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Pfiffe bei Länderspiel : Unabsehbare Folgen für die Weltmeisterschaft

  • -Aktualisiert am

Wurde beim Länderspiel gegen Saudi-Arabien von den deutschen Fans ausgepfiffen: Ilkay Gündogan. Bild: dpa

Die Aufregung um die Erdogan-Fotos kocht beim letzten WM-Test der Nationalmannschaft wieder hoch. Auswirkungen auf das Turnier in Russland sind auch für den Bundestrainer denkbar. Das hat mehrere Gründe.

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          Das war’s dann! Die Phase der Vorbereitung ist endgültig abgeschlossen. Vom kommenden Wochenende an wird sich nun zeigen müssen, ob die Art und Weise, wie sich Joachim Löw und die deutschen Nationalspieler auf die Weltmeisterschaft eingestimmt haben, eine so stabile Grundlage bildete, dass sich darauf während des vier Wochen dauernden Turniers tatsächlich große Hoffnungen aufbauen lassen. Die finale Formüberprüfung vor dem Abflug nach Russland weckte Zweifel. Aus der Generalprobe waren kaum verlässliche Rückschlüsse auf die momentane physische und psychische Verfassung des selbsternannten Mit-Favoriten zu gewinnen – zudem verschwindet ein schwelendes Problem nicht mir nichts, dir nichts aus der Welt, wie es den Strategen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am liebsten wäre.

          Fußball-Länderspiele

          Weithin vernehmbare Teile der Fans, die bereits Mesut Özil für sein anbiederndes Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor Wochenfrist in Österreich gescholten hatten, ließen diesmal Ilkay Gündogan, der an der Aktion auch maßgeblich beteiligt war und seitdem für seinen lobhudelnden Doppelpass mit dem Autokraten wenig überzeugende Worte fand, ihren Unmut spüren. Die anfangs muntere und mit zunehmender Dauer unkonzentrierte Darbietung gegen Saudi-Arabien, als 67. der Weltrangliste neben der Auswahl des Gastgebers (Rang 70.) das am zweitschlechtesten bewertete WM-Team, endete mit einem schmeichelhaften 2:1-Erfolg für Löws Leute, denen die Pfiffe, die einen der ihren nach seiner Einwechslung auf Schritt und Tritt begleiteten, kollektiv zu schaffen machen.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Der Abend in Leverkusen hinterließ so bei einigen deutschen Protagonisten einen bleibenden Eindruck. Nur eben nicht einen solchen, wie sie es sich gewünscht hätten. Eine gelungene Abschiedsparty sieht jedenfalls anders aus. Joachim Löw machte sich gar keine Mühe, zu verhehlen, dass es nach etwa einer Stunde, in der seine Mannschaft nicht zu überzeugen wusste, um seine anfangs gute Laune geschehen war. Mit der Hereinnahme von Gündogan bekam das Fußballspiel eine Wendung, die dem Bundestrainer nicht gefallen konnte. Auf seine Entscheidung, Marco Reus vom Feld zu nehmen und durch den 27-Jährigen zu ersetzen, reagierten die Zuschauer mit unverhohlenem Missfallen – das den gebürtigen Gelsenkirchener fortan in jeder Szene, bei der die Kugel in seine Nähe kam, begleitete. Julian Draxler war noch vor der ersten Ballberührung Gündogans in Richtung des Kollegen gelaufen und hatte ihn mit demonstrativen Beifall begrüßt. Löw drehte sich dagegen zunächst irritiert wirkend zu den Besuchern auf den Tribünen um und wollte sie ebenfalls zu Applaus animieren, doch das Signal kam nicht an.

          Stattdessen gab der lautstarke Teil des Publikums dem Profi zu verstehen, dass er Gündogan die politische Dimension, die von der Aktion unter seiner Mitwirkung ausging, so schnell nicht nachsehen werden. Gündogan und Özil hatten Erdogan am 13. Mai in London getroffen. Beide hatten dem auch wegen seiner umstrittenen Menschenrechtspolitik sowie Verstößen gegen Presse- und Meinungsfreiheit in der westlichen Welt umstrittenen Politiker unter anderem signierte Trikots ihrer Vereine Manchester City und FC Arsenal überreicht.

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