https://www.faz.net/-gaq-7ptt3

DFB-Trainingslager-Unfall : „Bilder werden eine Zeit lang im Kopf bleiben“

  • Aktualisiert am

„In einer solchen Situation Hilfe zu leisten, ist selbstverständlich“: Nationalspieler Benedikt Höwedes Bild: dpa

Nach dem Autounfall mit zwei Verletzten im WM-Trainingslager äußert sich Beifahrer und Nationalspieler Benedikt Höwedes, der Erste Hilfe leistete. Oliver Bierhoff sieht die Vorbereitung der DFB-Elf nicht beeinträchtigt.

          Nationalspieler Benedikt Höwedes hat nach dem Unfall im Trainingscamp der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Erstversorgung geholfen. „Ich habe nichts getan, was nicht jeder andere auch gemacht hätte. In einer solchen Situation Hilfe zu leisten, ist selbstverständlich“, erklärte der Verteidiger von Schalke 04 am Mittwoch auf der DFB-Homepage.

          Psychologische Nachwirkungen bei sich schließt Höwedes nicht aus. „Ich glaube, dass die Bilder noch eine Zeit lang in meinem Kopf bleiben werden. Mir haben Gespräche mit den Trainern, der Mannschaft und den Betreuern geholfen“, sagte Höwedes, für den die Situation natürlich „ein Schock“ gewesen sei.

          Unfall in Südtirol: verpatzte PR-Aktion mit zwei Verletzten

          Der Abwehrspieler fühlt mit den Unfallopfern mit. „Meine Gedanken sind bei ihnen und ihren Familien. Ich hoffe, dass es ihnen bald besser geht“, sagte der 26-Jährige, der am Dienstag zum Unfallhergang eine Aussage bei der italienischen Polizei abgab. Bei einem PR-Termin des DFB in Südtirol hatte der Wagen von DTM-Fahrer Pascal Wehrlein zwei Männer erfasst, die ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Höwedes und Teamkollege Julian Draxler hatten bei der Aktion als Beifahrer in den Autos von Wehrlein und Formel-1-Pilot Nico Rosberg gesessen.

          Eines der Opfer des Unfalls erhebt keine Vorwürfe gegen Mercedes-Fahrer Wehrlein. „Nein. So etwas wollte doch niemand“, sagte der Streckenposten aus Südtirol, der am Dienstag mit Verletzungen am Bein und am Rücken ins Krankenhaus von Meran gebracht worden war, im Interview mit dem Kölner Express. „Vielleicht hätten sie da nicht ganz so schnell sein müssen“, sagte er mit Blick auf die Fahrer Rosberg und Wehrlein. Der DTM-Pilot habe sich bereits bei ihm entschuldigt.



          Er sei nicht wütend, mache sich aber selbst Vorwürfe, da er noch vergeblich versucht habe, den 63 Jahre alten deutschen Urlauber von der Straße zu ziehen, der bei dem Unfall schwer verletzt wurde. Der Mann habe nicht auf der Straße gestanden, aber dicht dran, so der Streckenposten: „Er wollte ein Foto machen und wohl auch ein Autogramm haben“, berichtete er. „Ich habe erst laut geschrien. Dann bin ich hinterher. Ich wollte ihn zurückziehen, habe es nicht mehr geschafft.“ Wenn es zwei Augenblicke länger gedauert hätte, hätte der Wagen ihn voll getroffen: „Ich hätte tot sein können.“

          Wehrlein äußerte sich am Mittwoch voller Bestürzung über den Unfall. „Der Schock über die tragischen Ereignisse sitzt sehr tief“, schrieb der 19 Jahre alte Mercedes-DTM-Fahrer bei Facebook. „Meine ganze Hoffnung und meine Gedanken sind bei den beiden Verunglückten und ich bete, dass wir bald positive Nachrichten bekommen werden. Ich danke allen für die Unterstützung in diesen schweren Stunden.“

          Erste Ermittlungen: bestimmt zwanzig Menschen standen an der „geheim gehaltenen“ Strecke

          Rosmarie Pamer, Bürgermeisterin der Gemeinde St. Martin im Passeiertal, fürchtet Auswirkungen auf die Stimmung: „Logischerweise ist die sehr gedrückt. Ich hoffe, dass es dem schwer verletzten Mann bald bessergeht und der Unfall nicht im Mittelpunkt der zehn Tage Trainingslager steht.“ 

          Die sportliche Vorbereitung auf die WM setzen Bundestrainer Joachim Löw und sein Team am Mittwochvormittag mit einem Training fort. Oliver Bierhoff rechnet nach dem Unfall nicht mit negativen Auswirkungen bei der WM-Vorbereitung. „Trotz des schlimmen Ereignisses“ befürchte er „keine Konsequenzen für die weitere Vorbereitung“, sagte der DFB-Teammanager am Mittwoch bei der Pressekonferenz in St. Leonhard im Passeiertal.

          Bierhoff war noch am Dienstag mit den beiden Mercedes-Piloten Wehrlein und Rosberg zu einem Besuch bei den Verletzten in die Krankenhäuser von Bozen und Meran gefahren. Zudem halte man Kontakt zur Frau des schwer verletzten 63 Jahre alten deutschen Urlaubers. „Es war unheimlich wichtig, dass dieser persönliche Kontakt stattgefunden hat“, sagte Bierhoff. Über den Gesundheitszustand der Unfallopfer wurde nichts mitgeteilt.

          Bei der Veranstaltung habe es sich nicht um ein Rennen gehandelt, bekräftigte Mercedes-Sprecherin Claudia Merzbach. „Es ging darum, dass man die Produkte kennenlernt.“ Bierhoff kündigte an, dass der Deutsche Fußball-Bund solche Aktionen künftig auf den Prüfstand stellen werde. „Es ist klar, dass solch eine Aktion und ein solcher Unfall in die Bewertung kommt“, sagte der Teammanager.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.