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Kritik an Löws WM-Kader : „Jogi, nicht dein Sané-Tag heute?!“

  • Aktualisiert am

Leroy Sané darf überraschend nicht mit Deutschland zur WM 2018. Bild: dpa

Dass Leno, Tah und Petersen nicht im deutschen WM-Kader stehen, ist keine große Überraschung. Der Verzicht auf Sané verwundert. Nicht alle können die Entscheidung von Bundestrainer Löw nachvollziehen.

          Joachim Löw hätte sich wohl gerne um eine Begründung für das überraschende WM-Aus für Leroy Sané gedrückt. Doch bedrängt von den Reportern sprach der Bundestrainer auf dem Weg zum Auto nach der Bekanntgabe des endgültigen Aufgebots für die Mission Titelverteidigung in Russland (14. Juni bis 15. Juli) doch noch ein paar Worte des Bedauerns.

          „Leroy hat riesiges Talent, absolut“, sagte Löw und versprach: „Er wird auch bald wieder dabei sein.“ Jetzt, beim Griff nach dem fünften Stern, allerdings nicht. „Er ist vielleicht in den Spielen der Nationalmannschaft noch nicht so ganz angekommen. Das hat vielleicht auch ein bisschen den Ausschlag gegeben“, sagte Löw. Er habe zwischen Sané und Julian Brandt in einer „harten Entscheidung“ den Leverkusener gewählt. „Wir werden in Zukunft, ab September, verstärkt mit ihm arbeiten“, ergänzte der Bundestrainer zu Sané.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Der Offensivspieler von Manchester City werde ab September ebenso weiter zum Nationalmannschaftskader gehören wie die jetzt auch gestrichenen Nils Petersen und Jonathan Tah. Beim Länderspiel-Debütanten Petersen sei die Zeit zur Eingewöhnung knapp gewesen, bemerkte der Bundestrainer: „Nils hat sich in den Tagen immer besser gezeigt.“ Allerdings habe sich auch Mario Gomez „in einer sehr guten Form“ gezeigt, „sehr abschlussstark, körperlich sehr präsent“.

          An Sanés Auftreten und Einstellung habe es nichts auszusetzen gegeben, beteuerte Löw auf Nachfrage: „Abseits des Platzes gab es gar nichts, wirklich. Leroy hat sich sehr korrekt und gut verhalten.“ Sané wie Brandt (beide 22) hätten „große Qualität, beide sind schnell und dribbelstark. Am Ende war es eng“, meinte Löw, der links offensiv mit Weltmeister Julian Draxler und Marco Reus starke Alternativen hat. „Mit Reus, Draxler, Müller sind wir auf diesen Positionen gut besetzt. Julian war beim Confed Cup gut, hat gute Fortschritte gemacht. Er hat auch im Training guten Einsatz gezeigt. Leroy hat ein riesiges Talent“, sagte der Bundestrainer am Montag auf dpa-Nachfrage.

          Allerdings: Während Draxler in Paris und Reus in Dortmund, Letzterer auch wegen Verletzungen, mitunter Probleme hatten, spielte Sané bei Manchester City die bislang beste Saison seiner Karriere. Für 14 Tore und 19 Vorlagen zeichnete Sané in 49 Pflichtspielen in dieser Saison verantwortlich. Er wurde zum besten Nachwuchsspieler der Premier League gewählt, erzielte 14 Pflichtspieltore und bereitete 19 Treffer vor – auf 33 Torbeteiligungen (in 49 Spielen) kam kein anderer deutscher Nationalspieler. Michael Ballack kann Löws Entscheidung daher nicht nachvollziehen. Der Bundestrainer setze sich damit „massivem Druck aus“, twitterte er, und wortspielte: „Jogi, nicht dein Sané-Tag heute?!“ In seinen zwölf Länderspielen – davon fünf in der Startelf – hat Sané überhaupt noch nicht getroffen.

          Jedoch ist die Beziehung zwischen Sané und dem DFB-Team bislang in der Tat eine äußerst unglückliche. Schon sein Debüt in der Terrornacht von Paris im November 2015 gegen Frankreich (0:2) stand – unverschuldet – unter keinem guten Stern. In seinen weiteren elf Länderspielen (kein Tor, eine Vorlage) zeigte Sané viel zu selten, warum Löw ihn gerne eine „Waffe“ nennt. Bei der EM 2016 kam er beim Halbfinal-Aus gegen Frankreich zu seinem einzigen (Kurz-)Einsatz, den Confed Cup verpasste er wegen einer Nasen-OP.

          Auch gegen Österreich (1:2) am vergangenen Samstag traf Sané oft falsche Entscheidungen. Löw lobte zwar, der Rastamann habe „sehr gute Defensivarbeit versucht“, in seinem eigentlichen Betätigungsfeld aber blieb er blass. Danach, verriet Kapitän Manuel Neuer, habe er im Dialog mit dem früheren Schalker noch auf dem Platz „über gewisse Situationen gesprochen. Da waren wir beide frustriert.“ Geahnt habe er da aber nicht, dass es Sané erwischen würde. Zwar wollte der Bundestrainer dem 22-Jährigen nach dessen Leistung in Österreich „überhaupt keinen Vorwurf“ machen: „Er hat eine gute Defensivarbeit versucht, ist nach hinten gegangen, hat umgeschaltet.“ Aber die angeprangerten Fehler im Umschaltspiel gingen zu einem großen Teil auf Sanés Kappe.

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