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Nationalmannschaft : Auf der Suche nach Geist und Gesicht

Klappt es mit Geisterbeschwörung: Die Nationalmannschaft sucht noch ihre identität Bild: dpa

Eine Woche vor dem ersten WM-Spiel hat das DFB-Team seine beste Formation noch lange nicht gefunden. Für Bundestrainer Löw ist es Zeit, Antworten zu geben.

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          An der brasilianischen Atlantikküste hat sich nun endlich die populärste und wohlhabendste Wohngemeinschaft eingefunden, die Deutschland selbst nach ungezählten Big-Brother-Containern hervorgebracht hat. Lange genug hat es ja auch gedauert, bis diese ganz spezielle und ins tropische Nirgendwo-Paradies exportierte Fußball-WG zusammengestellt war, die den Rhythmus der Deutschen in diesem Sommer nicht ganz unwesentlich bestimmen dürfte. Zwei Jahre brütete der Bundestrainer über die möglichen Bewohner der vier Häuser im neu erschaffenen Campo Bahia. Bis zur letzten Minute hatte er immer wieder und meist notgedrungen seine Pläne ändern müssen, bis er die 23 Nationalspieler beisammen hatte, die angemessen wohnen sollen und am besten auch noch vom Teamgeist beseelt werden.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mit ein paar Bewohnern allerdings müssen sich die Deutschen knapp eine Woche vor dem WM-Start gegen Portugal erst noch vertraut machen. Man tut den jungen Wohngemeinschaftlern Mustafi, Durm, Ginter und Kramer in diesem so genau beobachteten und hermetisch verschlossenen Fußball-Luxus-Containern nicht unrecht, wenn man feststellt, dass ihre Namen bis vor wenigen Monaten nur Experten geläufig waren.

          Und auch nur die Kundigsten unter den Fans wissen heute ganz genau zu sagen, worin denn nun die eigentlichen Stärken und Schwächen dieser Neulinge im DFB-Haus liegen. Allein die Tatsache, dass der Bundestrainer auf gleich vier Neulinge setzt, ist schon ziemlich überraschend trotz der enormen Qualitätsdichte, die nun schon seit Jahren im deutschen Fußball steckt. Dabei haben zwar auch die zahlreichen Verletzungen wie am Abend vor dem Abflug von Marco Reus eine wichtige Rolle gespielt, aber eben nicht nur. Löw hatte die Wahl.

          Offene Fragen

          Noch erstaunlicher, wenn nicht sogar ein wenig beunruhigend, ist der Befund, dass man selbst bei den bekanntesten Bewohnern des Campo Bahia nicht mehr so genau weiß, welche Rolle sie außerhalb der Hausgemeinschaft mitsamt Hausmeister eigentlich spielen sollen, also dort, wo die WM entschieden wird. „Wir haben ein Gerüst, aber noch nicht elf Spieler“, sagte Assistenztrainer Hansi Flick bei der ersten Pressekonferenz in Brasilien zu den Vakanzen in der deutschen Formation. Mal angenommen, Manuel Neuer wäre nach drei Wochen ohne jegliches Torwarttraining - über die Pfingstfeiertage fing er erstmals wieder Bälle - rechtzeitig einsatzfähig gegen Ronaldo & Co, dann beginnen die offenen Fragen sechs Tage vor dem deutschen WM-Auftakt erst in der Abwehr.

          Boateng, Hummels, Mertesacker, Höwedes lautet die Generalproben-Formation. Also eine Viererkette ohne etatmäßigen Außenverteidiger? Nicht mehr ausgeschlossen, sagte der Bundestrainer, nachdem Boateng beim 6:1 gegen Armenien wie schon zuvor gegen Kamerun wieder als rechter Außenverteidiger aushelfen musste - und dazu der Schalker Innenverteidiger Höwedes in Mainz die linke Seite sicherte. Eine Innenverteidigung also mit Hummels und Mertesacker, die bis vor einer Woche fast nie in der Nationalelf gemeinsam zum Einsatz kamen, und wenn, dann funktionierte sie auch nicht sonderlich harmonisch? Könnte trotzdem sein, sagt der Bundestrainer nun. Oder am Ende, also zum Start der WM in Salvador da Bahia, doch wieder mit dem langjährigen rechten Verteidiger Lahm sowie mit der in dieser WM-Saison eingespielten Innenverteidigung Mertesacker und Boateng?

          Gute Laune, aber auch guter Geist? Lukas Podolski und Mesut Özil (r.) bei der Begrüßung auf dem Trainingsplatz

          Kann auch sein, wenn auch wenig wahrscheinlich nach den letzten Spiel- und den ersten Trainingseindrücken in Brasilien. Beim Bundestrainer klang das vor dem Abflug so: „Es ist beides möglich. Das wird nächste Woche endgültig entschieden. Es war wichtig, dass Philipp Lahm mal im Mittelfeld spielt, weil Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira noch nicht zu hundert Prozent im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Hummels und Mertesacker haben es sehr gut gemacht. Boateng kann rechts spielen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Lahm im Mittelfeld oder rechts. Und dann muss man in der Innenverteidigung sehen. Ich wollte ganz bewusst in der Vorbereitung mal sehen, dass bei Hummels und Mertesacker, die noch nicht so häufig zusammengespielt haben, die Abstimmung besser passt.“

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