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Fußball-Nationalmannschaft : Die Kroos-Frage - neu gestellt

Balance gesucht: Toni Kroos soll ein wichtiges Teil in Löws WM-Puzzle sein Bild: REUTERS

Die einen halten ihn für einen der besten Mittelfeldspieler der Welt, die anderen finden ihn überschätzt. Bayern-Stratege Toni Kroos polarisiert. Bundestrainer Löw adelt ihn trotzdem zu einem WM-Trumpf.

          Das Trainingslager in Südtirol ist beendet, die deutsche Nationalelf probt an diesem Sonntag (20.30 Uhr / Live in der ARD und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) in Mönchengladbach gegen Kamerun den WM-Ernstfall. Nicht dabei sind die angeschlagenen Bayern-Spieler Philipp Lahm und Manuel Neuer, die in München behandelt werden. Bastian Schweinsteiger und Marcel Schmelzer indes reisten mit an den Niederrhein und könnten auflaufen.

          Das alles sagt zwar noch nichts über die Belastbarkeit im WM-Ernstfall, aber willkommene Etappenziele waren es allemal aus Sicht der Fußball-Nationalmannschaft. Und der schöne Nebeneffekt: Man muss nicht immer nur über Verletzte reden. Die Gesunden unter den deutschen Profis schienen es im Trainingslager in St. Leonhard zuletzt nämlich ziemlich leid, immer nur die Fragen nach den Lädierten zu beantworten. Als wären da nicht noch ein paar andere, die gut kicken können.

          Toni Kroos, zum Beispiel. „Wir reden immer von unserem Super-Kader“, sagte der Münchner kürzlich, als er mal wieder auf das malade Bayern-Trio angesprochen wurde. Und fügte hinzu, dass es dann ja wohl auch möglich sein müsse, ein, zwei Spieler zu ersetzen. „Dann kommen eben andere“, sagte Kroos - und es war nicht schwer zu ahnen, wen er damit vor allem gemeint haben könnte: Toni Kroos.

          „Wir reden immer von unserem Super-Kader“: Toni Kroos sieht kein Problem vor der WM

          Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler, so wirkt es, hat immer noch das Gefühl, gern einmal übersehen zu werden. Von der Öffentlichkeit, aber auch vom einen oder anderen Fachmann oder Funktionsträger, vor allem im Verein. In der vergangenen Saison tat Kroos eine Menge dafür, dass ihm so etwas nicht mehr passiert. Er spielte zum Beispiel in der Champions League so viele Pässe wie kein anderer. 1212 waren es, etwa 100 pro Spiel, bei einer Erfolgsquote von 89 Prozent. Selbst der als Passmeister aller Klassen bekannte Spanier Xavi Hernandez spielte rund 100 Bälle weniger (seine Quote lag allerdings noch mal etwas besser: bei 92 Prozent).

          Das sagt etwas über das Spiel des FC Bayern, es sagt aber auch etwas über Kroos. Dass er das Relais ist, die Schaltstation im Ballbesitzfußball des Pep Guardiola. Und, jenseits der technokratischen Ebene, manchmal auch der Gestalter - beim 2:0-Sieg beim FC Arsenal etwa, als er auch ein ausgesprochen schönes Tor erzielte. In der zweiten Saisonhälfte wirkte sein Takt zwar schleppender als noch zu Beginn, das Pokalfinale gegen Dortmund aber nutzte Kroos noch einmal als Werbeveranstaltung in eigener Sache, an der Seite von Kapitän Lahm in der (defensiven) Mittelfeldzentrale.

          Goldware aus Berlin: Kroos gewann zuletzt mit den Bayern den DFB-Pokal

          „Einige Beobachter“, sagte Kroos dieser Tage im Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol, „brauchten vielleicht mal so ein Spiel, um zu erkennen, dass es mit mir doch geht auf dieser Position, ohne dass der Gegner deshalb gleich eine Großchance nach der anderen bekommt.“ Nach dem 0:4 gegen Real Madrid hatte es für seine Leistung an der Seite von Schweinsteiger noch jede Menge Kritik gehagelt.

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