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Nationalmannschafts-Kommentar : Es muss mehr kommen

Wie geht es weiter? Bundestrainer Joachim Löw und Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel gegen die Vereinigten Staaten Bild: dpa

Gewonnen und im Achtelfinale, ohne restlos zu überzeugen: Die deutsche Mannschaft präsentiert sich auch gegen die Vereinigten Staaten noch lange nicht titelreif. Irritierend ist die Diskrepanz zwischen Innen- und Außenwahrnehmung.

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          In Brasilien, so heißt es nicht ohne Grund, wird überall Fußball gespielt. Manchmal nicht nur am, sondern sogar im Wasser. In Recife deutete am Donnerstag lange alles mehr auf eine Neuauflage der „Wasserschlacht von Frankfurt“ 1974 hin als auf eine Reminiszenz an die „Schande von Gijón“ aus dem Jahr 1982, von der so viel die Rede gewesen war in den vergangenen Tagen. Wie sich die deutsche Mannschaft dann unter alles in allem doch noch ordentlichen Bedingungen gegen die Amerikaner schlug, war ziemlich wechselhaft: erst stürmisch und mit viel Wirbel, dann eine Weile lau und ohne klare Richtung. Insgesamt aber blieb der Eindruck irgendwie unentschieden – wieder mal.

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          So stand unterm Strich zwar das gewünschte Ergebnis – mit dem 1:0 durch das Tor von Thomas Müller geht es als Gruppenerster weiter nach Porto Alegre. Frische Argumente dafür allerdings, dass Joachim Löws Mannschaft in der Lage sein könnte, den ganzen weiteren Weg über die Stationen Rio de Janeiro und Belo Horizonte zu gehen, bevor dann, wieder im Maracanã von Rio der goldene Pokal vergeben wird, hat der Auftritt im letzten Vorrundenspiel nicht geliefert.

          Der Bundestrainer wollte gegen Jürgen Klinsmanns Amerikaner seine Theorie mit Leben erfüllen, wonach er auf unterschiedliche Herausforderungen mit unterschiedlichen personellen Varianten reagieren kann. Und in der Anfangsphase sah es danach aus, als würde insbesondere Bastian Schweinsteiger der Mannschaft zu noch mehr Präsenz und Ballsicherheit verhelfen. Er sorgte auch für eine Extraportion Galligkeit im Mittelfeld, die gegen die robusten Amerikaner gut zu gebrauchen war. Lukas Podolski hingegen, der in der Arena Pernambuco ebenfalls beginnen dufte, blieb wirkungslos. Wie auch die Mannschaft lange Zeit zu wenig echte Torgefahr entwickelte. Das kann gutgehen, es kann aber auch sein, dass es mal schiefgeht.

          Diskrepanz zwischen Innen- und Außenwahrnehmung

          Schon die Tage vor dem Spiel waren von einer merkwürdigen, in dieser Form selten zu beobachtenden Diskrepanz zwischen Innen- und Außenwahrnehmung geprägt. Während Team und Trainer einen ausgesprochen zuversichtlichen Eindruck verbreiteten und dabei auch vollauf überzeugt wirkten, hielt sich unter den Beobachtern Skepsis. Zugespitzt zeigte sich das in der Rezeption des Ghana-Spiels. Die Akteure sahen darin einen Beleg für Widerstandskraft und Kampfgeist im Team, für die Zweifler war es eine unangenehme Erinnerung an frühere Anflüge von Kontrollverlust. Es wird spannend zu sehen sein, welche Perspektive in der Rückschau als die realistischere erscheinen wird.

          Im Augenblick macht es den Eindruck, dass sich die Mannschaft auch nach fast drei Wochen in Brasilien noch auf ungewissem Terrain befindet – zumindest, was das ganz große Ziel betrifft. Es hat einiges besser funktioniert, als man das erwarten konnte nach der von Verletzungen beschwerten Vorbereitung. Es stehen aber nach wie vor große Fragezeichen, wie das spielverliebte deutsche Team gegen Spielverderber von höherem Kaliber abschneidet. Auch gegen die Amerikaner spürte man in den besseren Momenten, dass die Mannschaft eine der großen Attraktionen dieser WM werden kann. Um dafür einen Preis mit nach Hause nehmen zu dürfen, muss allerdings noch deutlich mehr kommen.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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