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F.A.Z.-Experte Ralf Rangnick : „Ich habe keine Argumente für Argentinien“

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Einer der Trainer, die dem modernen Fußball in Deutschland zum Durchbruch verholfen haben: Ralf Rangnick Bild: picture alliance / dpa

Ralf Rangnick ist davon überzeugt, dass der neue Weltmeister Deutschland heißt, wenn die Mannschaft von Joachim Löw den Gegner schon in dessen Spielhälfte attackiert. Die Analyse des F.A.Z.-Experten.

          Argentinien hat sich in einem quälenden Halbfinale für das Endspiel gegen Deutschland qualifiziert. Erwarten Sie auch ein quälendes Finale?

          Dass es nicht dazu kommt, wird in erster Linie an Deutschland liegen. Ich erwarte nicht, dass die Argentinier ihren Stil ändern werden. Sie waren bis jetzt vor allem auf Toreverhindern aus, sie haben in allen drei K.-o.-Spielen keinen Gegentreffer hinnehmen müssen, wenn man vom Elfmeterschießen gegen Holland absieht. Und gerade nach unserem 7:1 gegen Brasilien werden sie erst recht nicht offensiver auftreten.

          Was muss das deutsche Team tun, um Argentinien in Unordnung zu bringen?

          Die Elemente des Fußballs einbringen, die es mit zunehmendem Turnierverlauf immer mehr gezeigt hat. Situatives frühes Stören und nach Ballgewinn schnelles Umschalten. Nach den Balleroberungen nachrücken, den gegnerischen Strafraum mit vier bis fünf Mann besetzen und bei eigenem Ballbesitz immer wieder vertikal anstatt quer spielen. Wenn wir das wie gegen Brasilien auch gegen Argentinien beherzigen, glaube ich nicht, dass es ein langweiliges Spiel geben wird. Das Halbfinale am Mittwoch war wirklich extrem. Wenn man fünf Minuten gesehen hatte, egal welche, hatte man das ganze Spiel gesehen. Wenn irgendjemand die Tore abgebaut hätte, hätte das wahrscheinlich keiner groß bemerkt.

          Das Schlimme war, dass beide Mannschaften ziemlich ähnlich spielten: Hinten eine Fünferkette, vorne zwei, drei Hochbegabte, die aber kaum Unterstützung bekamen und in eklatanter Unterzahl quasi chancenlos waren.

          Die Argentinier haben so schon das ganze Turnier gespielt und nach der Verletzung von Di María haben sie noch mehr ihr Heil darin gesucht, erst mal keine Tore zuzulassen. Aber bei den Holländern habe ich wirklich nicht verstanden, weshalb sie von ihrer begeisternd offensiven Spielweise beim 5:1 über Spanien abgerückt sind. Wenn das für holländische Verhältnisse extreme Vertikalspiel mit einem 5:1-Erfolg bestätigt wird, sollte man meinen, dass sie es im weiteren Turnierverlauf weiter gezielt einsetzen. Aber das Halbfinale war wieder Breitwand-Fußball und ein Quer- und Rückpass-Festival in Vollendung. Das war so ziemlich das langweiligste Fußballspiel, das ich seit langem gesehen habe. Selbst wenn sich der Gegner mit elf Spielern auf die Torlinie stellt, muss ich irgendwann mal vorne rein spielen und nachrücken. Aber die Holländer haben es gar nicht erst probiert. Sie waren bei ihren Angriffen so hoffnungslos in Unterzahl, dass es noch nicht einmal durch einen Zufall möglich war, ein Tor zu schießen.

          Hat es Sie überrascht, dass der holländische Trainer van Gaal darauf verzichtete, für das Elfmeterschießen wieder Ersatztorwart Krul einzuwechseln, der gegen Costa Rica das Weiterkommen sicherte?

          Ich habe wie wahrscheinlich die ganze Welt damit gerechnet, dass van Gaal den Torwartwechseltrick wiederholt. Andererseits konnte van Persie nicht mehr laufen, und mit Huntelaar kam ein sicherer Elfmeterschütze ins Spiel. Aber Jens Lehmann (ehemaliger Nationaltorwart, die Red.) hat meiner Meinung nach etwas Richtiges gesagt: Die Nummer eins Cillessen wirkt recht schmächtig und füllt zumindest optisch das Tor nicht richtig aus. Wenn der großgewachsene Krul drinsteht, wirkt das Tor für den Schützen schon deutlich kleiner. Den letzten Elfmeter der Argentinier hätte Krul gehalten, da bin ich mir fast sicher.

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