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Vor dem WM-Halbfinale gegen Brasilien : „Jeder Einzelne steckt für das Team zurück“

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„Die Mannschaft hat den unbedingten Willen, nach Rio zurückkommen zu wollen.“ Bild: AFP

Oliver Bierhoff freut sich auf das WM-Halbfinale gegen Brasilien. Im F.A.Z.-Interview spricht der DFB-Teammanager über deutsche Disziplin, die neue Qualität bei Standards – und das Finale in Rio.

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          Zum vierten Mal nacheinander das Halbfinale bei einer Weltmeisterschaft erreicht zu haben, das schafft nicht jede der großen Nationalmannschaften im Weltfußball. Was vor allem zeichnet das Team des WM-Jahrgangs 2014 aus?

          Mit Sicherheit die Geschlossenheit, die Alternativen, die der Trainer hat, und die Fähigkeit, sich auf den Punkt konzentrieren zu können.

          Trotzdem hat es, wenn auch nicht allein bei den Deutschen, in dichter Folge Hoch- und Tief-Phasen im Laufe des Turniers gegeben – warum?

          Es ist auch bei anderen Mannschaften sichtbar, dass die Hitze und die Reisestrapazen den Verlauf der Spiele beeinflussen. Da passieren dann Fehler auf allen Seiten, so dass die Spiele unterm Strich lange offen und für das Publikum sehr spannend sind. Wir haben es den Widrigkeiten zum Trotz alles in allem bisher gut gemacht.

          Welche Charaktereigenschaften gehören sonst noch dazu, eine solche viereinhalbwöchige Tour über sieben Etappen bestehen zu können?

          Mannschaftliche Geschlossenheit, ein gemeinsamer Wille, das Bewusstsein, dass jeder einzelne auch zurückstecken muss, damit wir unsere Ziele erreichen. All diese Dinge habe ich vom ersten Tag an gespürt.

          Ist es ein Beleg für den Reifeprozess der Mannschaft, dass sie ein Ergebnis auch mal halten kann, wenn sich das Gefühl ausbreitet, nicht mehr viel zulegen zu können, wie beim 1:0 gegen Frankreich?

          Beide Teams sind an ihre Grenzen gegangen, auch wenn das Tempo im Spiel nicht so hoch war. Jeder hat sich schwer getan. Es war gut, dass wir in bestimmten Momenten nicht überreagiert und die Ordnung gehalten haben. Insgesamt haben wir gegen Frankreich ziemlich souverän gespielt.

          Wie wichtig ist die Erfahrung? Es haben eine Reihe von Profis Stammplätze, die schon 2010 oder 2006 dabei waren.

          Die Spieler wissen genau, was notwendig ist, um weiter zu kommen und wie es laufen muss in der Vorbereitung auf die Spiele. Im Spiel halten sie die Disziplin aufrecht, arbeiten zuverlässig, besetzen die dafür notwendigen Räume.

          Bierhoff und Löw: „Wir haben es alles in allem bisher gut gemacht.“
          Bierhoff und Löw: „Wir haben es alles in allem bisher gut gemacht.“ : Bild: dpa

          Und wenn es mal brenzlig wird, haben Sie ja immer noch Manuel Neuer, den überragenden Torwart bei diesem Turnier.

          Er kann ja nicht nur gut Fußball spielen, wie er es gegen Algerien demonstriert hat, sondern auch richtig gut halten, wie er gegen Frankreich bewiesen hat. Er hat eine körperliche Präsenz, eine hohe Qualität und eine Klasse, die für sich sprechen. Er ist einer, der alles, was er anpackt, zu können scheint: Er spielt Karten, er spielt Billard, er spielt Volleyball, er hat das, was man Spielintelligenz nennt.

          Im Halbfinale einer WM zu stehen, ist für die Deutschen fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden, das Endspiel aber haben sie zuletzt 2002 erreicht. Ist die Möglichkeit diesmal groß, endlich wieder ein Finale zu erreichen und es dann womöglich auch zu gewinnen?

          Ich merke zumindest, dass die Mannschaft den unbedingten Willen hat, nach Rio zurückkommen zu wollen.

          Als ehemals kopfballstarker Stürmer haben Sie bestimmt mit Vergnügen die beiden Kopfballtreffer von Innenverteidiger Mats Hummels gegen Portugal und Frankreich gesehen. Sie waren, weil ihnen ein Eckball und ein Freistoß vorausgingen, auch ein Beweis für die gewachsene Qualität bei den Standardsituationen. Kann das in der Endphase des Turniers die entscheidende Rolle spielen?

          Wir haben das fleißig trainiert. Man merkt, dass darauf ein größeres Augenmerk liegt. Die Spieler sind überzeugter davon, da nun schon vier Tore nach einer Standardsituation erzielt worden sind. Standards können eine Waffe sein vor allem in Spielen, in denen es vor Torchancen nicht wimmelt wie im Viertelfinalduell mit Frankreich.

          Was erwarten Sie von Brasilien, dem Gegner im Halbfinale von Belo Horizonte am Dienstagabend?

          Wir haben im ganzen Turnier noch keine Übermannschaft gesehen. Brasilien hat den Heimvorteil, den sie aber bis jetzt noch nicht so nutzen konnten, als dass man hätte sagen können: Sie fliegen mit diesem Bonus. Man merkt der Mannschaft schon den Ehrgeiz an, es besonders gut zu machen. Aber vom Spielerischen her erschien sie bisher nicht so überzeugend wie das bei früheren brasilianischen Nationalmannschaften der Fall war. Und nun fehlt ihnen auch noch Neymar, ihr bester, torgefährlichster Spieler wegen einer schweren Verletzung. Was wir aus dieser Konstellation machen können, wird sich zeigen.

          Hat die Mannschaft die Kritik, die vor allem nach dem mühsamen Sieg über Algerien laut wurde, belastet?

          Eigentlich nicht. Die Spieler wussten ja schon direkt nach dem Algerien-Spiel, dass es gegen Frankreich anders sein würde. Jedes Spiel überwölbt eine andere Konstellation. Da kann es schon mal passieren, dass man sich gegen einen Außenseiter wie Algerien schwer tut.

          Von der missratenen ersten Hälfte gegen Algerien einmal abgesehen – hat die Mannschaft inzwischen die innere Ruhe, ihr Spiel auch unter Druck nicht zu verlieren?

          Es war immer eine Stärke deutscher Mannschaften, sehr geordnet, sehr diszipliniert und gut organisiert zu sein. Das sind wir im Übrigen auch außerhalb des Platzes. Die ganzen Abläufe spielen eine Rolle, zum Beispiel die bestmöglichen Reisezeiten, die Trainingsmöglichkeiten und alles, was zum Gelingen einer solchen Mammutaufgabe dazugehört. Nervosität oder das Gefühl, irgendwo verloren zu gehen, spürt man bei uns nicht. Da ist alles sehr gefestigt.

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