als habe jemand auf ein völlig anderes Programm umgeschaltet. Plötzlich lief der Ball, und die Deutschen kamen zu Chancen. Die erste davon ließ Brandt noch liegen, doch kurz danach war Wagner zur Stelle. Dieser Treffer setzte endgültig Kräfte frei, der Widerstand der Außenseiter aus Aserbaidschan erlahmte – und Löws Team traf beinahe, wie es wollte, mal per Kopf (Rüdiger), mal nach feiner Kombination (Goretzka) und zu guter Letzt auch, durch Can, kraftvoll aus der Ferne.

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