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Vor Spiel gegen Schweden : Kroatische Krieger als Vorbild für Deutschland

Sami Khedira fordert „elf Krieger“ – aber es müssen auch die richtigen Krieger sein. Bild: AFP

Von zwei Faktoren wird abhängen, wie weit Löw und sein Team bei der WM noch kommen. Oder ob schon nach dem ersten Endspiel gegen Schweden Schluss ist – einem Finale, wie es die meisten gar nicht kennen. Ein Kommentar.

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          So schnell kann es zu Ende gehen. Wenn die Nationalspieler in ihrem Hotel in Sotschi die Niederlage der Argentinier gegen Kroatien gesehen haben, wurde ihnen noch einmal vor Augen geführt, wie wenig der Ruhm von gestern wert ist, wenn in der Gegenwart die Rechnung nicht stimmt. Am Vormittag hatte Sami Khedira noch davon gesprochen, dass die Deutschen gegen Schweden „elf Krieger“ sein müssten. Nicht beleidigte Krieger allerdings wie am Ende die Argentinier, Deutschlands Finalgegner 2014 – oder Joachim Löws Team selbst, die Weltmeister im Lamentieren beim Auftakt gegen Mexiko. Sondern, selbst wenn das martialisch klingen mag, Krieger nach kroatischer Fußballart.

          Fussball-WM 2018

          Was diese Mannschaft in Nischni Nowgorod vorführte, war der Stoff, aus dem Großes gemacht werden kann bei dieser WM: mentale und physische Schärfe, brennender Ehrgeiz, die pure Lust zu leiden: für die Kollegen, für das gemeinsame Ziel. Vielleicht mag man das, etwas vereinfacht, den Rebic-Faktor nennen. Dass der Pokalheld der Frankfurter Eintracht jetzt Messis Argentinier leiden ließ, war in jenem Moment zwar ein glücklicher Umstand, aber doch auch mehr als Zufall.

          So wenig jedoch, wie man Leichtigkeit trainieren kann, kann man Leidenschaft künstlich erzeugen. Man muss sie in sich tragen und spüren. Was das angeht, ist eine Mannschaft, die von unten kommt, immer ein bisschen besser dran als jene, die schon oben stand. Diese mentale Klippe dennoch zu überwinden, sich immer wieder neu zu motivieren, das ist etwas, was echte Champions ausmacht – viele der deutschen Spieler verkörperten das über Jahre, es ist die Mentalität, die man bei den Bayern braucht oder auch bei Real Madrid. Es gibt aber auch dafür keinen unbegrenzten Speicher. Und in Kombination mit anderem Störfaktoren kann das (allzu menschliche) Nachlassen um ein paar Prozent leicht eine große Wirkung entfalten. Im Fall der Bayern hat das Negativmomentum zum Saisonende sicher Spuren hinterlassen, für die Erdogan-Affäre gilt das womöglich auch.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Der Bundestrainer hat kurz vor der WM davon gesprochen, dass die Deutschen nur eine „durchschnittliche Mannschaft“ seien, wenn sie Details nicht ernst nähmen. Mehr aber noch gilt das, wenn sie die Spiele nicht mit der richtigen Einstellung angehen. Insofern hat Khedira recht, dass es gegen Schweden an diesem Samstag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei Sky) vor allem darauf ankommt. Mit dem Haken allerdings, dass es bei Löw nicht allzu viele Typen gibt, die das verkörpern, am ehesten noch Jerome Boateng und Khedira selbst.

          Bilderstrecke

          Temperament ist jetzt gesucht, so gut es eben geht. Und Tempo. Fehlendes Tempo war das zweite Manko, das gegen Mexiko auch insgesamt zum großen Stillstand führte. Das deutsche Team ist ganz auf Ballbesitz getrimmt, es lebt von seinem Kombinationsspiel, darauf ist seit Jahren alles ausgelegt. Das jedoch bedarf einer gewissen Grundgeschwindigkeit: im Pass-Spiel selbst, aber auch in der Bewegung ohne Ball. Nur dann kann gegen dichte Abwehrblöcke etwas ins Rollen kommen.

          Temperament und Tempo – von diesen beiden Faktoren wird abhängen, wie weit Löw und sein Team in Russland noch kommen. Oder ob, im schlechtesten Fall, schon nach diesem ersten Endspiel Schluss ist – einem Finale, wie es die meisten gar nicht kennen.

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