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Erdogan-Affäre : Sechsaugen-Gespräch von Merkel mit Özil und Gündogan

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Spielmacher Özil schweigt beharrlich zum Thema – und will die Marschroute des Aussitzens offensichtlich auch in Russland durchhalten. „Ich gehe davon aus, dass er es durchzieht“, sagte Bierhoff. Die Entscheidung könne er nur schwer beeinflussen, machte er deutlich. Gerade in so einem persönlichen Fall könne er Ratschläge geben, „aber muss ich ihnen etwas vorschreiben? Das ist schwierig“, sagte der Manager. „Mündig heißt ja, dass man selbst entscheidet und verantwortet, wie man reagiert. Und das tut Mesut. Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt.“

Für Bundestrainer Joachim Löw wird der Wirbel um Özil und Gündogan auch zu einem sportlichen Problem. Weltmeister Özil ist für ihn trotz einer Knieprellung und Rückenproblemen in der Vorbereitung weiterhin ein Eckpfeiler in der Wunschelf. Und Gündogan soll eigentlich Druck ausüben auf die etablierten Weltmeister. Im Mittelfeld kann der feine Techniker von Manchester City die offensiven und defensiven Positionen im Zentrum besetzen. Aber auch aktuell? Die Testspieleinsätze in Österreich (1:2) und gegen die Saudis (2:1) säten Zweifel. Gündogan scheint innerlich belasteter als Özil.

Dass Özil und Gündogan nach den klaren Unmutsbekundungen und auch Beleidigungen dem Druck nicht standhalten und sogar aus dem WM-Kader ausscheiden könnten, hält der DFB-Direktor für unwahrscheinlich: „Das Gefühl habe ich nach den Gesprächen nicht. Sie freuen sich auf die WM, sie freuen sich darauf, für Deutschland spielen zu können.“ Der Bundestrainer werde auch nicht auf sie verzichten: „Dafür gibt es keine Anzeichen.“ Allerdings könne die Verfassung der Spieler schon „ein kleiner Aspekt“ bei Löws Auswahl der Aufstellung sein.

Berühmtes Bild von 2010: Merkel besucht Özil und das DFB-Team in der Kabine nach einem Spiel in Berlin – gegen die Türkei.

Eigentlich hat(te) sich Gündogan viel vorgenommen für sein erstes richtiges Turnier. Bei der EM 2012 kam er nicht zum Einsatz. Die WM 2014 und die EM 2016 verpasste er wegen Verletzungen. Die WM in Russland soll(te) auch sein Sommer werden. Er wollte angreifen. „Wir haben viele gute Spieler auf meiner Position. Gerade im zentralen Mittelfeld können wir die unterschiedlichsten Varianten spielen. Im Verlaufe des Turniers kann so viel passieren. Ich versuche einfach, im Training und im Spiel, wenn ich eingesetzt werde, mein Bestes zu geben“, sagte er in Südtirol.

Gündogan weiß, dass auf der Doppel-Sechs die Weltmeister Toni Kroos und Sami Khedira erste Wahl sind und vor ihm rangieren. „Klar erhofft sich jeder Spieler Einsatzzeit“, sagte Gündogan. „Ich habe aber auch keine Probleme, mich unterzuordnen, wenn ich nicht in der ersten Elf stehe.“ Die Teamkollegen wollen ihm bis zum ersten WM-Spiel gegen Mexiko am Sonntag (17.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei Sky) in Moskau helfen, so gut sie können. „Es ist schon hart für ihn. Ich bin jemand, der verzeihen kann, weil ich auch schon viele Fehler in meinem Leben gemacht habe“, sagte Mario Gomez und ergänzte: „Er hat nichts Böses getan im Sinn von, er hat niemandem wehgetan.“

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