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Gruppenfinale gegen „Team USA“ : Fünf Gründe, warum Deutschland gewinnt

Noch ist keine Zeit für den Urlaub: Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Der ehemalige Bundestainer Jürgen Klinsmann hat angekündigt, dass er keine Rücksicht auf seine Vergangenheit nehmen werde. Der aktuelle Bundestainer Joachim Löw sagt, dass er auf Sieg spielen werde. Deshalb wird er Recht behalten.

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          Eine hohe Niederlage – und der Nationalmannschaft droht an diesem Donnerstag (Anstoß 18 Uhr/ live im ZDF und im WM-Ticker bei FAZ.NET) tatsächlich noch das Aus bei dieser Weltmeisterschaft. Unvorstellbar? Eigentlich schon.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          1. Das Klima

          27 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent haben die Meteorologen für das Spiel in Recife vorhergesagt. Das sind schlechte Nachrichten für die Amerikaner, deren Spiel vor allem von der Energie geleitet wird. Was sie spielerisch und technisch nicht drauf haben, wollen sie durch mehr Laufen und mehr Grätschen kompensieren – das ist einer der Leitideen von Trainer Jürgen Klinsmann.

          Deutsche Geschlossenheit: In der Vielfalt lieget die Stärke.

          Und die Elf von Joachim Löw? Lässt lieber den Ball und den Gegner laufen, variiert das Tempo, zieht sich zurück – und setzt dann gezielte Nadelstiche. Und wenn bei Müller, Özil und Götze die Luft raus ist, dann kommen eben Podolski, Schürrle und Klose. Und wer kommt bei den Amerikanern ins Spiel, wenn die anderen nicht mehr können? Zum Beispiel Chris Wondolowski von den San Jose Earthquakes. Nie gehört? Zumindest der Name seines Vereins ist eine Wucht.

          2. B-Deutschland gegen A-Deutschland

          Spurenelemente der Nationalmannschaft finden sich nicht nur im Trainerstab der Amerikaner. Als Rechtsverteidiger läuft Fabian Johnson auf, im Mittefeld soll Jermaine Jones die Angriff des Gegners zerstören, auf der Bank warten Timothy Chandler und Julian Green auf ihre Einsatz.

          Zwei, die auch für Deutschland hätten spielen dürfen: Timothy Chandler und Jermaine Jones

          Vier Männer, die in Deutschland geboren worden sind, für beide Länder hätten auflaufen dürfen, aber irgendwann eingesehen haben, dass sie nur im Trikot der Vereinigten Staaten eine Chance auf ein großes Turnier haben würden. Johnson (35 Spiele für deutsche Nachwuchsmannschaften), Jones (drei Länderspiele) werden besonders motiviert sein – aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf der anderen Seite bessere Spieler auf ihren Positionen auflaufen.

          3. Berti Vogts

          Achtzehn Jahre sind inzwischen vergangen, seit der Mann, den sie als Spieler „Terrier“ nannten, mit der deutschen Auswahl den EM-Titel gewonnen hat. Seither hat sich vieles verändert in der Fußball-Welt: Der Libero wurde abgeschafft, die Viererkette kam in Mode, abkippende Sechser und Achter wurden wichtig, der falsche Neuner kam ins Spiel, Konzepttrainer bestimmten den Fußball.

          Soll die Amerikaner beraten, aber ausgerechnet gegen Deutschland ist er ratlos: Berti Vogts.

          Berti Vogts verabschiedete sich nach wundersamen Turnier 1996 mehr und mehr von der großen Bühne: Nach Stationen in Leverkusen, Kuwait, Schottland, Nigeria und Aserbaidschan ist er nun Berater der Amerikaner. Aber irgendwie ist der Siebenundsechzigjährige Teil der Nationalmannschaft geblieben. Der „Rheinischen Post“ sagte Vogts: „Ich werde nicht jubeln, wenn die Amerikaner ein Tor gegen uns schießen.“ Und er sagte, dass er gegen Deutschland spielfrei habe, weil Klinsmann seine alte Mannschaft schließlich viel besser kenne. Mit der Elf von 2006 allerdings hat die aktuelle Version kaum noch etwas gemeinsam.

          4. Thomas Müller

          Dieser Mann hat Nehmerqualitäten, er verkörpert genau das, was die Amerikaner so lieben. Thomas Müller wird gegen Amerika auflaufen, obwohl er in der Schlusssekunde des Spiels gegen Ghana noch K.o. gegangen war: Eine Platzwunde an der rechten Augenbraue, Blut lief über sein Gesicht, doch der Stürmer gab Entwarnung: „Mein Cut wurde vom Doc nach dem Spiel fachmännisch mit fünf Stichen genäht, so dass ich schon wieder den Durchblick habe, auch wenn das Auge noch etwas grün und blau ist.“

          Der Amerikaner unter den Deutschen: Thomas Müller

          Nicht aufgeben, immer weiter machen, weiter rennen, nach der nächsten Chance suchen und positiv denken – kaum einer steht dafür so sehr mit seinem Namen wie Müller. Seine Torjagd kann also weiter gehen: 2010 wurde der Angreifer des FC Bayern München schon Torschützenkönig bei der WM in Südafrika, nun rangiert er mit drei Treffern knapp hinter Neymar und Messi (jeweils vier Tore) – noch.

          5. Die Psyche

          Bei einer Niederlage droht das Aus, bei einem Unentschieden fühlt sich die Fußball-Welt erinnert an den Nichtangriffspakt von Gijon aus dem Jahre 1982. Wie also sollen Löw und seine Männer darauf reagieren? Ganz einfach: Gewinnen – dann gibt es keine Diskussionen.

          Bloß keine neuerliche Schande: 1982 gewinnt Deutschland 1:0 gegen Österreich, schiebt nach dem frühen Tor aber nur noch den Ball hin und her.  Algerien scheidet aus, die Fans wedeln mit Geldscheinen.

          Hören wir doch mal, was die beiden Trainer sagen:
          Löw: „Wir wollen das Spiel gewinnen.“
          Klinsmann: „Wir werden versuchen, das Spiel zu gewinnen.“
          Auf Seiten der Deutschen steht also der Wille, auf der Seite der Amerikaner lediglich ein Versuch. Ein Versuch allerdings hat im Fußball selten ausgereicht, um Großes zu erreichen. Wo aber ein Wille ist, da ist meistens ein Weg.


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