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Stimmen zum Spiel : „Dann muss man auch die Eier haben“

  • Aktualisiert am

Marco Reus (rechts) brachte die Deutschen mit dem Ausgleich wieder ins Spiel. Bild: dpa

Was für ein Spiel! Deutschland siegt noch in der 95. Minute. Kroos freut sich, dass sich andere nicht freuen können. Müller kommt nach der Partie eine Erkenntnis. Und Schwedens Trainer rüffelt die Deutschen.

          Mit einem späten 2:1 (0:1)-Sieg gegen Schweden hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstag im russischen Sotschi die Chance auf den Achtelfinal-Einzug bei der WM gewahrt. Die Entscheidung fällt am letzten Spieltag der Gruppe F, Deutschland trifft am Mittwoch auf Südkorea. Den Siegtreffer erzielte Toni Kroos mit einem Freistoß erst in der fünften Minuten der Nachspielzeit. Die Reaktionen:

          Fussball-WM 2018

          Joachim Löw (bei der ARD): „Der Sieg kam glücklich in der Nachspielzeit und in Unterzahl zustande. Letztendlich war es schon auch verdient, weil wir an uns geglaubt haben, drangeblieben sind. Wir haben eine gute Moral bewiesen. Eigentlich hatte Schweden nur zwei Möglichkeiten. So ein Fehler passiert auch einem Spieler wie Toni Kroos. Ich freue mich sehr, dass er dann das Tor erzielt hat. Heute haben wir bei weitem weniger Fehlpässe gesehen als gegen Mexiko. Bei unserem offensiven Drang kann ein Fehler immer zu einem Gegentor führen.“

          Teammanager Oliver Bierhoff: „Die Gefühle und Emotion sind ein bisschen übergeschwappt. Ich hatte Diskussionen mit den Schweden. Ich war verärgert über deren destruktives Spiel, und Zeitspiel sollte nicht belohnt werden. Es ist eine super Sache, das Ding mit einem Mann weniger noch zu drehen. Das Manko war, dass wir unsere Linie verlieren und uns mit Fehlpässen in die Bredouille spielen. Da müssen wir ruhiger und konzentrierter sein. Es werden die Karten neu gemischt werden für das letzte Spiel, die große Bank wird uns helfen.“

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Toni Kroos: „Insgesamt im Spiel haben wir wieder die Phasen, wo wir richtig gut waren und die Chancen nicht gut genutzt wurden. Wir wurden viel kritisiert, teilweise auch zu Recht, gerade viele Leute hätte es in Deutschland gefreut, wenn wir heute rausgegangen wären. Natürlich geht das erste Tor auf meine Kappe, wenn du im Spiel 400 Pässe spielst, dann kommen auch mal zwei nicht an. Aber dann muss man auch die Eier haben und in der zweiten Halbzeit so weiter spielen. Jetzt müssen wir uns erholen, haben nicht ganz so viel Zeit, müssen Südkorea schlagen und überzeugend auftreten.“

          Marco Reus: „Tonis Schuss, was soll man dazu sagen? Bei dieser WM sind sehr viele Tore zum Schluss gefallen, heute war das Glück auf unserer Seite. Wir haben gut angefangen, hatten aber nicht die dicken Chancen. Schweden hat es gut gemacht, stand kompakt und eng. Es ist auf dem Platz schwer zu sagen, warum wir die Fehler machen. Toni hat den Fehler gemacht, hat ihn ausgebügelt und damit alles richtig gemacht.“

          Thomas Müller (bei der ARD): „Wir haben alles reingelegt. Und am Schluss wurden wir belohnt. Wir waren auch noch in Unterzahl. Wir müssen bis zur letzten Sekunde dranbleiben, manchmal wird man belohnt. Wir hatten auch etwas Pech beim Pfostenschuss von Julian Brandt, und Mario Gomez hatte auch noch eine große Chance. Wir haben alles reingelegt. Das Gegentor war natürlich nicht eingeplant. Es ist nicht selbstverständlich, das noch umzubiegen. Das kann ein entscheidender Wendepunkt sein. Das wird man aber erst später sehen. Die Schmetterlinge fliegen jetzt gerade. Die Schweden haben von der ersten Minute extremes Zeitspiel betrieben, mit fünf Minuten Nachspielzeit waren sie gut bedient. Möglich ist alles – vom Worst Case bis zum Höchsten der Gefühle.“

          Philipp Lahm, DFB-Ehrenspielführer: „Bis zur letzten Minute daran glauben, das ist die Stärke der Nationalmannschaft. Man kriegt eine Gelbe-Rote, steht kurz vor dem Ausscheiden – aber die Mannschaft glaubt daran und hat immer noch die Qualität ein Tor zu machen. Man hat immer solche Schlüsselspiele, die entscheiden.“

          Reinhard Grindel, DFB-Präsident: „Wir haben uns das Glück erarbeitet. Die bessere Mannschaft hat in der letzten Minute einen verdienten Sieg davongetragen. Wir haben deutlich, deutlich besser gespielt als gegen Mexiko. Die Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt. Da war Zug drin, da war klare Zuordnung, da waren Kombinationen, wie wir sie gegen Mexiko nicht gesehen haben. Jogi Löw hat Veränderungen vorgenommen, die sich alle als richtig erwiesen haben. Es ist noch nichts gewonnen. Eine solche Erfahrung setzt aber noch einmal Kräfte frei. Die sind notwendig für den weiteren Verlauf des Turniers. Es war ein toller Abend für das ganze Team und die sportliche Leitung.“

          Janne Andersson (Trainer Schweden): „Einige der Deutschen fingen an zu feiern, indem sie in unsere Richtung liefen und Gesten zu machen, das hat mich sehr geärgert, das war respektlos. Wir haben 90 Minuten gekämpft, wenn dann der Schlusspfiff ertönt, schüttelt man sich die Hand und verhält sich nicht so. Ich habe mich wirklich sehr darüber geärgert. Wir haben 95 Minuten gekämpft, stehen aber am Ende mit leeren Händen da. Das war sehr enttäuschend. Die TV-Bilder haben gezeigt, dass es in der ersten Hälfte ein Elfmeter hätte für uns sein müssen.“

          Plötzlich steht das Stadion Kopf: Toni Kroos (links) zirkelt einen Freistoß in die Maschen. Deutschland gewinnt 2:1. Bilderstrecke

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