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Erdogan-Affäre : DFB fordert Erklärung von Özil

Gespräch in Berlin: Vor der WM trafen sich Löw, Özil, Grindel, Gündogan und Bierhoff (von links). Bild: EPA

Mesut Özil schweigt weiter in der Erdogan-Affäre. Nun übt der DFB von höchster Stelle öffentlichen Druck aus. Womöglich kalkuliert Präsident Grindel aber auch mit etwas anderem als einer Aussage Özils.

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          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) übt nun auch von höchster Stelle aus öffentlichen Druck auf Mesut Özil aus. DFB-Präsident Reinhard Grindel forderte den Nationalspieler in einem Interview auf, sein Schweigen in der Affäre um die Begegnung mit dem türkischen Staatschef Erdogan zu brechen. Die Fans würden „zu Recht“ eine Antwort erwarten, sagte Grindel dem „Kicker“. „Deshalb ist für mich völlig klar, dass sich Mesut, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse äußern sollte.“

          Was im anderen Fall passiere, formulierte Grindel nicht aus. Allerdings lassen seine Äußerungen den Schluss zu, dass Özil dann mit Konsequenzen zu rechnen habe, die bis zum Ausschluss aus dem Nationalteam führen könnten. Grindel verwies in diese Zusammenhang auf die ausstehende sportliche Analyse des Bundestrainers. Auf die Frage, ob es eine Zukunft für Özil und Ilkay Gündogan im Nationalteam gebe, antwortete er aber auch: „In der Tat hoffe ich, dass Özils Stellungnahme so eindeutig ist, dass die Fragen der Fans und des Verbandes beantwortet sind.“

          Anders als sein Teamkollege Gündogan hat Özil bislang jede persönliche öffentliche Äußerung vermieden. Der Unmut beim DFB darüber ist schon länger groß, zumal das misslungene Management des Themas den Verband und die Mannschaft auch noch bei der WM in Russland belastet hatte. Grindel weist in dem Interview explizit darauf hin, dass Gündogan „sofort sein Bedauern ausgedrückt“ und die Initiative zum Treffen mit Bundespräsident Steinmeier gegeben habe. Mit anderen Worten: Von Özil selbst kam in dieser Hinsicht nichts, auch wenn er an dem Treffen letztlich teilnahm. Da es offenkundig bislang Gründe für sein Schweigen in der Causa Erdogan gab, die ebenfalls in seinem persönlichen Interesse liegen, ist zweifelhaft, ob mit einer Antwort Özils überhaupt zu rechnen ist – oder ob Grindel nicht womöglich sogar mit etwas anderem kalkuliert: Özils Rückzug.

          Vor Grindel hatte sich schon Teammanager Oliver Bierhoff zu Özil geäußert und in einem Interview mit der „Welt“ den Eindruck vermittelt, es wäre womöglich besser gewesen, den Mittelfeldspieler in Folge der Erdogan-Affäre gar nicht erst mit nach Russland zu nehmen. Das ließ überdies Özil für viele in einer Rolle als Sündenbock für das Scheitern in Russland erscheinen. Bierhoff fühlte sich zwar missverstanden, dennoch warf auch seine neue Version, wonach Özil allenfalls aus sportlichen Gründen ein Thema hätte sein können, Fragen auf – in dieser Hinsicht hat es schließlich nie auch nur das geringste Anzeichen gegeben, Özil gehört zu den von Joachim Löw am meisten geschätzten Spielern.

          Özils Vater Mustafa nannte Bierhoffs Aussagen in der „Bild am Sonntag“ einen „schlechten Witz“ und „eine Frechheit“. Sie dienten „nur dazu, die eigene Haut zu retten“. Mustafa Özil war bis 2013 auch Mesuts Berater, inzwischen gilt das Verhältnis als distanziert. Einen Rat für seinen Sohn hatte er dennoch. „Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich sagen: Schönen Dank, aber das war es! (. . .) An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten.“

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