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Fußball-WM 2014 : Die vierte Dimension des Manuel Neuer

  • -Aktualisiert am

Ein sicherer Rückhalt - auf völlig unterschiedliche Art und Weise Bild: REUTERS

Die WM 2014 ist auch ein Turnier der Torhüter. In Brasilien kann Manuel Neuer seine Karriere krönen. Er hat alles, was ein Torwart braucht – und dazu einen entscheidenden Vorteil.

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          Vier Jahre sind im Fußball eine lange Zeit. In diesem Fall kommen sie einem vor wie eine Ewigkeit. Im Trainingslager der Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft in Südafrika ließ sich Joachim Löw bis zum letzten Tag Zeit, um zwei Fragen von höchster Wichtigkeit zu beantworten: wer sein Kapitän sein würde bei dem Turnier und wer der erste Mann im Tor sein würde. René Adler hatte sich zuvor verletzt, und so musste - aus damaliger Sicht - der Zweitbeste gefunden werden. Manuel Neuer oder Tim Wiese hieß die Frage. Heute ist Neuer der wohl beste Torwart der Welt. Und Wiese versendet Selfies aus der Muckibude.

          Zugegeben, schon im WM-Jahr 2010 sprach ziemlich viel für Neuer, und nicht wenige hielten den damaligen Schalker bereits für besser als Adler. Eine große Überraschung war Löws Votum also nicht. Dass die Karriere der neuen deutschen Nummer eins allerdings einen derart steilen Weg nehmen würde, war in dieser Form nicht abzusehen. In Südafrika trug er mit unaufgeregter Klasse seinen Teil zu einem erfolgreichen Turnier bei - und womöglich bietet die zweite Weltmeisterschaft dem 28 Jahre alten Neuer nun die Chance zur Krönung der Karriere.

          Packende Storys über Ochoa und Howard

          Das Turnier in Brasilien ist auch eine WM der Torhüter. Sie stehen besonders im Fokus, weil hier viel mutiger, viel angriffslustiger gespielt wird, als das vorher erwartet worden war angesichts der äußeren Bedingungen. Den Mann, der lange als der Beste der Welt galt, hat das hinweggefegt: Der Spanier Iker Casillas gab in Brasilien eine traurige Figur ab. Dafür aber hat es auch einige packende Storys über beherzt zugreifende Männer zu erzählen gegeben: über den Mexikaner Guillermo Ochoa zum Beispiel, der noch nicht einmal einen Klub für die neue Saison hat, aber die brasilianischen Angreifer reihenweise zur Verzweiflung brachte. Oder über den Amerikaner Tim Howard, der im Achtelfinale gegen Belgien derart famos hielt, dass er bei Wikipedia kurzzeitig als neuer Verteidigungsminister seines Landes erschien.

          Neuer in der vierten Dimension: In sich zu ruhen ist seine Stärke
          Neuer in der vierten Dimension: In sich zu ruhen ist seine Stärke : Bild: REUTERS

          Bei Manuel Neuer interessierte zunächst nur eines bei dieser WM: ob er überhaupt richtig fit werden würde nach seiner Schulterverletzung aus dem Pokalfinale. Er wurde. Und wie wichtig das für das deutsche Team ist, zeigte sich, als die Vorrunde vorbei war und es in die K.-o.-Phase ging. Da hat Neuer jetzt binnen einer Woche zweimal ein mögliches Aus (mit) abgewendet - und das auf völlig unterschiedliche Art und Weise.

          Der Reaktionskünstler war gefragt

          Gegen Algerien war es Manu, der Libero, der seinem Team bis in die letzte Minute der Verlängerung das „zu null“ rettete. Seine waghalsigen Ausflüge aus dem Strafraum heraus waren nicht nur die ultimative Zuspitzung seiner Spielweise: In Neuers Fußballwelt besteht ein Team nicht aus zehn Feldspielern und einem Torwart, sondern aus elf Mann, die jederzeit am Spiel beteiligt sind. Natürlich waren Team und Trainer voll des Lobes über Neuer, Löw hob noch einmal seine technischen Fähigkeiten hervor, mit denen er sich, zumindest im Training, ohne weiteres am Feldspiel beteiligen kann.

          Es war aber auch ein Zeichen, dass in der Mannschaft etwas nicht stimmte - so oft sollte selbst einer wie er, der das Risiko nicht scheut und dabei erstaunlich kontrolliert bleibt, nicht aus seinem Revier gezwungen werden. Einen Vorwurf machte Neuer seinen Vorderleuten deswegen nicht: „Ich helfe, wo ich kann“, sagte er nur.

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