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Im Gespräch: Horst Hrubesch : „Unser Messi ist Özil“

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Ich kenne die Jungs sozusagen von klein auf. Es waren alles Führungsspieler, ob nun Manuel Neuer, Mesut Özil, Sami Khedira, aber auch Jerome Boateng und Dennis Aogo. Sie wollten Verantwortung, und ich habe sie ihnen gegeben. Die Idee dahinter ist ganz einfach: Es war klar, dass die Spieler die Qualität hatten, den Titel zu gewinnen. Das habe ich ihnen bestätigt. Aber dann muss man sich auch dazu bekennen, den Titel gewinnen zu wollen. Und wenn ich das als Spieler will, muss ich auch Verantwortung übernehmen. Ich muss dann Regeln aufstellen. Für mich selbst. Und für die Mannschaft. Das war der entscheidende Aspekt bei der U-21-Geschichte. Ich muss meine Spieler im Training doch nicht mehr anschieben. Ich muss nicht mehr auf jeden einzelnen Spieler achten. Das sind alles Dinge, die Spieler untereinander regeln müssen. Und wenn man dann noch ein klar definiertes Ziel hat, worauf alle hinarbeiten, dann hat man den entscheidenden Faktor gefunden.

Was ist noch wichtig?

Die Ersatzspieler. Das sind die wichtigsten Spieler. Das habe ich bei der EM auch meinen Jungs gesagt. Das wird auch bei der WM so sein. Wir haben das vorgelebt. Wenn man im Training diejenigen Spieler beobachtet hat, die nicht eingesetzt wurden, dann hat man gesehen, wie die Gas gegeben haben - und diejenigen, die spielten, haben sie dabei unterstützt. Das ist entscheidend, um bei einem Turnier erfolgreich zu sein.

Was haben Sie versucht den Jungs mitzugeben auf dem Weg nach oben?

Vertrauen und Ehrlichkeit. Die Spieler brauchen nur Vertrauen. Sie sprechen doch in Südafrika auch mit den Spielern. Was haben Sie denn für ein Gefühl dabei?

Dass sie wissen, was sie wollen, sich realistisch einschätzen können und das Team im Mittelpunkt sehen.

Sehen Sie, darum geht es. Auf der einen Seite muss man ihnen Vertrauen und ehrliche Antworten auf ihre Fragen geben - andererseits muss man von ihnen Ehrlichkeit einfordern. Die Spieler müssen sich immer wieder ehrlich selbst die Frage stellen: Bin ich bereit, alles für den Erfolg zu tun - und tue ich auch wirklich alles dafür? Denn über die Qualität der Spieler müssen wir nicht mehr diskutieren.

Wirklich nicht? Es war nur das erste Spiel, gegen den vermeintlich schwächsten Gruppengegner.

Die Jungs können das Spiel lesen, sie können das Spiel machen, sie können jeden Pass spielen, sie sind zweikampfstark und haben die richtige Mentalität. Das alles kommt zusammen mit ihrer positiven Grundeinstellung. Sie sind im Kopf in Ordnung. Sie sind weiter bereit, Hilfen von Jogi und den Trainern anzunehmen. Es sind Spieler, die Dinge hinterfragen und die Verantwortung wollen. Nur so geht's.

Woran könnte diese junge Mannschaft in Südafrika scheitern?

Ich sehe gar keine Schwierigkeiten. Die Mannschaft muss an sich glauben, sie muss arbeiten und als Gemeinschaft auftreten. Und das kann sie. Die Mannschaft ist momentan nicht auszurechnen. Ob das der Pass in die Tiefe ist oder das gesamte Passspiel des Teams. Dazu haben sie eine gute Ordnung, sie stehen gut - und vor allem sind sie in der Lage, ein Spiel zu machen.

Klingt nach einer Ausnahmegeneration?

Es gibt doch auch schon länger den Schweinsteiger-Jahrgang, für den gilt doch dasselbe wie für alle jungen Leute: Hilft man ihnen und gibt ihnen Vertrauen, dann zahlen sie zurück. Das ist halt bei allen jungen Spielern so. Wir in Deutschland neigen jedoch gerne dazu, von ausländischen Spielern zu schwärmen. Wir loben Wayne Rooney in den Himmel, den Ronaldo oder den Messi. Aber den Messi haben wir selber. Unser Messi ist Özil. Der ist auch ein Jahrhunderttalent. Nur mal so als Beispiel.

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