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Deutsche WM-Vorbereitung : Löws Hoffnung heißt Khedira

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) setzt auf die rechtzeitige Genesung von Sami Khedira Bild: picture alliance / dpa

Ein Überraschungsspieler für das WM-Aufgebot wie einst David Odonkor wird beim 0:0 gegen Polen nicht gefunden. Aber Bundestrainer Joachim Löw verbreitet gute Nachrichten über Sami Khedira.

          Joachim Löw war gerade dabei, die jüngste Nationalmannschaft der deutschen Fußball-Geschichte ausgiebig zu loben. Er pries ihren Einsatz, ihr taktisches Verständnis, ihre technischen Fertigkeiten und ihre Laufbereitschaft. Überall in seiner Auswahl hatte der Bundestrainer einen Monat vor der Fußball-Weltmeisterschaft im Test-Länderspiel gegen Polen hohe Qualität entdeckt.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er sagte den Spielern mit einer Durchschnittsalter von unter 22 Jahren – das deutsche Team brachte an diesem Tag die Rekordzahl von zwölf neuen Nationalspielern zustande, aber kein Tor beim 0:0 gegen Polen – mit großer Überzeugung eine verheißungsvolle Zukunft voraus. „Ich war absolut zufrieden. Ich bin sicher, dass wir einige von diesen Spielern in der Zukunft bei der Nationalmannschaft sehen werden“, stellte Löw nach seiner Lobrede fest.

          Diese Zukunft nach dem größten deutschen Fußball-Debütantenball des aktuellen und vorherigen Jahrhunderts dürfte allerdings, wenn nicht alles täuscht, noch ein bisschen auf sich warten lassen. Im Presseraum der Hamburger Arena liefen, während Löw die Perspektive der Jugend erforschte, faszinierende Bilder über die Fernsehschirme, die eine geradezu unglaubliche Begeisterung im Länderspiel gegen Polen zeigten, eine Trainerbank mit Jogi Löw, die geradezu außer Rand und Band geraten war.

          Allerdings waren das Bilder vom Länderspiel gegen Polen bei der WM 2006, bei dem ein gewisser David Odonkor, der damals völlig überraschend für die Endrunde im eigenen Land nominiert worden war, gerade die Flanke seines Lebens schlug. In Hamburg verabschiedete das Publikum das deutsche Team dagegen mit Pfiffen. Aber davon wollte Löw nichts gehört haben, weil sie diese zusammengewürfelte und unerfahrene Mannschaft auch nicht verdient hatte.

          Wen nehmen wir mit zur WM? Bundestrainer Joachim Löw (links) und sein Assistent Hans-Dieter Flick

          Ein Odonkor des Jahres 2014 wurde aber eigentlich auch in Hamburg gesucht. Ein junger, international noch unbeschriebener Spieler, der dem Nationalteam in Brasilien im kommenden Monat einen entscheidenden Impuls zu geben vermag.

          Ein Odonkor 2014 drängte sich an dem Abend des überschwänglichen Lobs allerdings nicht gerade auf. Man hatte eher das Gefühl, in der Hansestadt in eine ziemlich weit entfernte deutsche Fußball-Zukunft zu blicken, wenn etwa Max Meyer sein enormes Talent andeutete oder Julian Draxler den jüngsten Kapitän der deutschen Fußball-Geschichte darstellte. Der Blick ging da eher schon zur WM 2022 in Qatar, wenn die Schalker Meyer und Draxler mit 26 und 28 Jahren dann im vielleicht besten Fußballalter sein werden, als zum deutschen WM-Auftakt in 33 Tagen gegen Portugal mit Ronaldo und Co.

          Viel Trubel, aber nichts passiert: Deutschland C gegen Polen B

          Ganz kurzfristig dürfte sich von den Neulingen, zu denen Draxler schon längst mit nun zwölf Länderspielen nicht mehr gehört, vor allem Stürmer Kevin Volland Hoffnungen machen, über das Trainingslager in Südtirol hinaus bei der Nationalmannschaft bleiben zu dürfen.

          Das lag nun nicht daran, dass der Hoffenheimer, der kaum einen Zweikampf in diesem für einen Stürmer unangenehmen Spiel gewann, eine herausragende Leistung geboten hätte. Volland ist und bleibt neben Miroslav Klose der einzige gelernter Stürmer im Kader, und das ist schon fast so etwas wie eine Reiseflugversicherung nach Brasilien.

          Wichtiger allerdings, als die vagen Chancen dieser Nachwuchsauswahl für ein paar Minuten Einsatzzeiten bei der WM zu wägen, waren für den deutschen Fußball ganz aktuell die guten Nachrichten, die der Bundestrainer über Sami Khedira nach dem Spiel verbreitete. Löw schien sicher, seinen Anführer im Mittelfeld genau in dem Zustand in Brasilien zu erleben, der nach Khediras schwerer Verletzung mit dem gerissenen Kreuzband im November so etwas wie den medizinischen und therapeutischen Idealfall darstellt.

          „Seine gesamte Entwicklung war ohne jegliche Rückschläge. Der Heilungsverlauf war unheimlich positiv“, sagte der Bundestrainer, nachdem Khedira nun schon seit einigen Wochen „voll umfänglich“ und ohne Beschwerden mit der Mannschaft von Real Madrid trainiert.

          „Er hat schon frühzeitig wahnsinnig viele Zweikämpfe gemacht. Er fühlt sich auch körperlich sehr gut. In der letzten Woche war er auch noch mal bei Müller-Wohlfahrt in München. Der Doc hat mir gestern noch mal bestätigt, dass sein Knie und seine Muskulatur absolut in Ordnung sind. Es sind überhaupt keine Probleme entstanden. Ich gehe davon, dass dies bei Sami auch die nächsten beiden Spiele so sein wird“, berichtete Löw.

          Khedira werde, so der Bundestrainer, am Wochenende mit Blick auf die Vorbereitung für das Finale der Champions League wieder in der spanischen Liga eingesetzt. „Ich glaube, dass wir einen Sami Khedira antreffen, der mit einer unglaublich guten Basis zu uns kommt.“ Das war ohne Zweifel die beste Nachricht, die der Bundestrainer aus Hamburg mit zur Weltmeisterschaft nach Brasilien nehmen kann.

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