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Kommentar : Manuel Neuer und der vierte Torwart

Wann steht Manuel Neuer wieder im Tor? Bild: AP

Wann steht Manuel Neuer wieder im Tor? Für die WM-Vorbereitung könnte es ob der Ungewissheit eine ungewöhnliche Lösung geben. Wichtiger als die Planspiele ist aber ohnehin etwas anderes.

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          Wenn es in diesen Tagen und Wochen um Manuel Neuer geht, den vielleicht besten Torhüter, den Deutschland je hatte, sind nur zwei Dinge sicher. Erstens: Die Nummer eins des FC Bayern wird in der Bundesliga in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen. Zweitens: Wenn Manuel Neuer die Leistung zeigt, die man von ihm kennt, ist er die unbestrittene Nummer eins in der deutschen Nationalelf. Das sieht sogar Marc-André ter Stegen so, seit dem Confederations Cup die faktische Nummer eins bei Joachim Löw.

          Aber alles andere, was kommt, wird allein die Zeit entscheiden. Kein Trainer, kein Arzt, kein Physiotherapeut und auch Neuer selbst haben auf diesen Verlauf entscheidenden Einfluss. Tatsache bleibt, dass Manuel Neuer nach dem dritten Bruch seines Mittelfußes nun seit rund acht Monaten ohne Spielpraxis ist und sein Fitness- und Trainingszustand noch immer keinen ernsthaften Praxistest erlaubt. Jupp Heynckes und vor allem Joachim Löw werden in Kürze trotzdem entscheiden müssen, wie sie mit dem prominentesten Fußball-Rekonvaleszenten des Landes und der Frage nach der Nummer eins umgehen. Nach den jüngsten Äußerungen des Bayern-Trainers muss man jedoch kein Prophet sein, um zu behaupten, dass Sven Ulreich auch im DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt im Tor stehen wird. Ulreich hat sich seinen Einsatz in den vergangenen Monaten verdient. Einen Torwartwechsel zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Umständen vorzunehmen entspräche auch kaum der sportlichen Einstellung von Heynckes und seiner Vorstellung von Fairness.

          Für Joachim Löw ist die Entscheidung, wie er mit seinem Torhüter und Kapitän umgeht, schon komplexer. Aber auch für den Bundestrainer dürften genau dieselben sportlichen Kriterien gelten wie für den Bayern-Trainer. Marc-André ter Stegen hat durch tadellose Leistungen in der Nationalmannschaft und beim FC Barcelona verdient, die deutsche Nummer eins bei der WM in Russland zu sein. Unter ernsthaften Testbedingungen, zu denen auch die beiden Länderspiele kurz vor Nominierungsschluss in Österreich und gegen Saudi-Arabien nicht taugen, wird auch der Bundestrainer den mehrmaligen Welttorhüter in dieser WM-Saison wohl nicht mehr erleben. Aber das ist, wie Joachim Löw vor einigen Wochen betonte, für ihn eine notwendige Voraussetzung für eine Nominierung Manuel Neuers als Nummer eins.

          Eine andere Frage ist allerdings, ob Joachim Löw für die Weltmeisterschaft nicht trotzdem mit Neuer plant. Es spricht manches dafür, wenn nicht noch Komplikationen hinzukommen sollten, dass der Bundestrainer mit vier Torhütern in die WM-Vorbereitung unmittelbar nach dem Pokalfinale startet. Um sich dort mit Torwarttrainer Andreas Köpcke in diesen knapp zwei Wochen selbst ein Bild davon zu machen, wie belastbar und beständig Neuer wieder sein wird, ob er unter diesen Umständen selbst überhaupt zur WM fahren will – und ob er der Nationalmannschaft vielleicht auch in der Rolle als Ersatzmann gut tun würde, der im Notfall auch tatsächlich einspringen könnte. Wichtiger als all diese Planspiele ist nach dieser langen und schwierigen Verletzung für Manuel Neuer allerdings ohnehin etwas anderes: dass er irgendwann überhaupt wieder in der Verfassung im Tor steht, die er sich selbst wünscht, und seine große Karriere fortsetzen kann.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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