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WM-Aus-Kommentar : Löw darf nicht sakrosankt sein

Und nun? Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Nach dem erstmaligen deutschen WM-Aus in der Vorrunde muss auch über Löws Zukunft als Chef diskutiert werden. Dass die Party vorbei ist, bevor sie richtig begonnen hat, ist verschmerzbar – falls die Strategen des deutschen Fußballs die Zeichen der Zeit erkennen und handeln. Ein Kommentar.

          Ausgeschieden, schon in der Vorrunde einer WM. Das ist einer deutschen Mannschaft noch nie passiert. Als Weltmeister war sie angereist nach Russland, mit der deutlichen Ansage, den Titel erfolgreich verteidigen zu wollen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verließ sich dabei auf die makellose Qualifikation. Dass diese Haltung sehr optimistisch war, hatte sich nicht erst in den schwachen Vorbereitungsspielen abgezeichnet. Schon während der vergangenen Saison ließ sich erkennen, dass die zentralen Spieler der WM 2014 nicht mehr auf der Höhe ihres Könnens waren und, abgesehen von Kroos und Boateng, nicht mehr diese Siegermentalität ausstrahlten wie noch vor vier Jahren. Sie scheinen ihren Zenit überschritten zu haben.

          Fussball-WM 2018

          Noch aussichtsloser ist die Hoffnung von Reinhard Grindel, dem Präsidenten des DFB, er komme nach diesem sportlichen Desaster beim Nachspiel um harte Diskussionen herum. Grindel hatte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, dass eine Trennung von Cheftrainer Joachim Löw, dessen Vertrag bis zum Ende der WM 2022 läuft, auch im Falle eines frühen Scheiterns nicht in Frage komme. Löws Lebensleistung mit dem Triumph 2014 in Rio ist außerordentlich. Sechsmal hat er ein Halbfinale erreicht bei Welt- und Europameisterschaften, 2014 reichte es zum vierten Stern. Aber so wie für die in die Jahre gekommenen Weltmeisterspieler die Niederlage in Russland eine Zäsur bedeutet, quasi das internationale Karriereende einer grandiosen Generation, so muss auch Löws Zukunft als Chef diskutiert werden.

          Er hat die Verantwortung für die Zusammenstellung des Kaders. Er hat die „Jugend“ gelobt, aber ihr zu wenig vertraut. Und er hat im Spiel gegen Mexiko Schwächen beim Coaching gezeigt, nicht zum ersten Mal. Auf dem Weg zum Titel in Rio zwang ihn die Verletzung eines Verteidigers im Achtelfinale zu einer taktisch überfälligen und intern geforderten Veränderung. Auch bei der EM 2012 trug eine falsche Aufstellung zur Niederlage gegen Italien bei.

          Löw darf nicht sakrosankt sein, wenn das schmerzhafte Resultat von Kasan der Beginn von etwas Neuem, Großem sein soll, des nächsten Fußballfestes zur Freude der Millionen Fans in Deutschland. Dass die Party vorbei ist, bevor sie richtig begonnen hat, ist verschmerzbar – falls die Strategen des deutschen Fußballs die Zeichen der Zeit erkennen und handeln.

          Können es nicht fassen: die deutschen Spieler, dass die WM für sie in der Vorrunde endet – die Südkoreaner, dass sie gegen Deutschland 2:0 gewinnen. Bilderstrecke
          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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