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Nationalmannschaft : Das medizinische Bulletin im Mittelpunkt

Training individuell: Bastian Schweinsteiger am Donnerstag Bild: REUTERS

Das Trainingslager der Nationalmannschaft beginnt, die offenen Fragen bleiben: Können Schweinsteiger und Khedira gegen Portugal spielen? Kommt ter Stegen für den verletzten Neuer mit nach Brasilien?

          Arbeiten, wo andere Leute Urlaub machen. Das gehört zu den Privilegien, die man als Fußballspieler genießt, wenn man sich auf große Ziele vorbereitet. Natürlich ist es nicht allein der Ferienidylle und dem Wohlfühlklima geschuldet, dass die Nationalmannschaft ihr Trainingslager wieder einmal in Südtirol aufgeschlagen hat, vielmehr steckt eine ganz handfeste ökonomische Partnerschaft mit der Tourismusregion dahinter. In jedem Fall aber hat sich das Passeiertal noch einmal auf das Feinste herausgeputzt, um den prominenten Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

          Schon kurz hinter Meran sind die ersten Flaggen und Plakate mit Grußbotschaften am Straßenrand zu sehen. In der Gemeinde St. Leonhard, wo das deutsche Team sein Domizil gewählt hat, gibt es kaum ein Geschäft, das sein Schaufenster nicht mit diesem oder jenem Fußballaccessoire dekoriert hat. Vor allem aber genügt auch das Wichtigste, das Trainingsgelände, in jeder Hinsicht den Ansprüchen des Deutschen Fußball-Bundes an so eine Unternehmung: mit abgesperrten Wegen und blickdichten Folien zur Abschirmung nach außen, und für diejenigen, die Zugang haben, mit einem Rasen, der sich allenfalls mit dem Golfplatz neben dem Fünf-Sterne-Teamhotel um den Rang des gepflegtesten Grüns in der Region streiten muss.

          Gut lachen? Joachim Löw beim Auftakt des Trainingslagers

          Als sich die deutsche Mannschaft am Donnerstagmorgen dort zum ersten gemeinsamen Üben versammelte, kamen allerdings längst nicht alle in den vollen Genuss dieses Trainingsparadieses. Manuel Neuer und Philipp Lahm fehlten wegen ihrer im deutschen Pokalfinale erlittenen Verletzungen, Sami Khedira wegen des Champions-League-Endspiels am Samstag mit Real Madrid, Per Mertesacker wegen der Geburt seines zweiten Kindes. Und Bastian Schweinsteiger drehte, während die Kollegen bei schönstem Sommerwetter vergnügt dem Ball nachjagen durften, mehr oder weniger einsame Runden um den Platz.


          Schweinsteiger? Vage

          In der Summe machte das also gleich fünf abwesende Profis, die man im weiteren Sinne vornehmlich der Abteilung Defensive zurechnen würde. Und auch wenn Mertesacker wie verabredet im Laufe des Donnerstags in St. Leonhard erwartet wurde, war es kein Wunder, dass unter den Beobachtern die Nachfrage nach aktuellen medizinischen Bulletins besonders groß war – größer jedenfalls als das Interesse an der Ballarbeit auf dem gepflegten Platz.

          Beruhigende Antworten gab es dabei nicht in allen Fällen. Insbesondere was Schweinsteiger betraf, klang es noch recht vage, wie sich Hans-Dieter Flick und Oliver Bierhoff am Donnerstag äußerten. Der Münchner, der unter Problemen an der Patellasehne leidet, solle auch in den kommenden Tagen individuell trainieren, hieß es. „Wir müssen aufpassen, wie er das verkraftet“, sagte Flick, die medizinische Abteilung sei da „ganz sensibel“. Und auch wenn sich Joachim Löws Assistent zuversichtlich zeigte, dass Schweinsteiger bis zum Ende des Trainingslagers „das Niveau erreicht, das wir erwarten“, ist das keine befriedigende Situation für die sportliche Leitung.

          Ter Stegen, hier bei seiner Vorstellung in Barcelona, soll vorerst nicht in den Urlaub fahren

          Man muss dabei noch nicht einmal an die Hängepartie vor der EM 2012 denken, als sich Schweinsteigers Rückkehr immer weiter verzögerte, bis sie eigentlich schon zu spät kam. Allein der Zeitverlust aber für das kollektive Einspielen im Defensivverbund ist schon ein Minus, auf das Löw und sein Team in ihrer Kalkulation für Brasilien gerne verzichtet hätten.

          Stand jetzt ist beim besten Willen nicht abzusehen, wer am 16. Juni gegen Portugal die Mittelfeldzentrale und damit das Herzstück des deutschen Teams bildet. Auch hinter Khedira stehen schließlich erhebliche Fragezeichen. „Mein Traum ist es, dass er zum Einsatz kommt und in der 83. Minute das Siegtor schießt“, sagte Teammanager Bierhoff mit Blick auf das Finale in der Königsklasse zwischen Real und Atlético Madrid am Samstag. Doch selbst wenn dieses Fußballmärchen wahr würde: Eine Garantie, wie Khedira die Belastungen verträgt, ist das gut sechs Monate nach seinem Kreuzbandriss noch lange nicht.

          Kontakt mit ter Stegen 

          Es ist so etwas wie die Kernfrage für Löws Personaltableau, und der Bundestrainer wird sich erst so richtig mit ihr beschäftigen können, wenn Khedira am Montag zum Team stößt. Von der Idealvorstellung einer sorgenfreien WM-Vorbereitung ist das ein gutes Stück entfernt.

          Da war es gut, dass zumindest aus München positive Signale in St. Leonhard eingingen. Sowohl Lahm als auch Neuer sollen schon an diesem Freitag nach Südtirol nachreisen. Im Falle von Lahm (Kapselriss im Sprunggelenk) war das erwartet worden, im Falle von Neuer (Schulterverletzung) nicht unbedingt.

          So nahm Torwarttrainer Andreas Köpke zwar vorsichtshalber Kontakt zu Marc-André ter Stegen auf und bat ihn, sich nicht in den Urlaub zu verabschieden. Alles in allem aber wirkt es nicht so, als würde sich die sportliche Führung um die Einsatzfähigkeit ihrer Nummer eins sorgen. „Wir gehen natürlich davon aus, dass Manuel fit wird“, sagte Flick. Als Torwart, so die Annahme, würde ihm zur Not auch eine sehr kurze Anlaufzeit zur Rückkehr genügen. Das stimmt natürlich. Was die Abwehrbereitschaft des gesamten Teams betrifft, hält sich aus der Erfahrung der Vergangenheit allerdings auch ein anderes Bild: das eines längeren Weges, den man gar nicht früh genug beginnen kann.

          Arbeiten, wo andere Urlaub machen

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