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WM-Kommentar : Neustart für die Nationalelf

  • -Aktualisiert am

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) freut sich mit dem Siegtorschützen Toni Kroos nach dem Abpfiff. Bild: AFP

Der Bundestrainer setzt Özil und Khedira auf die Bank. Weil beide auch später nicht ins Spiel kommen, wirkt Löw entschlossen, diesen Weg weiterzugehen. Nun wird es spannend.

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          So viel hatte eine deutsche Nationalmannschaft lange nicht mehr zu verlieren. Ein Aus in der Vorrunde, das wäre die größtmögliche Demütigung für den Weltmeister und seinen Trainer. Doch genau das schien schon ziemlich nahe am Samstagabend in Sotschi. Dass die Deutschen am Ende noch ihre Haut retteten in diesem Schwedenkrimi, mit einem Finish wie aus dem Drehbuch, hatten sie sich schon verdient. Mit einem leidenschaftlichen Kampf trotz schwerer Rückschläge – dem ersten durch die Verletzung Sebastian Rudys nach einer knappen halben Stunde, den zweiten durch das Führungstor der Skandinavier nach einem verheerenden Fehler von Toni Kroos kurz darauf.

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          Weil Kroos seinen Fehler wettmachte mit dem Siegtor kurz vor Schluss, haben die Deutschen es nun doch noch selbst in der Hand im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea am Mittwoch in Kasan. Nach dieser Chance auf ein vorläufiges Happy-End sah es lange nicht aus am Samstag. Wer so viele Fehler macht und so viele Chancen auslässt, ist nicht auf der Höhe. Worauf die Deutschen aber jetzt hoffen dürfen, ist etwas ganz anderes: Dass mit diesem Paukenschlag kurz vor Ultimo gegen Schweden eine emotionale Befreiung einhergeht. Im besten Fall war es sogar ein Neustart.

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          Ohnehin war es ein spannendes und auch ein dringend nötiges Zeichen, das von diesem Spiel ausging. Unter dem Druck der Ereignisse tat Joachim Löw etwas, was für seine Verhältnisse einer kleinen Revolution gleichkam: Ein Spiel ohne Mesut Özil in der Startelf, das hatte es seit 2010 bei einer WM oder EM nicht gegeben. Und weil auch noch Sami Khedira aus dem Team rutschte, für das Mats Hummels wegen einer Verletzung gar nicht erst zur Verfügung stand, ging Löws Signal sogar noch ein bisschen weiter.

          Sechs Confed-Cup-Sieger standen zu Beginn auf dem Platz und nur noch drei Weltmeister. Eine knappe halbe Stunde profitierten die Deutschen davon, sie zeigten ein frischeres, entschlosseneres Gesicht als gegen Mexiko; bis zu jener Szene in der Rudy, der anstelle von Khedira spielte, verletzt wurde. Danach herrschte erst einmal die große Konfusion. Es sprach für die Deutschen, dass sie sich nach dem Rückstand zurück in dieses Spiel bissen und mit Mut, Kreativität und Ausdauer das schwedische Tor bespielten.

          Löw hatte am Tag vor dem Spiel eine Reaktion angekündigt, und die erste kam von ihm selbst. Zwei Änderungen waren zu erwarten gewesen: Hector, der von einer Erkältung genesen war, für Plattenhardt und Rüdiger für Hummels, der sich einen Halswirbel verrenkt hatte. Die anderen beiden waren Löws Zugabe – und seine verspätete Antwort auf die Defizite im Auftaktspiel, in dem Khedira auf der Schlüsselposition im Mittelfeld taktische und individuelle Fahrlässigkeit kombiniert hatte.

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          Dass der Bundestrainer auch Özil auf der Bank ließ, kam aber doch überraschend. Weil gegen Schweden auch später weder Özil noch Khedira ins Spiel kamen, wirkte Löw entschlossen, diesen Weg auch weiterzugehen. Er hätte am Samstag schon zu Ende sein können – diese Verlängerung wird eine spannende.

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