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WM-Sorgen beim DFB-Team : Der Weltmeister schrumpft immer weiter

Wohin führt der Weg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei dieser WM noch? Bild: dpa

Ein Aus nach der Vorrunde wäre die schlimmste WM-Niederlage in der Geschichte der DFB-Elf. Unter dem Druck des drohenden Scheiterns sucht der Weltmeister nach etwas, das man nicht trainieren kann.

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          Morgens um kurz vor acht ist die Welt noch in Ordnung in Sotschi, auch für Joachim Löw. Der Bundestrainer spaziert durch den Garten des Mannschaftshotels, der ihn vorbei an rot getupften Hibiskussträuchern auf die Uferpromenade am Schwarzen Meer führt. Dort grüßt er deutsche Jogger freundlich, die an der Küste die Morgenfrische für einen Auslauf nutzen und den Bundestrainer erkennen. Ein paar Minuten später kniet er sich lächelnd zu einem kleinen russischen Jungen runter, dessen Eltern ihn um eine Fotoaufnahme gebeten haben. In schwarzen Shorts, schwarzem T-Shirt und dunkler Sonnenbrille schlendert Löw weiter seines Wegs und blickt immer wieder aufs offene Meer hinaus. Er scheint den Moment zu genießen, drei Tage nach der ernüchternden 0:1-Auftaktniederlage gegen Mexiko. Und drei Tage vor dem Gruppenspiel gegen Schweden am Samstag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei Sky), das für den Weltmeister schon das Aus bedeuten könnte.

          Fussball-WM 2018
          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Das wäre die schlimmste WM-Niederlage in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft, noch nie musste Deutschland bei einer WM nach der Vorrunde gehen. Dieses düstere Szenario schwebt seit der Ankunft des Weltmeisters in Sotschi über dem azurblauen Himmel. Sotschi, das neue Córdoba? Noch aber verknüpfen sich mit diesem Ort ganz andere Erinnerungen im deutschen Fußball. Sotschi gilt bisher als Synonym für eine hinreißende deutsche Fußball-Leichtigkeit, für ein Fußballgeschenk, das niemand erwartet hatte, aber das eine bunt zusammengewürfelte Nationalelf sich selbst, ihrem Trainer und den deutschen Fans machte. Aber von diesen schönen Gefühlen des Confed Cups wissen die Weltmeister, die nun bei der Weltmeisterschaft hier wieder das Sagen haben, nichts. Sie waren zu Hause, als ein junges Team in Sotschi im längst vergangenen Sommer alle Widrigkeiten mit einem Lächeln und brennendem Ehrgeiz hinter sich ließ.

          Oliver Bierhoff sagte damals über diese Mannschaft, was er zuvor noch nie über eine Nationalmannschaft gesagt hatte. Es sei normalerweise Aufgabe der Sportlichen Leitung, die Spieler zu motivieren, so der Manager. Aber bei diesem Team sei es umgekehrt gewesen, die Jungs hätten alle mitgerissen. Am Ende nahm dieses Team nicht nur alle Sympathien und den Pokal mit nach Hause – sondern jeder Einzelne auch die Hoffnung, dass er damit bewiesen habe, ein Kandidat für die WM-Titelverteidigung zu sein. Aber diese Hoffnung aus dem Sommer 2017 hat getrogen, zumindest für die meisten. Obwohl sie alles getan hatten, was sie tun konnten, aber nun merken sie, dass es nichts genutzt hat. Auch das ist heute ein Teil des Problems.

          Sotschi 2018: Es kann nicht anders sein, auch Joachim Löw müssen an diesem Mittwochmorgen auf der Strandpromenade von Sotschi und kurz darauf auch auf dem altbekannten Trainingsplatz die Szenen des vergangenen Jahres wieder durch den Kopf gegangen sein. Als die Nationalmannschaft sich selbst und ihrem Trainer noch eine einzige Freude war. Nun herrscht Krisenstimmung im deutschen Team. Gelacht und gescherzt wurde nicht mehr wie einst auf dem Trainingsplatz, der am Mittwoch wieder ein Viertelstündchen für die Medien geöffnet wurde, zum ersten Mal nach dem 0:1 gegen Mexiko. Selbst der Rasenplatz in Sotschi neben dem Olympiastadion hat schon bessere Zeiten gesehen, ziemlich verbrannt liegt er da in diesem Sommer.

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