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Kommentar zur Nationalelf : Mehr als nur ein Kratzer für den DFB

  • -Aktualisiert am

So schwer war die WM-Vorbereitung der Nationalmannschaft noch nie Bild: picture alliance / ATP

Nie war das Trainingslager einer DFB-Elf von Schreckensnachrichten und persönlichen Verfehlungen so sehr bestimmt wie in diesen Tagen. Der gute Ruf hat kurz vor der WM mehr als nur einen Kratzer abbekommen.

          Seit Joachim Löw die Nationalmannschaft führt, hat sich an einer Einschätzung des Bundestrainers nichts geändert: Die Vorbereitungszeit auf ein großes Turnier gilt Löw als die wichtigste und damit entscheidende Zeit für den Erfolg. Das ist sein Credo.

          Wenige Tage vor dem Ende des Trainingslagers in Südtirol lässt sich aber ebenso mit Gewissheit feststellen: Noch nie hat die Nationalmannschaft in einer solchen Phase ein schwächeres Bild abgegeben, nie war das Trainingslager von Schreckensnachrichten und persönlichen Verfehlungen so sehr bestimmt wie in diesen Tagen.

          Man könnte fast meinen, die Planung für die zentrale Phase der WM-Vorbereitung habe nicht der Deutsche Fußball-Bund übernommen, sondern der Boulevard. Solche Schlagzeilen wie in diesen Tagen hat es um der deutschen liebstes Sportkind jedenfalls seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.

          Die wichtigste Zeit vor einem Turnier gerät nicht so, wie sich das Bundestrainer Joachim Löw gewünscht hat

          Ein Autounfall bei einer PR-Aktion, der zwei Verletzte hinterlässt, einer davon offenbar schwer – aber auch schockierte Sportler, die dieses Unglück erst noch verarbeiten müssen. Einen notorisch rasenden Bundestrainer, der wieder seinen Führerschein abgeben musste, diesmal für ein halbes Jahr.

          Und die Nachricht um einen Nationalspieler, der nach einem verlorenen Spiel besoffen in die Hotellobby pinkelt und das Bild des Flegels in kurzen Hosen aufleben lässt. Das ist schon ein bisschen viel auf einmal – und das Krisenmanagement in diesen Tagen war auch nicht gerade vorbildlich.

          Ein schwerer Unfall im Trainingslager überschattete die WM-Vorbereitung

          Der gute Ruf der Nationalmannschaft hat kurz vor der Weltmeisterschaft mehr als nur einen Kratzer abbekommen. Wie sehr das hervorragende Image, das die Nationalelf unter Manager Bierhoff seit nun fast zehn Jahren auch durch ihr Verhalten außerhalb des Platzes immer stärker entwickelte, beschädigt wurde, lässt sich allerdings noch nicht abschätzen.

          Das wird sich vor allem daran entscheiden, wie die Mannschaft nach dem schon als Chaos-Camp verspotteten Trainingslager in gut zwei Wochen in Brasilien auftritt und abschneidet.

          Nationalspieler Kevin Großkreutz benahm sich daneben nach dem Pokalfinale

          Was die öffentlich völlig vermasselte Vorbereitungszeit aber rein sportlich für die Weltmeisterschaft bedeutet, ist trotz der Verletzungsmisere ungewiss. Fitness und Form der Topspieler Neuer, Lahm, Schweinsteiger und Khedira lassen sich für den Turnierverlauf in Brasilien noch nicht endgültig vorhersehen.

          Aber selbst den einen oder anderen Spieler jenseits der Topform könnte ein starker deutscher Kader verkraften – aber auch nur dann, wenn ansonsten alles stimmt in der Nationalelf und ihrem Umfeld. In den unruhigsten DFB-Tagen seit Jahren sind aber auch diese Zweifel gewachsen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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