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DFB-Elf vor Schweden-Spiel : „Leichtigkeit kann man nicht trainieren“

Nationalspieler Thomas Müller bei der Pressekonferenz in Sotschi. Bild: Reuters

Die deutsche Nationalmannschaft wehrt sich gegen die Diskussion um Quartierwahl und Grüppchenbildungen. Doch Thomas Müller ist wie immer gut drauf. Aber auch er erkennt ein zentrales Problem.

          Man wüsste ja schon sehr gerne in diesen Tagen, was der Bundestrainer so denkt über den ersten deutschen Auftritt bei dieser Weltmeisterschaft am vergangenen Sonntag. Aber zu hören ist von Joachim Löw seitdem nichts mehr, allenfalls zu sehen. Die öffentliche Aufarbeitung müssen bislang andere übernehmen – am Dienstag vor der Abreise stand Kapitän Manuel Neuer noch im Basislager in Watutinki Rede und Antwort, am Mittwoch erschienen Manager Oliver Bierhoff sowie die Spieler Thomas Müller und Marco Reus zur Pressekonferenz.

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          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wer den Bundestrainer zumindest visuell wahrnehmen wollte, hätte am Morgen Glück gehabt, als Löw über die Strandpromenade spazierte. Und wer eine Akkreditierung besitzt, durfte auch 15 Minuten des öffentlichen Trainings besuchen und gleich feststellen, dass in dem vom Bundestrainer stets favorisierten Standort Sotschi als Basislager nicht alles besser gewesen wäre als in Watutinki. Der Trainingsplatz vor den Toren Moskaus hatte sich doch in deutlich saftigerem Grün präsentiert.

          Die Diskussionen darüber, wo es denn nun schöner und zielführender gewesen wäre, spielen nicht nur für Bierhoff dabei keine Rolle mehr. Bei seinem neunten Turnier ist es der Manager ohnehin gewohnt, es nicht allen recht machen zu können – und berechtigterweise erinnerte er daran, dass er auch vor vier Jahren reichlich Kritik über das extra erbaute „Campo Bahia“ hatte einstecken müssen, das mittlerweile als ganz elementarer Baustein des WM-Erfolges gilt. „Wären wir im Achtelfinale gegen Algerien ausgeschieden, wäre es eine Schnapsidee gewesen“, sagte Bierhoff.

          Konterstark: Oliver Bierhoff wehrt sich gegen Diskussionen ums WM-Quartier

          Aussprache soll helfen

          Im Erfolgsfall ist bekanntlich alles gut – und alles gut war deshalb vor einem Jahr, als eine deutsche B-Mannschaft zum Lernen nach Sotschi zum Confed Cup unbekümmert und ohne große Erwartungen anreiste und als großer Sieger heimkehrte. Von der Leichtigkeit von 2017 ist nun nicht mehr viel übrig geblieben bei der Rückkehr nach Sotschi, und alle Probleme, die schon vor Beginn der WM aufgetaucht waren, haben sich durch das 0:1 gegen Mexiko potenziert.

          Auf der Krisensitzung am Dienstag sollte alles zur Sprache kommen, was dem gemeinsamen Erfolg zuletzt im Wege stand. „Jeder, der mal in einer Mannschaft gespielt hat und ein negatives Erlebnis hatte, weiß genau, worum es in so einer Aussprache geht“, sagte Bierhoff. Und weil das für den Nationalmannschafts-Manager und ehemaligen Kapitän ganz besonders gilt, konnte er Vergleiche ziehen. „Es hat nicht so geknallt, wie es früher geknallt hätte, aber dies ist auch eine andere Generation.“

          Wichtig ist ohnehin nur, was am Ende herauskommen wird, nicht die Lautstärke in irgendeinem abgeschirmten Raum in Watutinki. Schließlich droht der deutschen Mannschaft, die mit der Titelverteidigung doch etwas Historisches erreichen wollte, doch tatsächlich ein besonderes Ereignis: Das erste Ausscheiden schon in der Gruppenphase, falls es auch gegen Schweden am Samstag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM sowie im ZDF und bei Sky) schief ginge und Mexiko zuvor seine Partie gegen Südkorea gewinnen sollte.

          Grüppchenbildung dementiert

          Bis dahin bleiben noch viele Gelegenheiten, die richtigen Schlüsse aus dem Auftaktspiel zu ziehen, allerdings auch viel Zeit, um die Nervosität anwachsen zu lassen. „Es geht jetzt darum, den richtigen Mix zwischen Fokussierung und Entspannung zu finden“, sagt Bierhoff. Schwierig genug, weil sich erst am Samstag entscheiden wird, ob die Suche erfolgreich war. „Es gibt immer solche Situationen in den großen Turnieren, aber es ist natürlich ärgerlich, dass es diesmal schon so früh ist“, sagt Bierhoff, und setzt darauf, dass die interne Aufarbeitung zu den richtigen Ergebnissen führt. Vielleicht auch zu einer anderen Aufstellung? „Es wird sicher einen Impuls geben“, glaubt Bierhoff.

          Sicher dürfte sein, dass der zuletzt erkältete Jonas Hector wieder seinen angestammten Platz auf der linken Abwehrseite übernehmen wird und Marvin Plattenhardt ersetzt. Dass der Berliner gegen Mexiko kaum ins Spiel eingebunden worden war, ist für Müller alles andere  als ein Beleg für mangelnde Geschlossenheit im deutschen Team. „Das lag an der Taktik des Gegners, unsere linke Seite zuzumachen“, sagte er und dementierte Gerüchte über Grüppchenbildungen, dem kompletten Gegenteil des Reisemottos  #zsmmn. „Das hatten wir bei der EM 2012 vielleicht, aber ich sitze beispielweise immer an einem anderen Tisch und bin auch da flexibel einsetzbar.“

          Seine Lockerheit in Pressekonferenzen hat sich der gegen Mexiko enttäuschende Müller bewahrt, die auf dem Platz muss er wieder finden. „Und das“, sagt er, „ist das Problem: Leichtigkeit kann man nicht trainieren.“

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