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WM 2018 ohne Podolski : „So ein Mensch wie Lukas wird uns fehlen“

  • Aktualisiert am

Treffen in Berlin: Lukas Podolski (links) und Joachim Löw. Bild: Twitter.com/Podolski10

Von 2004 bis 2016 war Lukas Podolski bei jedem großen Turnier im DFB-Team. Bei der WM 2018 fehlt er erstmals im Kader. Einen Job beim Turnier in Russland aber hat er dennoch.

          Neulich waren Joachim Löw und Lukas Podolski mal wieder vereinigt. Beim DFB-Pokalfinale in Berlin trafen sich der Bundes-Jogi und der Deutschland-Poldi, die so viel zusammen erlebt haben bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft; vom WM-Sommermärchen 2006 über den WM-Triumph 2014 in Brasilien bis hin zu Podolskis Abschiedsspiel im Frühjahr vergangenen Jahres in Dortmund gegen England. Da erzielte Podolski in seinem 130. Länderspiel das einzige Tor des Abends. Es war sein insgesamt 49. im Nationaltrikot, ein wunderschönes dazu. Die Zuschauer der ARD-Sportschau wählten es zum Tor des Jahres.

          „Wir haben über viel geredet, aber vor allem über Privates. Er hat mich gefragt, wie es mir in Japan geht. Wir kennen uns seit 14 Jahren, da reden wir nicht nur über Taktiken, sondern auch über ganz normale Sachen“, verriet der Ur-Kölner Podolski, der inzwischen für Vissel Kobe spielt, dem „Express“ über den Plausch mit Löw. Für die Zeitung wird Poldi während der WM in Russland als Kolumnist arbeiten.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Der Langzeit-Bundestrainer Löw erlebt ebenso wie Teammanager Oliver Bierhoff gerade in Südtirol eine Premiere. Erstmals bereitet sich die Nationalelf unter der Führung des Duos Löw/Bierhoff auf eine WM oder EM vor – und Podolski ist nicht dabei. „Das war mir erst gar nicht so bewusst“, gestand Bierhoff. Ein großes Turnier ohne Poldi? „Da fehlt der eine oder andere Spruch und sein Lächeln“, bemerkte Bierhoff zur ungewohnten Situation im Trainingslager. „Lukas war immer eine positive Persönlichkeit, auf die man immer zählen konnte.“

          Der junge Podolski, der schon Nationalspieler war, als Löw und Bierhoff 2004 zum DFB stießen, war ein Leistungsträger. Am Ende seiner Länderspiellaufbahn „hat er die Reservistenrolle angenommen“, wie Bierhoff bemerkte. Der Titelgewinn 2014 war auch für den „ewigen Poldi“ die sportliche Krönung, auch wenn er bei seiner dritten und letzten WM nur noch auf zwei Teilzeiteinsätze kam. Trotzdem sei Podolski ganz wichtig gewesen, wie Bierhoff sagte: „In Brasilien war er ein unglaublicher Sympathieträger für die Mannschaft.“

          „Es waren schöne und geile 13 Jahre“, sagte Podolski bei seinem Abschiedsspiel. Löw erinnerte damals im Dortmunder Fußballmuseum an die gemeinsame Zeit „über viele Hürden hinweg“. Löw bemühte Superlative, sportliche wie menschliche. „Er war einer der größten Spieler, die Deutschland hervorgebracht hat.“ Und das, so Löw, nicht nur auf dem Platz. „Dem Lukas fliegen überall die Herzen zu. Er hat Empathie und Respekt für die Menschen. So ein Mensch wie Lukas wird uns fehlen.“

          Seit ein paar Tagen ist der aktuell verletzte Podolski wieder in seiner Wahlheimat Japan. Auf Instagram veröffentlichte er ein Bild, das ihn zeigt, wie er nach der Rückkehr aus Deutschland seinem Töchterchen Maya ein Küsschen gibt. Am 5. Juni wird die Kleine zwei Jahre als. Poldi selbst feiert tags zuvor seinen 34. Geburtstag. Seit der in Polen geborene Fußball-Profi für Vissel Kobe spielt, hat sich der Verein in der J-League verbessert. Zudem erhält Podolski in dem spanischen Mittelfeld-Star Andres Iniesta (34) vom FC Barcelona einen neuen prominenten Teamkollegen hinzu. „Andres Iniesta ist ein großartiger Spieler, einer von denen, die man in jeder Mannschaft haben möchte“, äußerte der aktuelle Weltmeister über den von 2010.

          Podolski ist inzwischen Kapitän seiner Mannschaft. Doch auch ein erfolgsgewohnter internationaler Star wie er muss damit leben, dass Fußball in Japan nicht dieselbe Bedeutung hat wie für Deutsche. „Wenn man sich die Medien anschaut, wird viel mehr Energie auf Baseball und Sumo verwendet, wahrscheinlich weil die beiden Sportarten länger in der Gesellschaft etabliert sind“, wurde Podolski ein halbes Jahr nach seiner Ankunft im Land der aufgehenden Sonne in dem japanisch-sprachigen Online-Magazin „Soccer Digest Web“ zitiert.

          Der Sympathieträger aus Deutschland wünscht sich, dass Fußball in Japan insgesamt einen höheren Stellenwert bekommt und entsprechend gefördert wird. „Wenn das nicht getan wird, bringen die tollen Stadien, die seit der WM 2002 neu gebaut wurden, nichts.“ Doch nicht nur fußballerisch zeigt der Deutsche Interesse an seiner Wahlheimat. Auch kulturell versucht er, zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern, möglichst viel von der japanischen Kultur mitzubekommen. So schaut er sich auch Sumo oder Baseball an. Zudem ist Podolski in Japan bekannt als großer Fan des berühmten Fußball-Comics „Captain Tsubasa“. Bei seinem ersten Spiel in Japan trug er Fußballschuhe des Modells „Captain Tsubasa“.

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