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2:1 gegen Schweden : Deutschland siegt mit einem Schuss Glück

Es dauerte jedoch nicht lange, und die Schweden zeigten, weshalb sie auf dem Weg zur WM schon die Holländer und Italiener hinter sich gelassen hatten. In der 13. Minute nutzten sie einen Aufbaufehler von Rüdiger zu einem perfekten Konter. Ein Pass aus dem Mittelfeld genügte, und Berg hatte freie Bahn, doch Boateng griff in letzter Sekunde noch einmal ein und Neuer rettete. Diese Szene, nach der die Schweden wegen Boatengs Rempler wütend Elfmeter forderten, hätte dem Weltmeister eine letzte Warnung sein sollen. Doch bevor der Treffer nach dem gleichen Muster die Deutschen hart traf, musste Rudy den Platz verlassen. In der 24. Minute erhielt der Münchner einen Tritt ins Gesicht, unabsichtlich. Erst wurde er auf dem Platz einige Zeit behandelt, dann am Spielfeldrand, aber es ging nicht weiter für den aus der Nase blutenden Mittelfeldspieler. Es dauerte schließlich rund fünf Minuten und zwei Eckstöße, bis Löw auswechselte, während Rudy vor Enttäuschung, dass er raus musste, sein Trikot auf den Boden feuerte. Nach dem Spiel kam die Diagnose: Nasenbeinbruch. Ob Rudy gegen Südkorea spielen kann, ist ungewiss.

In der 31. Minute kam für ihn schließlich Gündogan, aber bevor er erstmals am Ball war, lag Deutschland 0:1 zurück. Es war ein Fehler nach altbekanntem Muster. Kroos spielte in der eigenen Hälfte, obwohl unbedrängt, den Ball in den Fuß von Berg: „Das muss ich auf meine Kappe nehmen“, sagte er hinterher. Der ehemalige Hamburger Berg schaltete schnell um und Claessons Flanke von der rechten Seite landete danach auf der Brust von Toivonen, der den Ball, leicht abgefälscht von Rüdiger, über den herauseilenden Neuer zum 0:1 ins Tor hob (32.). Kroos indes, dem der Abspielfehler unterlaufen hatte, war nur neben dem Torschützen hergelaufen. Toni Kroos sagte dazu: „Natürlich geht das erste Tor auf meine Kappe, wenn du im Spiel 400 Pässe spielst, dann kommen auch mal zwei nicht an.“

Plötzlich steht das Stadion Kopf: Toni Kroos (links) zirkelt einen Freistoß in die Maschen. Deutschland gewinnt 2:1. Bilderstrecke
Bilder zum Spiel : Das spektakuläre Comeback der DFB-Elf

Der Rückstand war ein Schock für den Weltmeister. Es bedeutete zu diesem Zeitpunkt das direkte Aus. Nun mussten die Deutschen noch zwei Tore schießen, um sich eine realistische Chance auf das Achtelfinale zu erhalten. Aber mit dem 0:1 verlor die Mannschaft ihr Selbstvertrauen. Die Deutschen retteten sich wie ein angeschlagener Boxer in die Pause. In der Kabine sammelte sich das Team, und Mario Gomez kam für Draxler. Mit wilder Entschlossenheit versuchten die Deutschen vom Anpfiff an, die Wende zu erzwingen. Und schon in der 48. Minute gelang Reus der Ausgleich. Werner hatte sich dynamisch durchgesetzt und sein Zuspiel in den Strafraum erreicht schließlich Reus, der seine Chance aus wenigen Metern zum 1:1-Ausgleich nutzte. Ein Schuss von Kroos (49.) und ein Kopfball von Müller (51.) verfehlten nur knapp ihr Ziel. In diesen Momenten fehlte es der Mannschaft nur an einem bisschen Glück, aber nicht an Wille und Leidenschaft.

Der Druck der Deutschen ließ nicht nach. Das neue Team des Titelverteidigers wehrte sich nach besten Kräften gegen das drohende Scheitern in der Vorrunde. Torchancen bescherte diese Spielweise der Mannschaft immer wieder. Nach 55 Minuten stand es 10:3 nach Torschüssen für den wankenden, aber wildentschlossenen Weltmeister – bei knapp 75 Prozent Ballbesitz. Aber nach etwa 70 Minuten eröffneten sich für die Schweden immer öfter Räume bei diesem deutschen Kraftakt, die die Defensive aber dann gerade noch zu schließen vermochte. Aber zweimal nur durch ein Foul von Boateng. Für das erste sah er in der 71. Minute die Gelbe Karte, zehn Minuten später die Gelb-Rote. Aber die Deutschen glaubten weiter an den Sieg – und erzwangen ihn mit dem Kunstschuss von Kroos.

Fussball-WM 2018

So kommt Deutschland bei der Fußball-WM ins Achtelfinale

Nach dem 2:1 gegen Schweden hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Weiterkommen wieder in der eigenen Hand. Am letzten Spieltag der WM-Vorrunde sind beim Duell des Weltmeisters gegen Südkorea am Mittwoch (16.00 Uhr) in Kasan und dem Parallelspiel von Mexiko gegen Schweden zahlreiche Konstellationen möglich.

Deutschland erreicht das Achtelfinale...

- wenn das DFB-Team mit mindestens zwei Toren Unterschied gegen Südkorea gewinnt.

- wenn das DFB-Team gegen Südkorea gewinnt und Schweden nicht gegen Mexiko gewinnt.

- wenn das DFB-Team gegen Südkorea gewinnt, Schweden gegen Mexiko gewinnt, und Deutschland bei gleicher Tordifferenz der Teams nicht die wenigsten geschossenen Tore hat.

- wenn das DFB-Team gegen Südkorea unentschieden spielt und Schweden gegen Mexiko verliert.

- wenn das DFB-Team gegen Südkorea unentschieden spielt und Schweden ebenfalls ein Remis gegen Mexiko erzielt. Dann muss Deutschland mehr oder gleich viele Tore bei seinem Unentschieden erzielen als Schweden.

- wenn das DFB-Team gegen Südkorea verliert und Schweden gegen Mexiko verliert. Dafür müsste Deutschland hoffen, dass Schweden mit dem gleichen Ergebnis verliert wie das DFB-Team gegen Südkorea. Dann käme es zum Dreiervergleich zwischen Deutschland, Schweden und Südkorea. In diesem hätte Deutschland entweder die meisten geschossenen Tore und wäre weiter. Oder wenn jeweils beide Spiele 1:0 ausgehen, wäre Südkorea aus dem Dreiervergleich eliminiert und Deutschland hätte den anschließenden direkten Vergleich mit Schweden gewonnen.

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