https://www.faz.net/-gaq-9bika

Ilkay Gündogan bei der WM : Löws erster Nachrücker

  • -Aktualisiert am

Wurde gegen Schweden für den verletzten Sebastian Rudy eingewechselt: Ilkay Gündogan (rechts). Bild: Reuters

Für einen Startelf-Einsatz hat es nicht gereicht: Ilkay Gündogan kommt gegen Schweden nach 30 Minuten für den verletzten Sebastian Rudy ins Team. Auch etwas anderes war erstaunlich – und erfreulich.

          Der Kader, so waren sich die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes vor dieser WM sicher, sei besser als der bei der WM 2014. Das machten sie nicht allein an der Stammelf fest, sondern vor allem an jenen Spielern, die gerne als Backup bezeichnet werden, bei Verletzungen einspringen oder wenn es – wie dieses Mal – zu Beginn nicht richtig rund läuft. 2014 gehörten unter anderem junge Profis wie Matthias Ginter, Christoph Kramer oder Erik Durm dem Kader an. Dieses Mal fehlen diese Youngster, fast alle Spieler haben reichlich internationale Erfahrung gesammelt, entweder mit ihren Vereinen oder in den vergangenen Jahren mit der Nationalmannschaft.

          Fussball-WM 2018

          Bundestrainer Joachim Löw ging am Samstag gegen Schweden ein Risiko ein, als er zum ersten Mal seit 2010 bei einem großen Turnier auf Mesut Özil in der Anfangself verzichtete und auch Sami Khedira ersetzte. Marco Reus überzeugte als Torschütze und Ilkay Gündogan deutete immerhin ab und zu Übersicht und Kreativität an. Aber ob der Kader tatsächlich besser ist, lässt sich nicht sagen, trotz des Engagements der Nachrücker.

          Gündogan war nicht erste Wahl an diesem Abend in Sotschi, aber er war der erste Nachrücker. Eingewechselt in der 31. Minute, sorgte der Profi von Manchester City für etwas mehr Elan im bis dahin biederen Angriffsspiel. Mit Pässen verlieh er dem deutschen Spiel ein klein wenig Raffinesse, wenngleich nicht immer alle ankamen, und er sich auch Flüchtigkeitsfehler erlaubte. Immer wieder wechselte Gündogan mit Toni Kroos die Positionen, spielte meist weiter vorne als der Mittelfeldspieler von Champions-League-Sieger Real Madrid.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Vermutlich war er ganz froh, endlich einmal wieder auf dem Fußballplatz zumindest für ein wenig Aufsehen sorgen zu können. Pfiffe musste er sich in Sotschi keine anhören, und am Ende des späten Erfolgs wurde er von den Fans im Fischt-Stadion von Sotschi gemeinsam mit den Kollegen gefeiert, als hätte es das leidige Erdogan-Thema nie gegeben. Dabei war er im letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft noch vom Publikum in Leverkusen wegen seines Treffens mit dem türkischen Präsidenten ausgepfiffen worden. Und es schien deshalb nicht ganz klar, wie er die ganze Affäre, die in Deutschland noch immer ein Aufreger ist, verkraften würde. Gündogan zeigte sich weit weg von Deutschland eher unbeeindruckt.

          Dass er überhaupt rund sechzig Minuten zum Einsatz kam, lag er an der Verletzung von Sebastian Rudy, der nach 24 Minuten mit blutender Nase den Platz verlassen musste. Der Bayern-Profi war für viele überraschend in die Startelf gerutscht. Es waren nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko und der schwachen Leistung viele Modelle diskutiert worden, aber eher selten die Variante mit Rudy. Der 28 Jahre alte Schwabe hatte als Streichkandidat vor der Nominierung des endgültigen WM-Kaders gegolten – wegen des Überangebots im Mittelfeld und der schwierigen Saison, die der frühere Hoffenheimer nach seinem Wechsel zum FC Bayern hinter sich hatte.

          Plötzlich steht das Stadion Kopf: Toni Kroos (links) zirkelt einen Freistoß in die Maschen. Deutschland gewinnt 2:1. Bilderstrecke

          Aber Löw dachte nicht daran, ihn zu streichen. Er schätzt Rudys Sicherheit am Ball, seine Flexibilität und Ruhe. Rudy hat bei seinen Einsätzen in der Nationalmannschaft immer eine solide bis gute Leistung abgeliefert – und im vergangenen Jahr beim Confed-Cup-Sieg der Deutschen eine glänzende Rolle gespielt. So etwas vergisst Löw nicht, und als es am Samstag darum ging, neue Impulse zu setzen und die Defensive zu stabilisieren, war Rudy für den Bundestrainer die erste Option.

          Er opferte dafür Sami Khedira, einen seiner Vertrauten in der Mannschaft. Mit Rudy schien die Stabilität tatsächlich etwas größer zu sein, er spielte sichere Pässe, statt mit gewagten Zuspielen einen Ballverlust zu riskieren; und er hielt seine Position im Mittelfeld. Als Rudy versuchte, den Ball nach einem unpräzisen Zuspiel von Kroos noch zu erreichen, wurde er unabsichtlich vom Schweden Toivonen mit dem Fuß im Gesicht verletzt – wodurch sein erster WM-Einsatz frühzeitig endete. „Rudy hat die Nase gebrochen, glaube ich, möglicherweise kann er am Mittwoch spielen, das muss man abwarten“, sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Schlusspfiff.

          Mit fünfminütiger Verzögerung kam Gündogan. Er musste sich in jener Phase ins Spiel einfinden, in der die Schweden das Geschehen an sich gerissen hatten – wegen des minutenlangen Überzahlspiels. Keine leichte Aufgabe, aber er löste sie in der zweiten Halbzeit ordentlich und gehörte so am Ende zu den glücklichen Siegern.

          Fussball-WM 2018

          Weitere Themen

          „So spielt keine Spitzenmannschaft“

          Frust beim BVB : „So spielt keine Spitzenmannschaft“

          Nach den nächsten verlorenen Punkten herrscht bei Borussia Dortmund große Enttäuschung. Kapitän Reus schimpft, Sportdirektor Zorc ist bedient. Doch Hummels soll zurück in die Nationalmannschaft.

          Topmeldungen

          Passagiere des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook am Flughafen von Palma de Mallorca.

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.
          Volkstribun? Der Landesvorsitzende der AfD in Brandenburg, Andreas Kalbitz

          Populismus : Die da oben

          Populisten geben sich gerne als Männer und Frauen des Volkes. Am Beispiel der AfD kann man jedoch sehen: Kritiker der „Elite“ sind meist elitärer, als ihre Rhetorik vermuten lässt.
          Glitzernde Autoshows wollen die Marketingstrategen der Firmen nicht mehr.

          War’s das mit der IAA? : Dilettanten am Steuer

          Wie ruiniert man eine IAA? Man nehme streitende Konzerne, einen Frankfurter Oberbürgermeister und einen hilflosen Verband. Schadenfreude? Ist nicht angebracht. In Deutschland sollten die Alarmglocken schrillen.
          Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart.

          Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

          Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.