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Fünf von zehn WM-Toren : Das Geheimnis der deutschen Standards

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Freistoß Kroos, Kopfball Hummels, Tor Deutschland - so einfach kann es gehen Bild: dpa

Jahrelang opferte Joachim Löw vor Turnieren keine Trainingszeit für Standards. Bei der WM in Brasilien zahlt sich das Umdenken beim Bundestrainer aus. Die „gute Waffe“ funktioniert – und der finale Trick ist noch in petto.

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          Freistoß Kroos, Kopfballtor Hummels - die deutschen WM-Fußballer verblüffen in Brasilien plötzlich als neue Standard-Könige. Fünf von zehn Toren auf dem Weg ins Halbfinale gegen Brasilien entsprangen drei Ecken, einem Freistoß und einem Elfmeter. Vor allem Joachim Löws die Varianten mit Kopfballschreck Mats Hummels funktionieren bestens. „Standards sind eine gute Waffe für eine Mannschaft. Damit werden Spiele entschieden“, urteilte Löw.

          Ein Zufallsprodukt ist die neue Effizienz der DFB-Elf nach ruhenden Bällen nicht. „Wenn man lange übt, klappt das. Wir haben allgemein viel Standardtraining gemacht“, verriet Miroslav Klose nach dem 1:0 gegen Frankreich, bei dem Hummels im Viertelfinale in Rio de Janeiro eine Freistoßeingabe mit dem Kopf zum Siegtor ins Netz wuchtete.

          „Methode steckt nicht dahinter, die Bälle sind einfach gut geschlagen, und ich habe am richtigen Fleck gestanden“, meinte der zum „Man of the Match“ gekürte Hummels jedoch anschließend bescheiden.

          „Das Tor macht Mats weltklasse“, schwärmte Abwehrkollege Jérome Boateng. Und ein bisschen Methode war die Ko-Produktion zwischen dem Münchner Kroos und dem Dortmunder Hummels schon. Denn beim 4:0 im Auftaktspiel gegen Portugal war der Innenverteidiger ebenfalls nach maßgenauem Eckball von Kroos mit dem Schädel erfolgreich gewesen.

          Kroos holt den Freistoß gegen Valbuena selbst heraus

          „Die Standardsituation hat uns in diesem Turnier schon das eine oder andere Mal geholfen“, kommentierte Philipp Lahm: „Offensiv haben wir viele Spieler, die brandgefährlich sind.“ Beim Treffer zum 2:2 gegen Ghana staubte Klose ab, nachdem Benedikt Höwedes wiederum eine Ecke des Standard-Spezialisten Kroos mit dem Kopf verlängert hatte.

          Beim 1:0 gegen die Vereinigten Staaten war es Thomas Müller, der nach einer Ecke den abgewehrten Kopfball von Per Mertesacker aus dem Rückraum ins Tor schlenzte. „Es freut uns, dass wir auch mal bei Standards ein paar Dinger machen“, sagte Müller nach dem Frankreich-Spiel.

          Hummels hielt sich Varane vom Leib und köpfte ein

          „Wenn man sich die gesamte WM anschaut, fallen einfach viele Tore aus Standards“, bemerkte Torjäger Klose. Vier der lediglich fünf Tore in den Viertelfinal-Partien waren Standardtreffer. „Gott sei Dank haben wir da eine große Stärke“, urteilte Klose. Diese lag bei den bisherigen Turnieren unter Löw weitgehend brach, auch weil dem Bundestrainer die Trainingszeit oft zu kostbar für das langwierige Einüben war. Andere Dinge hatten in der Vergangenheit Priorität.

          „Ich bin schon ein Freund vom Einstudieren“, sagte Löw in Brasilien zum Dauerthema Standards. Bereits im Trainingslager in Südtirol war in den vielen geheimen Trainingseinheiten auch auf Drängen der Spieler und von Ko-Trainer Hansi Flick das Einstudieren von Ecken und Freistößen forciert worden. „Wir haben es intensiv trainiert, Trainingszeit dafür geopfert“, sagte Löws Assistent in Rio.

          Den Vorsprung gaben die Deutschen bis Spielende nicht mehr ab

          Das Produkt der Arbeit kann sich sehen lassen. „Früher hatten wir manchmal Probleme mit Standards. Jetzt sind wir offensiv stark“, sagte Boateng. Da Löw in Brasilien in vier der fünf WM-Partien vier Innenverteidiger in der Abwehr aufbot und auf Ergebnisfußball umgeschaltet hat, werden die Standards noch bedeutsamer.

          „Wir haben uns das vorher auch ausgemalt mit drei bis vier richtig guten Zielspielern. Das hat sich voll ausgezahlt“, sagte Mertesacker, mit 1,98 Metern der Riese unter den Standard-Spezialkräften. Boateng ist 1,92 Meter, Hummels 1,91 Meter und Höwedes 1,87 Meter groß. Gewünschter Nebeneffekt: Auch beim Verhindern von Standardtoren gibt es eine neue Lufthoheit.

          Das goldene Tor von Hummels gegen Frankreich sei „nichts besonders Einstudiertes“ gewesen, meinte Müller. Andere Tricks dagegen schon, etwa der fehlgeschlagene gegen Algerien, als er sich zu Boden warf, aber der Plan hinter der kuriosen Idee nicht aufging. Weiterer Versuch gegen Brasilien oder gar im großen WM-Finale? „Nee, da haben wir schon einen anderen Trick“, bemerkte Klose augenzwinkernd.

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