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Mustafa Özil schießt scharf gegen DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Bild: Picture-Alliance

Konter von Özils Vater : „Diese Aussage ist eine Frechheit“

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Die Turbulenzen rund um das DFB-Team nehmen kein Ende. Nach Oliver Bierhoffs Aussage über Mesut Özil schießt der Vater des Nationalspielers scharf zurück – und gibt seinem Sohn einen Tipp.

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          Mesut Özil lacht. Er hat die Hände in die Luft geworfen, als bejuble er einen WM-Treffer. Özil, schwarze Badeshorts mit aufgedruckten Pistolen, scheint seinen Urlaub am Meer zu genießen. Während der Weltmeister seinen Millionen Fans im Netz Spaßbilder zeigt, hat der Streit um seine Person einen neuen Höhepunkt erreicht. Özils Vater Mustafa legte seinem Sohn angesichts der jüngsten Aussagen von Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff einen Abschied aus der DFB-Elf nahe. „Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich sagen: Schönen Dank, aber das war es! Dafür ist die Kränkung dann doch zu groß. An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten“, sagte der 50-Jährige der „Bild am Sonntag“.

          Bierhoffs Aussage, wonach das DFB-Team bei der WM in Russland vielleicht besser auf Özil verzichtet hätte, nannte Vater Özil einen „schlechten Witz“. „Diese Aussage ist eine Frechheit. Sie dient meiner Meinung nach nur dazu, die eigene Haut zu retten“. Mustafa Özil hatte seinen Sohn bis vor einigen Jahren als Manager betreut, nach einem Streit wurde diese Zusammenarbeit beendet. Seither haben beide offenbar nur noch sehr eingeschränkt Kontakt.

          Seit der Veröffentlichung seiner Erklärung am Donnerstagabend zeigte Bierhoff enorme Ausdauer im Zurückrudern. „Anders gemeint“, „missverständlich“, „falsch ausgedrückt“, „es tut mir Leid“, „ich ärgere mich“ usw. Und doch wird nun wieder hauptsächlich über Özil diskutiert – und weniger über andere, tiefer liegende Ursachen oder Lehren aus dem deutschen WM-Desaster. „Jogi und ich wissen, dass es unumgänglich ist, alte Muster aufzubrechen. Das schließt personelle Änderungen auf allen Ebenen ein“, sagte Bierhoff. Die Führungsebene ist davon aber nicht betroffen, obwohl Bierhoff betonte: „Wir sind auch Teil des Problems.“ Doch persönliche Konsequenzen für ihn oder Joachim Löw? Aber nicht doch!

          Während sich Bierhoff in den vergangenen Tagen in Welt, Bild, ARD und ZDF beinahe um Kopf und Kragen redete, schweigt der Bundestrainer beharrlich. Er tut so, als wäre ihm egal, dass Bierhoff einen seiner über Jahre wichtigsten Spieler demontiert. Oder ist es ihm vielleicht ganz recht? Löw wird diese Frage wohl erst einmal im Raum stehen lassen. Mitte Juli verabschiedet er sich bis August in den Urlaub. Im August steht intern der nächste Termin zur Aufarbeitung der historischen WM-Blamage an – Stichwort: „saubere Analyse“. Am 31. wird Löw dann seinen Kader für die Länderspiele am 6. September gegen Frankreich und drei Tage darauf gegen Peru benennen. Ob Özil dann noch dazugehört?

          Özil senior versicherte, dass sein Sohn die umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht aus politischen Gründen, sondern aus Höflichkeit gemacht habe. Die Pfiffe der Fans beim WM-Test in Österreich (1:2) hätten Mesut Özil enttäuscht und gekränkt. Mesut werde „als Sündenbock hingestellt“. Der DFB um Löw, Bierhoff und Präsident Reinhard Grindel habe „versäumt, ein klares Krisenmanagement zu machen“.

          Der frühere Nationalspieler Christoph Metzelder glaubt bei Bierhoff an Kalkül. Die Aussage zu Özil sei „kein Zufall“ gewesen, sagte er bei Sky Sport News HD. Der ehemalige türkische Bundesliga-Profi Erdal Keser nannte Bierhoffs Aktion bei Sport1 „erbärmlich“ und „unter der Gürtellinie“. Man könne, „einen Spieler im Nachhinein nicht dem Volk so zum Fraß vorwerfen“. Er vermutet beim DFB „Panik im Spiel“. Bierhoff beteuerte, er wolle die Sache mit Özil (29) „persönlich klarstellen“. Beendet sei dessen DFB-Karriere nicht. „Es gibt – nicht nur Mesut – keinen Spieler, von dem wir sagen können, dass er nicht mehr bei der Nationalmannschaft sein wird.“

          DFB-Präsident Reinhard Grindel hat derweil von Mesut Özil eine öffentliche Erklärung gefordert. „Es stimmt, dass sich Mesut bisher nicht geäußert hat. Das hat viele Fans enttäuscht, weil sie Fragen haben und eine Antwort erwarten. Diese Antwort erwarten sie zu Recht. Deshalb ist für mich völlig klar, dass sich Mesut, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse öffentlich äußern sollte“, sagte Grindel in einem Interview des „Kicker“.

          Özils Zukunft in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hängt für Grindel nach dem WM-Aus auch von einer Bewertung durch Bundestrainer Joachim Löw ab. „Daneben müssen wir die sportliche Analyse abwarten und schauen, ob Joachim Löw weiter mit ihm plant“, sagte der DFB-Chef. Özil hatte seit dem Erscheinen der umstrittenen Aufnahmen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Mitte Mai, im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Ilkay Gündogan, keine öffentliche Stellungnahme abgegeben und war dafür öffentlich mehrfach hart kritisiert worden.

          Nach den umstrittenen Aussagen von DFB-Direktor Bierhoff zu Özil forderte Grindel ein „kluges Krisenmanagement“. Man müsse „kühlen Kopf bewahren und nicht jedem Druck nachgeben“. Grund für Kritik an Bierhoff, der das WM-Debakel in den kommenden Wochen mit Löw aufarbeiten soll, sieht Grindel aber offenbar nicht. „Oliver Bierhoff hat sehr deutlich gemacht, dass er sich hier missverstanden fühlt. Und dass es in keiner Weise seine Absicht war, einen Spieler öffentlich für das Scheitern bei der WM verantwortlich zu machen“, sagte Grindel.

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