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Debatte um Erdogan-Fotos : „Das geht nicht“: Boateng stellt sich vor Özil

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„Mesut ist ein Mensch. Man darf die ganze Kritik nicht an einem ablassen“: Boateng (rechts) über Özil. Bild: Reuters

Wenige Tage nach dem deutschen WM-Aus spricht Jerome Boateng über die Blamage. Dabei äußert er sich zu den Gründen fürs Scheitern in der Vorrunde, seiner Zukunft, Joachim Löw – und Mesut Özil.

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          Mit Jerome Boateng hat ein weiterer der tief gefallenen deutschen Fußball-Weltmeister einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen und Bundestrainer Joachim Löw den Rücken gestärkt. „Das war nie ein Thema für mich. Ich sehe mich auch noch überhaupt nicht am Zenit meiner Leistungsfähigkeit angekommen“, sagte Boateng der „Welt am Sonntag“ über einen möglichen Abschied als Konsequenz aus dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland. „Solange niemand auf mich zukommt und mir sagt, dass alles ganz neu sein soll und überhaupt nicht mehr mit mir geplant wird, möchte ich unbedingt weiterspielen“, betonte Boateng (29): „Ich bin ein Führungsspieler und als solcher bereit dazu, mit anzupacken. Ich werde versuchen, meine Erfahrung an die jungen Spieler weiterzugeben. Ich möchte unbedingt dabei helfen, dass wir spielstärker zurückkommen.“

          Auf die Frage, ob er auf einen Verbleib von Löw hoffe, sagte Boateng: „Auf jeden Fall. Wir Spieler waren und sind in der Pflicht. Wir standen auf dem Spielfeld. Der Trainer hat uns klare Worte und Anweisungen mitgegeben, die wir nicht umgesetzt bekommen haben.“ Das Aus nannte er einen „Schock, für alle von uns. Es hat viel gefehlt: Wille, Leidenschaft, Überzeugung – wir sind wie gelähmt aufgetreten.“ Und: „Wir hatten einfach zu viele Ausfälle.“

          Mit Unverständnis reagierte der 73-malige Nationalspieler auf die harte Kritik an Spielmacher Mesut Özil. „Das geht nicht. Mesut ist
          ein Mensch. Man darf die ganze Kritik nicht an einem ablassen, die ganze Mannschaft ist in der Verantwortung“, sagte Boateng. Özil war wegen gemeinsamer Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hart attackiert worden und galt bei der WM als Symbolfigur des deutschen Scheiterns. „Das mit dem Foto war unglücklich, es war zuletzt eine schwierige Situation für ihn“, sagte Boateng. Er sei jedoch dagegen, einzelne Spieler zum Sündenbock auszurufen.

          Ilkay Gündogan will derweil beim Neuanfang der Nationalelf dabei sein, Özil braucht noch Zeit. Gemeinsam ist den beiden DFB-Profis, deren Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan für nachhaltigen Ärger gesorgt hatten, aber der große Frust über die krachende WM-Blamage der deutschen Auswahl. „Wir sind alle immer noch sehr enttäuscht. Wir hatten große Pläne, aber wir sind gescheitert“, schrieb der 27 Jahre alte Gündogan am Samstag in den sozialen Netzwerken, versicherte aber auch kämpferisch: „Wir müssen und wir werden nach der Sommerpause aber wieder aufstehen.“

          Die Botschaft klang deutlich nach Gündogans Bereitschaft, trotz der heftigen Kritik und teils fremdenfeindlichen Attacken wegen der Erdogan-Fotos auch künftig für die Nationalmannschaft spielen zu wollen. „Es hat mich so stolz gemacht, an meiner ersten Weltmeisterschaft für Deutschland teilnehmen zu dürfen, in der Gruppenphase auszuscheiden ist dann einfach nur frustrierend“, teilte der Mittelfeldspieler von Manchester City mit.

          Der nicht minder stark kritisierte Özil hatte zuvor wissen lassen: „Die Weltmeisterschaft bereits nach der Gruppenphase verlassen zu müssen, schmerzt so sehr. Wir waren einfach nicht gut genug. Ich werde einige Zeit brauchen, um darüber hinweg zu kommen.“ In seinem auf Englisch verfassten Tweet setzte der 92-malige Nationalspieler dazu am späten Freitagabend den Hashtag „SayNoToRacism“ (Sag Nein zu Rassismus).

          Özil hat anders als Gündogan bislang keine Stellung zu den Fotos mit Erdogan bezogen. Die Nachwirkungen der Affäre hatten die Nationalmannschaft bis zur WM begleitet und laut Kapitän Manuel Neuer durchaus auch belastet. Gündogan hatte während des Trainingslagers der DFB-Auswahl betont, er und Özil hätten mit den Bildern kein politisches Statement setzen wollen. Gündogan hatte Erdogan damals ein Trikot mit der Aufschrift „Für meinen verehrten Präsidenten – hochachtungsvoll“ überreicht. Die DFB-Spitze sah in Russland „Fragen“, die eine „Antwort verdienen“, wie es Vizepräsident Rainer Koch formulierte, und kündigte eine weitere Aufarbeitung des Themas nach dem Turnier an.

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