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WM-Kommentar : Nur Käpt’n Neuer taucht nicht ab

Der eine, der über die schwere Lage spricht: Manuel Neuer. Bild: dpa

Die sportliche Führung taucht ab. Die Aufgabe, sich der Öffentlichkeit zu stellen, bleibt an einem Spieler hängen. Klar scheint: Hinter den Kulissen hat es schwer gekracht. Eine andere Frage ist noch unbeantwortet.

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          In Krisenkommunikation, sollte man meinen, müsste die deutsche Nationalelf nach dem Erdogan-Desaster eigentlich geübt sein. Aber zwei Tage nach dem Schrecken von Moskau lässt sich feststellen: Die sportliche Führung hat die Sportart gewechselt. Abtauchen heißt die neue Disziplin, in der die Weltmeister zur Hochform auflaufen. Ein Bundestrainer, zwei Assistenztrainer, ein Torwarttrainer, ein Manager – von all diesen Leuten ist seit der schwarzen Nacht gegen Mexiko nichts zu sehen und zu hören. Wenn man davon absieht, dass sich Oliver Bierhoff gegenüber der übertragenden ARD zu einem Fünf-Minuten-Statement verpflichtet fühlte, das man eine Aufarbeitung der ersten deutschen Startniederlage bei einer WM seit über dreißig Jahren kaum nennen konnte.

          Fussball-WM 2018

          Die Aufgabe, sich der Öffentlichkeit zu stellen, bleibt an den Spielern hängen. Um genau zu sein: An Manuel Neuer, der sich am Dienstag vor der Abreise nach Sotschi auf der DFB-Pressekonferenz ganz alleine den Medien gegenübersah. Kein sportlich Verantwortlicher war gekommen. Aber Herausforderungen mutig ins Auge zu blicken, wenn man ganz auf sich gestellt ist – das meistert der Hüter seiner Mannschaft bravourös. Auch in Watutinki tat Käpt’n Neuer, was er konnte. Auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel, Zuversicht und Aufbruchstimmung zu verbreiten. Nicht nur seine Körpersprache schien etwas anderes zu sagen. Neuer beschwor zwar Einigkeit und Entschlossenheit. Klar scheint nach seinem Auftritt aber nur: Hinter den Kulissen hat es schwer gekracht. Nicht klar ist, ob das etwas nützt.

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