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Fußball-Nationalmannschaft : Löw nimmt’s leicht

Fußball-Nationalmannschaft in der Findungsphase: Wenn’s drauf ankommt, wird es schon klappen Bild: dpa

Der Bundestrainer stellt vor dem letzten Test gegen Armenien auf den WM-Modus um: Wenn es losgehe, werde sein Team „den Turbo zünden“, verspricht er - trotz aller Probleme.

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          Joachim Löw, das verriet sein fragender Blick, war ein wenig irritiert. Es ging um die jüngsten Eruptionen in den sozialen Medien. Auf seiner Facebook-Seite hatte Manuel Neuer am Donnerstagmorgen ein Foto veröffentlicht, das ihn mit erhobenem rechten Arm zeigt - eine Siegerpose also und dazu noch vier ermutigende Worte: „Läuft alles nach Plan!“ Es sollte die Botschaft sein, dass der Patient sich auf einem guten Weg befindet. Schließlich hatte der Nationaltorhüter zuvor auf ärztliche Anweisung jedwede Tätigkeit über Schulterhöhe zu vermeiden gehabt. Als das Foto und die optimistischen Worte später wieder von der Seite gelöscht waren, interpretierten das viele als schlechtes Zeichen - ist am Ende alles doch viel schlimmer bei der deutschen Nummer eins?

          Auf und ab in hektischem Rhythmus: Vor einem wichtigen Turnier reagiert die Öffentlichkeit eben höchst sensibel auch auf kleinere Erschütterungen im Kosmos der Nationalmannschaft. Der Bundestrainer aber hatte von dieser Umdrehung des Nachrichtenrads gar nichts mitbekommen, wie er sagte. Löw berichtete in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stattdessen ganz altmodisch von Gesprächen mit den Beteiligten, also mit Neuer selbst und den behandelnden Ärzten. Und aufgrund dieser Quellenlage sah er sich imstande, eine optimistische Prognose zu stellen. „Manuel Neuer“, sagte Löw, „wird einsatzbereit sein.“

          Kein Schwarzseher: Löw bringt sich in Stimmung
          Kein Schwarzseher: Löw bringt sich in Stimmung : Bild: dpa

          Gemeint war der WM-Auftakt der Deutschen am 16. Juni in Salvador gegen Portugal. Und so wie Löw am Donnerstag sprach, hegt das Trainerteam der DFB-Auswahl tatsächlich keinen Zweifel, dass der Münchner den Platz im Tor trotz der im Pokalfinale erlittenen Schulterverletzung einnehmen kann. Laut medizinischer Abteilung solle es „überhaupt keine Probleme für das erste Spiel geben“, sagte Löw. Dass Neuer den letzten Test an diesem Freitag in Mainz gegen Armenien verpassen wird (Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm sollen zumindest Teilzeiteinsätze bekommen), begründete Löw damit, jedes Risiko vermeiden zu wollen, „und wenn es nur ein minimales ist“. Als er nach dem Plan B gefragt wurde, antwortete der Bundestrainer abwehrend: „Wir haben überhaupt keine anderen Pläne.“

          Die letzten Wochen waren für Löw nicht angenehm. All die größeren und kleineren Probleme, die das Trainingslager in Südtirol beschwerten, haben bei Beobachtern doch erhebliche Bedenken hinsichtlich der WM-Mission aufkommen lassen. Die Uhr läuft - und sie läuft gegen Löw und sein Team, das war in etwa die Einschätzung in den Medien und in weiten Teilen des Publikums. Am Samstagabend nun startet das Team von Frankfurt aus in Richtung Salvador. Und die Pressekonferenz vor dem letzten Auftritt auf heimischem Boden wollte Löw offenbar nutzen, um den Kritikern und Zweiflern schon einmal die richtige Zeit vorzugeben - seine eigene. Nicht in irgendeinem Testspiel gehe es darum, topfit zu sein, sondern dann, wenn es darauf ankomme, beim Anpfiff in Brasilien. „Wenn es losgeht, werden wir schon den WM-Turbo zünden“, sagte er und sprach davon, dass sich die Mannschaft und er mit einer guten Leistung gegen Armenien und somit „mit einem Lächeln“ verabschieden wollten.

          Das waren ganz bemerkenswerte Töne. Schließlich hatte der Bundestrainer bislang noch nicht unbedingt den Eindruck erweckt, dem Abenteuer Brasilien mit echter Begeisterung entgegenzusehen. Am Donnerstag aber schien Löw umso entschlossener in den WM-Modus schalten zu wollen - und das kombiniert mit einer großen Portion Leichtigkeit. „Wir dürfen bei allem Ernst und allem Ehrgeiz nicht den Spaß und die Freude an unserem Spiel verlieren“, sagte er. Und über seine eigene Gemütslage: „Ich bin eigentlich nicht angespannt, sondern entspannt.“ Passend dazu ließ er alle Bedenken hinsichtlich der WM-Reife seines Teams an sich abprallen. Zum Beispiel die Debatte um die „falsche Neun“ im Angriff. „Ich nehme die Diskussion nicht mit ins Gepäck nach Brasilien. Sonst würden wir Übergepäck bezahlen müssen“, scherzte Löw und versicherte: „Wir haben genug Leute dabei, die Stürmer spielen können.“

          Wenn Löw seinen Kritikern antwortete, wirkte das nicht, als würde er sich ärgern - sondern eher so, als stehe er über den Dingen. Als fühle er sich vor seinem vierten Turnier als Cheftrainer unabhängiger denn je. Auch oder gerade, weil es trotz der Vertragsverlängerung sein letztes sein könnte? Ob er denn als Weltmeister definitiv in Amt und Würden bleiben würde, wurde Löw gefragt. „Es wäre schön, als Weltmeister weiterzumachen und in die erste Qualifikationsrunde zu gehen“, antwortete er. Ironie oder voller Ernst - das konnte man genauso wenig sagen, wie man sicher sein konnte, ob man gerade einen Bundestrainer voller Zuversicht erlebt hatte. Oder einen, der diesen Eindruck erwecken wollte.

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