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Scharfe Kritik an Grindel : Mesut Özil tritt aus Fußball-Nationalmannschaft zurück

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Die Affäre um die Fotos hatte die WM-Vorbereitung der Nationalmannschaft überschattet und war auch während des Turniers in Russland ein Störfaktor. Nach dem erstmaligen Aus des DFB-Teams in einer WM-Vorrunde hatten Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Chef Grindel gefordert, Özil solle sich öffentlich erklären. Beiden wurde daraufhin vorgeworfen, sie würden den 29-Jährigen zum Buhmann machen. „Ich fühle mich ungewollt und denke, dass das, was ich seit meinem Länderspiel-Debüt 2009 erreicht habe, vergessen ist“, schrieb Özil.

Die Debatte um die Erdogan-Fotos ging jedoch weit über den Fußball hinaus. Die Diskussion um die Integration der Nachkommen von Migranten und um Fremdenhass wurde immer schärfer. „In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren“, beschrieb Özil seine Situation und berichtete von Hass-Mails und Drohungen gegen seine Familie und ihn.

Kritik an Medien und Sponsoren

Özil warf „bestimmten deutschen Zeitungen“ rechte Propaganda vor, „um ihre politischen Interessen voranzutreiben“. Er sei enttäuscht über die „Doppelmoral“ in der Berichterstattung und verwies auf ein ebenfalls umstrittenes Treffen von Lothar Matthäus mit Kremlchef Wladimir Putin. Matthäus habe sich dafür nicht öffentlich erklären müssen und dürfe weiterhin Ehrenspielführer bleiben. „Macht mein türkisches Erbe mich zu einem besseren Ziel?“, fragte Özil.

Nach den Bildern mit Erdogan sei er von einem DFB-Sponsor nachträglich aus Werbekampagnen entfernt worden. Alle weiteren PR-Aktivitäten, für die er eigentlich vorgesehen gewesen war, seien gestrichen worden. „Für sie war es nicht länger gut, mit mir gesehen zu werden. Sie nannten diese Situation „Krisenmanagement““, ließ Özil wissen, ohne den Namen des Sponsors konkret zu nennen.

Auch eine geplante Aktion für einen guten Zweck in seiner früheren Schule in Gelsenkirchen sei wegen des Wirbels um die Fotos nicht zustande gekommen. Seine Partner für die Benefiz-Aktion hätten ihm wenige Tage vorher gesagt, derzeit nicht mehr mit ihm arbeiten zu wollen. Auch von der Schule habe er eine Absage bekommen. „Ganz ehrlich, das tat wirklich weh“, schrieb Özil. Die Schulleiterin Maike Selter-Beer wies die Vorwürfe zurück und versicherte, Özil sei weiter an der Schule willkommen.

Kurz nach Auftauchen der Fotos waren Özil und Gündogan sogar zu einem Gespräch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast gewesen. Während Gündogan sich noch vor der WM äußerte und versicherte, es habe sich nicht um „ein politisches Statement“ gehandelt, schwieg Özil über Wochen. Kanzlerin Merkel hatte bei einem Besuch im WM-Trainingslager in Südtirol mit Özil und Gündogan gesprochen. „Ich glaube, die beiden Spieler haben nicht bedacht, was das Foto auslöst mit dem Präsidenten Erdogan“, sagte Merkel später der ARD.

Noch vor acht Jahren hatte ein Foto der Kanzlerin in der Kabine des DFB-Teams neben dem halbnackten Özil für Aufsehen gesorgt. Wenn Bundestrainer Löw nun am 29. August das Aufgebot für die nächsten Länderspiele nominiert, wird Özil fehlen. Am 6. September spielt der entthronte Weltmeister in München in der Nations League gegen den neuen Titelgewinner Frankreich. Am 9. September folgt ein Test gegen Peru in Sinsheim.

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