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Media Day beim DFB : Das Schweigen der Männer

Sorgten für ein Novum beim DFB-Media-Day: Mesut Özil (links) blieb dem Pressetermin gänzlich fern, Ilkay Gündogan äußerte sich nur in kleiner Runde. Bild: dpa

Das Nationalteam plaudert in idyllischer Atmosphäre über seine WM-Erwartungen, wird aber ein anderes Thema nicht los. Özil schweigt, Gündogan erklärt sich.

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          Die Laufwege waren eigentlich sorgfältig markiert, mit roten und gelben Bojen auf dem sattgrünen Rasen. Ein Trio geriet trotzdem in die verbotene Zone und handelte sich prompt einen Ordnungsruf von der Seitenlinie ein. Es waren Fotografen auf dem Weg zum Shooting des offiziellen Teamfotos, und das bedeutete natürlich Gefahr für den gepflegten Rasen in der Sportzone Rungg. Als dann alle Bilder im Kasten waren am Dienstagmorgen, auch jene mit dem zweisprachigen Werbeslogan für die deutsche EM-Bewerbung für 2024 („Die Mannschaft ist united by football“), bearbeiteten die deutschen Nationalspieler den Rasen, im Aufwärmprogramm zogen sie im Sprint kleine Schlitten mit Gewicht hinter sich her. Wie tags zuvor von Joachim Löw angekündigt, war auch Jerome Boateng dabei. Seine Muskelverletzung darf somit als rechtzeitig überwunden gelten. Auch Toni Kroos, dem der Bundestrainer nach dem Champions-League-Finale noch ein paar Ruhetage gewährt hatte, trainierte erstmals mit dem Team.

          Um Bilder indes sollte es auch später noch gehen – allerdings um ganz andere. Am frühen Nachmittag stand der sogenannte Media Day auf dem Programm. Der war mit Spannung erwartet worden, weil bei dieser Gelegenheit üblicherweise alle Spieler, jeder an einem eigenen Tisch, für Gespräche in Kleingruppen zur Verfügung stehen. Mithin also auch Mesut Özil und Ilkay Gündogan, die sich seit dem Eklat um ihre Fotos mit dem türkischen Staatschef Erdogan vor drei Wochen in London noch nicht leibhaftig geäußert hatten, nur – zumindest im Falle Gündogans – in einem sozialen Netzwerk. Es ging dann rege zu an den Tischen im Garten des Teamhotels, vor allem bei den Führungsspielern. Für Gündogan und Özil allerdings waren gar keine Tische vorgesehen. Am Montag hatte es aus der Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch geheißen, alle Spieler würden am Media Day teilnehmen, am Dienstagvormittag galt das allerdings nur noch mit nennenswerten Einschränkungen. Özil nämlich ließ sich gleich ganz entschuldigen. Der Mittelfeldspieler bitte um Verständnis, richtete ein DFB-Sprecher aus, noch bevor der Garten des Hotels seine Türen öffnete, aber für seine – Özils – Wahrnehmung, habe er alles zu dem Thema gesagt.

          Özils Abwesenheit bedeutete zum einen ein Novum im Rahmen der Media Days. Bislang hatten tatsächlich stets alle Nationalspieler an dieser Form der Öffentlichkeitsarbeit teilgenommen. Vor allem aber wirkte die Begründung verblüffend, da von Özil, anders als von Gündogan, noch kein einziges originäres Zitat in dieser Angelegenheit überliefert ist. Dass alles gesagt sei, so die Erklärung des DFB dazu, beziehe sich auf die internen Gespräche, die zur Aufklärung und Schadensbegrenzung geführt worden waren: mit der Teamleitung, der DFB-Spitze und, vor knapp drei Wochen, auch mit dem deutschen Staatsoberhaupt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

          Seitdem hat sich noch einmal eine neue Lage ergeben. Özil war, genau wie Gündogan, am Samstag beim Testspiel gegen Österreich in Klagenfurt von deutschen Zuschauern mit vernehmlichen Pfiffen bedacht worden. Zuerst bei jedem Ballkontakt, dann war zwar eine Weile nichts zu hören, bei den Auswechslungen aber wurde es noch einmal schrill. Auch ohne den Anspruch an Repräsentativität ließ sich das zum einen als weiterer Beleg dafür deuten, dass dieses Thema die Öffentlichkeit weiter beschäftigt. Zum anderen war damit auch noch einmal verdeutlicht worden, dass die Affäre Wirkungen entfaltet, die über die individuelle Sphäre der Spieler weit hinausgehen – es geht, auch, um die Mannschaft.

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