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DFB-Team gegen Südkorea : Hummels kehrt zurück – Sorgen um operierten Rudy

  • Aktualisiert am

Mats Hummels (links) steht Bundestrainer Joachim Löw gegen Südkorea wieder zur Verfügung. Bild: AFP

Die Personalfragen stehen vor dem Vorrunden-Finale gegen Südkorea im Mittelpunkt. Nach dem Ausfall gegen Schweden ist Mats Hummels wieder bereit. Auf anderen Positionen gibt es dagegen Fragezeichen.

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          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kann im WM-Gruppenfinale gegen Südkorea am Mittwoch (16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei Sky) wieder auf Mats Hummels zurückgreifen. Der Einsatz von Sebastian Rudy ist dagegen stark gefährdet. „Mats ist wieder voll einsatzfähig. Wir gehen davon aus, dass er spielen kann“, sagte Assistenztrainer Marcus Sorg am Montag im deutschen WM-Quartier in Watutinki. Bayern-Profi Hummels (29) war gegen Schweden (2:1) wegen eines verrenkten Halswirbels ausgefallen.

          Fussball-WM 2018

          Rudy (28) hatte bei der Begegnung in Sotschi einen Nasenbeinbruch erlitten und sich am Sonntag einer Operation unterziehen müssen. „Wir müssen drauf vorbereitet sein, dass er unter Umständen nicht spielen kann“, sagte Sorg. Wenn allerdings die Möglichkeit bestehe, dass der Mittelfeldmann von Bayern München mit Maske spielen kann, „würde man das auf jeden Fall in Betracht ziehen“. Sicher ausfallen gegen Südkorea wird Jerome Boateng (29). Der Abwehrchef hatte gegen Schweden Gelb-Rot gesehen. Schiedsrichter der Partie gegen Südkorea wird der Amerikaner Mark Geiger sein.

          Julian Brandt ist derweil richtig heiß auf Südkorea. „Sonny, Koo, da kommen ein, zwei Bekannte, da freue ich mich richtig drauf“, sagt der Leverkusener mit Blick auf das WM-Gruppenfinale in Kasan. Ob Brandt dort wirklich gegen seine früheren Mitspieler Heung Min Son und Ja Cheol Koo ran darf, ist eine der schwierigsten Fragen für Joachim Löw. Lässt der Bundestrainer das Kader-Küken (22) erstmals bei der WM in Russland von Beginn an ran, müsste er einen weiteren Weltmeister „opfern“. Julian Draxler käme da ebenso in Frage wie Thomas Müller. Marco Reus und Timo Werner haben sich beim Zittersieg gegen Schweden (2:1) mit starken Leistungen im DFB-Team festgespielt, Mario Gomez ist die erste Bank-Option.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          „Müller spielt immer!“ Dieser einst von Louis van Gaal geprägte Satz galt bislang auch unter Löw. Seit der WM 2010 stand er nur in einem Turnierspiel (gelbgesperrt) nicht auf dem Platz, die letzten 14 EM- und WM-Begegnungen bestritt der 28-Jährige über die volle Distanz. Mit 93 Länderspielen ist Müller der erfahrenste Akteur im deutschen Aufgebot, mehr als seine 38 Tore, zehn davon bei einer WM, hat kein anderer zu bieten.

          Doch Müller ist weit von seiner früheren Form entfernt. Lothar Matthäus sah zuletzt „wenig überzeugende Leistungen“ vom Münchner, betonte aber: Müller rauszunehmen „wäre fatal. Er ist Sprachrohr, Persönlichkeit und Anführer. Er ist für mich der Kapitän der Feldspieler auf dem Platz.“ Der Rekordnationalspieler rät in der Bild-Zeitung, Müller zentraler aufzustellen - als rechten Halbstürmer oder zweite Spitze: „Müller muss in den Strafraum!“ Tatsächlich klagte Müller, er sei gegen Mexiko „zu wenig in Abschlusspositionen gekommen“. Kein einziger Torschuss kam in über 95 Minuten von ihm, gegen Schweden gab er in über 99 Minuten nur einen einzigen ab.

          Der beide Male eingewechselte Brandt dagegen (Einsatzzeit insgesamt: 18:21 Minuten) traf jeweils den Pfosten. „Für Jokertore bin ich immer gut“, sagt der 18-malige Nationalspieler (ein Tor), der 2016 Olympia-Silber und 2017 den Confed Cup gewann. Löw schätzt den Leverkusener sehr, zog ihm den hoch talentierten Leroy Sane vor. „Julian war beim Confed Cup gut, hat gute Fortschritte gemacht“, sagte er. Assistenzcoach Marcus Sorg lobte: „Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn ein Spieler von der Bank kommt und Schwung bringt.“ Dies sei „kein Ausschlusskriterium, dass so ein Spieler auch mal von Anfang an spielt“. Brandt selbst übt sich in Geduld - und träumt vom goldenen Wurf am 15. Juli in Moskau. Wer dann das WM-Finale bestreitet? „Hoffentlich wir und – ist mir egal“, sagt er.

          Der Deutsche Fußball-Bund wird unteressen zu den Vorfällen nach dem 2:1 gegen Schweden fristgerecht die angeforderte Stellungnahme bei der Fifa einreichen. Der Weltverband hatte am Sonntag Ermittlungen gegen die DFB-Mitarbeiter Uli Voigt (Medienkoordinator Bewegtbild) und Georg Behlau (Leiter Büro Nationalmannschaft) eingeleitet, die die Schweden mit ihren Jubelgesten provoziert hatten. „Wir werden bis 19.00 Uhr eine Stellungnahme abgeben“, sagte DFB-Sprecher Jens Grittner am Montag im WM-Quartier in Watutinki. Diese werde mit der DFB-Delegation um Präsident Reinhard Grindel abgestimmt, die im Laufe des Tages im Teamhotel erwartet wurde.

          Der DFB hatte sich für die Respektlosigkeiten umgehend entschuldigt. „Es war ein emotionales Spiel. Am Ende war die eine oder andere Reaktion oder Geste unseres Betreuerstabes in Richtung der schwedischen Bank zu emotional. Das entspricht nicht unserer Art“, schrieb der Weltmeister bei Twitter. Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff sagte der ARD: „Das darf nicht passieren.“ Die Nationalmannschaft bricht am Dienstagvormittag zu ihrem Gruppenfinale nach Kasan auf. Wie der DFB mitteilte, erfolgt der Abflug aus Moskau um 11.00 Uhr Ortszeit, die Landung am Spielort soll 90 Minuten später erfolgen. Für den Dienstagabend ist ein Abschlusstraining in der Kasan-Arena geplant.

          Die Weltmeister Mesut Özil und Sami Khedira erfahren für ihre Reaktion auf die Nicht-Berücksichtigung für das zweite WM-Gruppenspiel viel Lob. „Die Entscheidung ist gefallen, die muss jeder Spieler akzeptieren. Entscheidend ist, wie sie mit der Entscheidung umgehen. Das war beispielhaft“, sagte Assistenztrainer Sorg in Watutinki. „Wir haben einen breiten Kader, jeder wird benötigt“, betonte Sorg, „es ist kein Weltuntergang, wenn man mal ein Spiel nicht spielt.“ Auch die Reaktion von Özil und Khedira im Training am Sonntag sei „vorbildlich“ gewesen. Nationalspieler Marco Reus sagte zu einem gemeinsamen Foto mit Özil, das dieser nach dem Spiel aus der Kabine gepostet hatte: „Das zeigt auch, dass Mesut, obwohl er nicht gespielt hat, beim Team ist, für uns da ist und ein extrem wichtiger Spieler für uns ist.“ Özil sei „spielerisch einer der Besten der Welt. Ich bin mir sehr sicher, dass wir ihn im Turnier noch brauchen werden.“

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