https://www.faz.net/-gaq-9c2lz

WM-Kommentar : Jeden Stein umdrehen beim DFB

  • -Aktualisiert am

Jürgen Klinsmann änderte einiges vor 14 Jahren und hatte damit Erfolg. Bild: AP

Die Schmach mit dem Vorrunden-Aus war groß für den deutschen Fußball. Der DFB gab ein chaotisches Bild ab. Heftige Worte mussten her. So war das – vor 14 Jahren. Und es gab eine Lösung.

          Die Analyse nach dem Scheitern war schonungslos und in dieser Schärfe sicher nicht erwartet worden. Aber der deutsche Fußball hatte gerade eine große Schmach erlebt, und deshalb galt es, auch einmal ohne Rücksicht auf Verluste ein paar Wahrheiten auszusprechen. „Wir müssen Strukturen schaffen, bei denen klar ist, wer was zu tun hat und wer was nicht darf. Heute laufen um die Nationalmannschaft so viele Leute herum, dass die Spieler schon gar nicht mehr wissen, wer wofür und weshalb da ist. Alles muss analysiert werden, man muss jede Person im Umfeld der Nationalmannschaft thematisieren. Da muss es krachen.“

          Fussball-WM 2018

          Heftige Worte, aber schließlich war lange genug um den heißen Brei geredet worden, und der Erfolg zwei Jahre zuvor hatte die Probleme ja nur notdürftig übertüncht. Allerdings gerade so, dass allzu bereitwillig über die Schwächen hinweggesehen werden konnte in der sorglosen Gewissheit, alles würde wieder gut, wie so oft in der Vergangenheit.

          Dann war alles krachend schiefgegangen. Also ging die Abrechnung nach diesem Desaster und dem Scheitern in der Gruppenphase weiter: „Es sieht so aus, als ob wir den Zug verpasst haben. Die anderen Nationen sind schneller geworden, und wir gehen immer noch unser Tempo. Wir sind an einem sehr kritischen Punkt angelangt, an dem wir auch über unsere Gesamtstruktur nachdenken müssen. Es sind ein paar Fehler passiert nach dem Ausscheiden, die einfach nicht passieren durften.“

          Was er damit meinte, musste man niemandem mehr erklären. Der Deutsche Fußball-Bund hatte mit seinem Filz und dem schweren Mehltau, der sich darübergelegt hatte, ein chaotisches Bild abgegeben, und das ein oder andere Interview hatte die Situation noch diffuser gemacht. Am Ende wusste niemand mehr, wie es überhaupt weitergehen sollte, wie ein Ausweg aus dieser verfahrenen Situation zu finden wäre. Da war dieser nächste Ratschlag sicher notwendig, weil er einer überzeugenden Logik entsprang und nebenbei auch der Wahrheit entsprach, die im Verband aber niemand sehen wollte. „Es muß dringend überlegt werden, wie sich der Verband weiter zeigen möchte. Im Ausland wird über uns gelacht, weil wir ein jämmerliches Bild abgeben. Es wurde nur versucht, von den eigenen Schwächen abzulenken. Es ist unglaublich, was sich derzeit im DFB abspielt. In den nächsten Tagen geht es ans Eingemachte.“

          Darf man das alles sagen, nur weil es gerade mal eben nicht so gelaufen ist? Hatte man der Welt vor zwei Jahren nicht noch gezeigt, dass die Deutschen eben immer noch eine Turniermannschaft sind, die sich steigern kann, wenn es darauf ankommt – egal was kurz vorher noch gewesen war?

          Man darf, fand der Analyst, denn sonst ginge es schließlich immer so weiter, in einem Strudel kann man schlecht Halt finden. „Wir müssen rund um die Welt schauen: Was passiert bei anderen Klubs und Verbänden, ja sogar bei anderen Sportarten? Wir sollten überall reinschnuppern und uns für neue Strukturen und Programme öffnen. Wir müssen immer einen Schritt schneller als die anderen sein.“

          Nun ja, so war das damals, als Deutschland, der Vize-Weltmeister von 2002, bei der Europameisterschaft 2004 in der Vorrunde blamabel gescheitert war. Und gesagt hat das alles Jürgen Klinsmann. Und wenig später drehte er jeden Stein beim DFB um.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sigmar Gabriel und die SPD : Gute Ratschläge von der Seitenlinie

          Sigmar Gabriel plane angeblich schon das Ende seiner politischen Karriere, heißt es. Es gehört zum ambivalenten Verhältnis der SPD zu ihrem größten Talent, dass viele Genossen sich nicht sicher sind, ob das eine schlechte oder eine gute Nachricht ist. Eine Analyse.
          Greta Thunberg in der vergangenen Woche in Schweden

          Grüne in Schweden : Verloren trotz Greta Thunberg?

          Anders als in Deutschland haben die Grünen bei der Europawahl ausgerechnet in Schweden, der Heimat Greta Thunbergs, schwächer abgeschnitten. Warum ist das so?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.