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Flick nominiert DFB-Kader : Von Unruhe keine Spur

Solide Pläne: Hansi Flick. Bild: Witters

Bundestrainer Hansi Flick bleibt für die Nations League bei seinen Vertrauensleuten. Ein Thema allerdings könnte Flick im Laufe des WM-Jahres noch zu schaffen machen.

          3 Min.

          Normalerweise liebt Hansi Flick es, das Gras zu riechen, die Atmosphäre zu spüren. Der oberste Fußballtrainer des Landes wirkt da oft nicht anders als der gewöhnliche Fan. Am Mittwochabend aber saß Flick nicht im heißen Sevilla, sondern im heimischen Bammental vor dem Fernseher, wo er, wie neun Millionen Deutsche vor den Bildschirmen, die europäische Sternstunde der Frankfurter Eintracht verfolgte.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          „Mitgefiebert“ habe er, sagte Flick tags darauf in einer Medienrunde, bei der es um seine Planungen für die kommenden Länderspiele und die weitere WM-Saison gehen sollte, zu deren Beginn er aber erst einmal der Eintracht eine höchstinstanzliche Gratulation aussprach: für die „Krönung einer herausragenden Leistung“ in der Europa League. „Das“, sagte Flick, „tut dem deutschen Fußball sehr gut.“

          Kevin Trapp „sensationell“

          Dass er nicht in Sevilla war, dürfte damit zu tun haben, dass es dort für ihn hauptberuflich nicht so viel zu tun gab, denn auch wenn Eintracht Frankfurt inzwischen in puncto Fan-Sympathie als Eintracht Deutschland firmieren darf, ist der Kreis an Spielern, die für das deutsche Nationaltrikot in Frage kommen, doch sehr überschaubar.

          Nations League

          Aktuell ist das lediglich Kevin Trapp, dessen Beitrag zum Frankfurter Meisterstück Flick auch durch die Mattscheibe gestochen scharf erkannt hatte. „Sensationell“ habe der Torhüter der Eintracht kurz vor Schluss reagiert und dann ja auch den „entscheidenden Elfmeter“ gehalten.

          Die Eintracht-Legende Charly Körbel erhob Trapp nach dem Triumph gegen die Glasgow Rangers sogar in den Rang des derzeit besten deutschen Torhüters – und erntete dafür von Flick keinen expliziten Widerspruch. Trapp, sagte Flick, habe eine „herausragende Form“.

          Ein wunder Punkt

          Nun war es gewiss nicht so, dass der Bundestrainer damit ernsthaft zu Spekulationen einlud, Konturen eines möglichen Thronsturzes im Bundestor lassen sich bis auf weiteres allenfalls durch die Frankfurter Vereinsbrille erkennen. Andererseits aber war damit durchaus ein Punkt berührt, der für die deutschen WM-Perspektiven in diesem Jahr von Bedeutung sein könnte.

          Denn auch wenn Flick betonte, wie „happy“ er sei, dass im nächsten Jahr fünf deutsche Mannschaften in der Champions League spielen – darüber, dass in diesem Jahr nur eine einzige bis ins Viertelfinale und dann nicht darüber hinauskam, dürfte Flick nicht so happy sein.

          Kehren zurück: Leon Goretzka und Marco Reus
          Kehren zurück: Leon Goretzka und Marco Reus : Bild: picture alliance / SVEN SIMON

          Und wenn man es noch etwas weiter fasst: Würde die WM wie gewohnt im Sommer beginnen, hätte er es nun nicht nur mit einem Kern von granteligen Mia-san-wer-noch-mal-Bayern zu tun, sondern darüber hinaus auch mit einigen Spielern, deren aktuelle Rolle in den Vereinen in erheblicher Diskrepanz zur zugedachten oder selbstformulierten im Nationalteam steht: Timo Werner, Ilkay Gündogan, Thilo Kehrer, um die prominentesten zu nennen.

          Das Thema Spielrhythmus und Selbstvertrauen könnte, je nach Verlauf des weiteren Jahres, also noch einmal mit Dringlichkeitsvermerk auf Flicks Schreibtisch landen – und womöglich auch den Mut zu kitzligen (oder zumindest kitzelnden) Entscheidungen erfordern.

          „Türe immer offen“

          Mit seinem Kader für die bevorstehenden Termine in der Nations League konsolidierte er erst einmal den bisherigen Kreis seiner Vertrauensleute: Von Unruhe keine Spur, auch nicht von Überraschungen, Flick präsentierte ziemlich genau jene Namen, die zu erwarten waren: Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Niklas Süle, Marco Reus, Karim Adeyemi, Jonas Hofmann, Lukas Klostermann sind wieder dabei.

          Als „Härtefälle“, die ihre Plätze vorerst verloren, müssen sich hingegen Matthias Ginter, Florian Neuhaus, Christian Günter und Robin Gosens fühlen, von Mats Hummels oder Emre Can war schon gar nicht mehr die Rede.

          Flick betonte zwar, dass die „Türe immer offen ist“, aber ob er dort wirklich jemanden erwartet, ist mit Blick darauf, wie das weitere Jahr strukturiert ist, eine andere Frage. „Der Kader, der jetzt da ist, ist vom Stamm her das Maß aller Dinge“, sagte Flick.

          „Relaxen und Runterfahren“ in Marbella

          So lange und so intensiv wie in den kommenden gut drei Wochen hat der Bundestrainer seine Spieler dann bis zur WM nicht mehr zusammen. Am Montag treffen sich Team und Trainer in Marbella für ein Kurztrainingslager, das bis Freitag neben positionsspezifischen Schulungen auch genügend Raum zum „Relaxen und Runterfahren“ bietet, wenn gewünscht mit Familienanschluss.

          Nach dem für alle (unfreiwillig) freien Champions-League-Finalwochen­ende ist dann am Montag Herzogenaurach der nächste Treffpunkt, wo Flick das Basisquartier für den Nations-League-Viererblock gegen Italien (4. Juni, Bologna), England (7. Juni, München), Ungarn (11. Juni, Budapest, alle Spiele jeweils um 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nationalmannschaft und bei RTL) und noch einmal Italien (14. Juni, Mönchengladbach) aufschlägt.

          Die Bedeutung besonders der Partien gegen Italien und England, „die zwei besten Teams der Euro“, hob Flick hervor: als Standortbestimmung, aber auch, um „sich als Mannschaft zu schärfen“.

          Dass das Team nun neben dem vertrauten bayerischen bald wieder ein stärkeres Dortmunder Profil bekommt, scheint Flick zu gefallen. „Auf zwei Beinen“, so sein Bild, stehe ein Team schon ganz gut, was neben den Innenverteidigern Süle und Nico Schlotterbeck auch der Angreifer Adeyemi als Ansporn nehmen sollte.

          In einer anderen Frage gab Flick sich hingegen eher konservativ. Über einen Positionswechsel von Joshua Kimmich denke er nicht nach, sagte der Bundestrainer, trotz des Überangebots im Zentrum, zu dem zuletzt Jamal Musiala eindrucksvoll beigetragen hatte.

          Der Vollständigkeit halber und aus aktuellem Anlass sei hinzugefügt: Den Namen Sebastian Rode erwähnte Flick nach seinem Fernsehabend nicht.

          Das deutsche Aufgebot

          Tor: Manuel Neuer (Bayern München), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), Oliver Baumann (TSG Hoffenheim)

          Abwehr: Benjamin Henrichs (RB Leipzig), Thilo Kehrer (Paris St. Germain), Lukas Klostermann (RB Leipzig), David Raum (TSG Hoffenheim), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Nico Schlotterbeck (SC Freiburg), Niklas Süle (Bayern München), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen)

          Mittelfeld/Angriff: Karim Adeyemi (Red Bull Salzburg), Julian Brandt (Borussia Dortmund), Serge Gnabry (Bayern München), Leon Goretzka (Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (FC Chelsea), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach), Joshua Kimmich (Bayern München), Jamal Musiala (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Lukas Nmecha (VfL Wolfsburg), Marco Reus (Borussia Dortmund), Leroy Sane (Bayern München), Anton Stach (FSV Mainz 05), Timo Werner (FC Chelsea)

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