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Mit der Nationalmannschaft nach Südafrika : Bei uns Touristen ließen sich die Stars nicht blicken

Gruppenbild mit Dame: Shakira bekam die Mannschaft immerhin zu sehen Bild:

Auf dem Jungfernflug im neuen Riesen-Airbus der Lufthansa kam die deutsche Mannschaft den Fans nicht allzu nahe. So musste man sich aufs Hörensagen verlassen, welch sagenhafter Komfort in der Reiseklasse der Spieler herrschte.

          Nur der Bordcomputer hat verschlafen: Noch 7305 Kilometer bis Johannesburg zeigt er an, 7:54 Stunden bis ans Ziel. Angebliche Höhe: 10.668 Meter, Geschwindigkeit 953 Stundenkilometer. Doch über Lautsprecher teilt eine fröhliche Stimme mit: „Kapitän Raps hat soeben den Runway geküsst.“ Links und Rechts der A 380 stehen Feuerwehrwagen, die mit kräftigem Wasserstrahl den Riesen-Airbus der Lufthansa auf dem O.R.-Tambo-Flughafen zum ersten Mal und darum standesgemäß begrüßen. „Wundern Sie sich bitte nicht, wenn gleich auch Militär unser Flugzeug umstellt.“ Das sei so vorgesehen von der südafrikanischen Regierung, sobald eine Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft gelandet ist. „Wir müssen Sie nun leider auch bitten, im Hauptdeck so lange sitzen zu bleiben, bis unsere Jungs ausgestiegen sind.“ So gibt es auch zum Abschied nur einen Fan-Blick aus der Ferne.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Bordcomputer der schraubenneuen A 380 war irgendwo bei Griechenland hängen geblieben – zum Glück nur der für die Passagiere. Überhaupt gibt es noch Kinderkrankheiten. Die Öfen in den Küchen hätten zwischendurch „critical error“ angezeigt, heißt es, die Lüftung sei kurz vor einem Alarm gewesen, zudem flackerte das Licht nicht nur in der Kabine. Vor den Toiletten im Untergeschoss, wo die Fans saßen, bildeten sich Schlangen. Dabei kommen, wie einer der 21 Flugbegleiter vorrechnete, auf 42 Passagiere ein Klo. Insgesamt aber besteht das Flaggschiff der Lufthansa seinen Jungfernflug auf der Langstrecke mit Bravour – und sehr leise.

          Autogramme im Vorbeigehen

          Der versprochene Kontakt zur Fußballnationalmannschaft war allerdings nur kurz. Immerhin hatten der Deutsche Fußballbund (DFB) und die Deutsche Lufthansa (LH) an die 150 Fans in den gecharterten Carrier mit der Kennung LH 2010 nach Südafrika eingeladen (zum Selbstkostenpreis von 1444 Euro). Dafür gab’s ein Fanpaket mit Fan-T-Shirt, Fan-Schal, Fan-Schminke und – gedruckten – Fan-Autogrammkarten. Dazu einen dreistündigen Empfang in einer Lounge am Frankfurter Flughafen mit Musik, Spielen und Lotterie sowie freiem Blick auf die bereitstehende A 380 und die 23 möglichen Helden, die sich drei Mal wortlos und nicht gerade freundlich durch die jubelnden Anhänger drängten. Wenigstens Team-Manager Oliver Bierhoff, Kapitän Philipp Lahm und sein Vize Bastian Schweinsteiger kamen für ein paar Minuten auf die Bühne. Und gaben gar Autogramme, im Vorbeigehen.

          Die mitreisenden Fans hingegen kamen nicht so recht auf ihre Kosten

          Darauf hatten wohl die meisten Fans gehofft. Eine Erinnerung – möglichst auf dem WM-Trikot, das viele angezogen hatten. So aber blieben ihnen von Neuer, Klose, Gomez, Cacau und all den anderen nur wenige verwackelte Fotos und Filmchen. Dabei hatte sich alles so exklusiv angelassen: zwei eigene Check-In-Schalter für den „12. Mann“, wie es in der Einladung an die Fans hieß, ein Armbändchen, mit dem die Gewinner der DFB-Lufthansa-WM-Verlosungsaktion in die Business-Lounge durften, wo Schnittchen, Hot Dogs, Brezeln und Bier serviert wurden. Als Hintergrundmotiv für die Fotos konnte man zwischen Giraffen, Löwen und dem Kapstadt-Stadion wählen. Auf der Bühne wurden Computer-Kopfballduelle und Quizrunden ausgefochten. Gewinn: DFB-Schlüsselanhänger oder -Kappen.

          Mehr Fan-Spieler-Konfrontation, als vorgesehen war

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