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0:1 gegen Brasilien : Die Serie des Weltmeisters reißt

Der Treffer zum 1:0 für Brasilien: Gabriel Jesus (Mitte) überwinden Deutschlands Torhüter Kevin Trapp. Bild: Reuters

Das Nationalteam verliert das Prestige-Duell gegen die Seleção mit 0:1 und verpasst damit einen Rekord. „Das war heute keine ganz runde Leistung von uns“, sagte Bundestrainer Löw.

          3 Min.

          Der Weltmeister hat knapp drei Monate vor der WM einen neuen Rekord verpasst. Die Deutschen verloren das Prestigeduell gegen Brasilien in Berlin mit 0:1 – und verpasste es damit, den Rekord von 23 Spielen ohne Niederlage einzustellen, den die Deutschen einst zwischen 1978 und 1980 unter Bundestrainer Jupp Derwall aufgestellt hatten.

          Fußball-Länderspiele
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Erfolg der Brasilianer in der deutschen Hauptstadt, knapp vier Jahre nach dem schmachvollen 1:7 in Belo Horizonte, war verdient. Jesus Gabriel erzielte in der 38. Minute das Tor für den fünffachen Weltmeister gegen den vierfachen Weltmeister. Die Brasilianer hatten die besseren Chancen in einer vor allem in der ersten Halbzeit guten, aber nur mitunter hochklassigen Begegnung, die Bundestrainer Joachim Löw zu zahlreichen Tests genutzt hatte. Allerdings wussten auch besonders hochgehandelte Spieler wie Leroy Sane und Ilkay Gündogan von Premier-League-Spitzenreiter Manchester City ihre Chance an diesem Abend nicht so zu nutzen, wie sie sich das wohl vor allem selbst gewünscht hatten.

          „Das war heute keine ganz runde Leistung von uns. Die Mannschaft und jeder einzelne kann natürlich besser spielen“, sagte Löw: „Es war irgendwie nicht unser Tag. Aber dafür sind diese Spiele da, damit man was probieren kann.“

          Kapitän Boateng der stärkste deutsche Spieler

          Für einen waren schon die Sekunden vor dem Anpfiff ein Ereignis: Der gebürtige Berliner Jerome Boateng führte am Dienstag die Nationalmannschaft gegen Brasilien als Spielführer auf den Rasen des Olympiastadions. Damit wurde nicht nur ein Kindheitstraum für den Weltmeister wahr. Mehr noch: Zum ersten Mal überhaupt führte ein farbiger Spieler die deutsche Nationalelf als Kapitän an. Dieser ganz besonderen Premiere war sich Boateng sehr bewusst. Und er war bis zu seiner Auswechslung (68.) nach einem schmerzhaften Tritt (50.) auch der stärkste deutsche Spieler. Die Ehre des Kapitänsamts war Boateng zuteil geworden, weil die beiden Spieler, die bisher den schon lange verletzten Spielführer Manuel Neuer vor allem vertraten, Thomas Müller und Sami Khedira, gar nicht mehr in Berlin waren (Müller) oder wegen leichter Rückenbeschwerden auf der Ersatzbank saßen (Khedira).

          Der Bundestrainer hatte das Prestigeduell zwischen dem Rekord-Weltmeister und dem aktuellen Weltmeister zu einem Länderspiel mit ausgeprägten Testcharakter gemacht: Im Tor stand zunächst Kevin Trapp, neu hinzu gekommen im Vergleich zur Startaufstellung vom 1:1 gegen Spanien waren außerdem Marvin Plattenhardt, Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan, Leon Goretzka, Leroy Sane und Mario Gomez – Änderungen auf sieben Positionen. „Man hat unserer Mannschaft die Wechsel angemerkt, wir haben viele leichte Fehler gemacht“, sagte Löw.

          Die Brasilianer schleppten schweren Ballast mit nach Berlin. „Das 7:1 ist ein Gespenst“, sagte Trainer Tite, der die Erneuerung des Teams seit dem Kollaps im WM-Halbfinale entschlossen und erfolgreich vorangebracht hat. „Die Wunde ist noch immer offen. Das Spiel ist nicht nur sportlich, sondern auch emotional eine große Herausforderung.“

          Eine Herausforderung, die Brasilien taktisch diszipliniert und konzentriert annahm. Zur Pause führten die Südamerikaner nicht unverdient mit 1:0. Gabriel Jesus war mit einem wuchtigen Kopfball aus kurzer Entfernung nach Flanke von Willian erfolgreich. Trapp schien den Ball noch abwehren zu können, aber der Ball überschritt doch noch knapp die Torlinie. Bis dahin war das Spiel von kompakten Mittelfeldreihen und verlässlichen Defensiven geprägt – und beiderseitigem Respekt. Die Deutschen, die in dieser Formation noch nie zusammengespielt hatten, kamen nach rund zwanzig Minuten in einer technisch und taktisch anspruchsvollen, aber keineswegs spektakulären Partie immer besser ins Spiel. Sie starten nun auch regelmäßig ihre Angriffe, denen aber die letzte Konsequenz und Klarheit bei Abschluss fehlten.

          Die beste Gelegenheit bis zur Führung hatten trotzdem die Brasilianer. In der 36. Minute war es der Selecao erstmals gelungen, die deutsche Abwehr mit einem Konter schnell und zielstrebig zu überwinden. Jesus hatte plötzlich viel Platz in der deutschen Hälfte, er setzte sich gegen Boateng und Rüdiger durch – jagte den Ball dann aber über die Latte. Aber trotz der Führung, der besten Chance und einer kompakten Spielweise: Die Brasilianer waren gegen ein stark verändertes deutsches Team trotzdem keine Mannschaft von einem anderen Fußballstern.

          Nach der Pause allerdings übernahm Brasilien zunächst immer stärker die Kontrolle. Und kam zu Torchancen. In der 55. Minute kamen sie zu einer Doppelchance durch Willian und Paulinho, zwei Minuten später schoss Couthino über das Tor. All das hatten die deutschen an diesem Abend nicht zu bieten. Nach rund einer Stunde wechselte der Bundestrainer dreifach aus. Sane, der sein Tempo nie ins Spiel einbringen konnte, musste vorzeitig gehen, ebenso Goretzka, und zwei Minuten später Gomez. Es kamen Lars Stindl, Julian Brandt und Sandro Wagner.

          Eine Belebung des deutschen Spiels war zu diesem Zeitpunkt dringend erforderlich. Die Auswechslungen taten dem deutschen Spiel gut, der Weltmeister setzte den Rekordweltmeister nun wieder mehr zu – und immerhin gelegentlich auch unter Druck. Den Brasilianern war deutlich anzumerken, dass sie ihren Sieg unbedingt verteidigen wollten. Sie blieben auch in der Schlussphase, als der Weltmeister noch einmal auf den Ausgleich und einen neuen Rekord drängte, konzentriert und stabil.

          „Mannschaftlich überwiegt heute klar das Negative“, sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos: „Wir haben klar gesehen, dass wir doch nicht so gut sind wie manche vielleicht denken. Das war deutlich zu wenig von uns.“ Gündogan sah „ein bisschen Licht, aber auch sehr viel Schatten. Wir haben viele Fehler gemacht.“ Torhüter Trapp bilanzierte: „Wir konnten unsere Chancen nicht in Tore umwandeln. Wir hätten das Spiel nicht verlieren müssen.“

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