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Russland 2018 : Die vielen Baustellen im deutschen WM-Team

Da ist noch einiges zu tun bis zum Mexiko-Spiel. Bundestrainer Joachim Löw. Bild: EPA

Vor dem Start der WM gibt es noch einige Fragezeichen rund um die DFB-Elf. Das betrifft nicht nur Neuer und Boateng. Bleibt der Verzicht auf Sané ohne Folgen? Und was kann Özil leisten? Ein Überblick.

          6 Min.

          Form-Check: Vor dem Start der WM gibt es noch viele Fragezeichen rund um die Nationalmannschaft. Finden Neuer und Boateng zu gewohnter Klasse? Hält di

          Lex Neuer

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.
          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Nicht nur der Pokal hat seine eigenen Gesetze, das gilt auch für Manuel Neuer. Oder besser: Für die jahrelange Nummer eins wurden die üblichen Kriterien außer Kraft gesetzt, nach denen sich Sportler üblicherweise qualifizieren müssen. Über Monate hinweg hatte für Bundestrainer Löw das Diktum gegolten, dass eine Nominierung Neuers nur möglich ist, wenn er in der Bundesliga zu Einsatzzeiten komme, in der er seit September 2017 nicht mehr gespielt hat.

          Fussball-WM 2018

          Als Neuer dies nach dem dritten Bruch des Mittelfußes nicht schaffte, schuf Löw die Lex Neuer. Und die lautet: 90 Minuten gegen Österreich und eine Halbzeit gegen Saudi-Arabien mit insgesamt nur einer Handvoll Torwartaktionen genügen, um Stammtorwart des Weltmeisters bei der WM zu werden. Und damit war der Kampf um die Nummer eins in Wahrheit auch nur die Simulation eines Duells. Ein Duell, dass ter Stegen nicht gewinnen konnte.

          Aus den Kriterien einer Leistungsgesellschaft wurden bei der Frage nach der Nummer eins die Kriterien einer Glaubensgemeinschaft. Obwohl ter Stegen im vergangenen Sommer den Confed Cup mit der Nationalelf gewann, in Barcelona eine herausragende Saison spielte, zu den besten Torhütern der Welt zählt und auch in der WM-Saison im DFB-Team durchgängig seine Klasse bewies, hat die Hoffnung entschieden, der Kapitän des Weltmeisters möge nach seiner langen Pause in Russland wieder der Torwart sein, der er mal war. Mit objektiven, überprüfbaren Kriterien hat die Wahl der Nummer eins nicht viel zu tun.

          Sie speist sich vor allem aus dem Glauben, dass Neuer den Belastungen standhält, dass er im Wettkampfmodus von sieben Spielen in vier Wochen seine Qualität nicht einbüßt und keinen so schlimmen Fehler macht, der diese Entscheidung nachträglich in Frage stellt. Sicher aber ist das nicht, wie auch? Tatsache aber ist auch: Die Extraklasse Neuers war im Trainingslager immer wieder zu bewundern. Wenn Bernd Leno, Kevin Trapp oder auch ter Stegen im Tor standen und die Bälle fingen oder fausteten, und man meinte, es gehe eigentlich kaum besser, kam Neuer, und man spürte und wusste: es geht besser. (hor.)

          Einfalltore auf beiden Seiten

          „Wenn ich ein Problem sehe“, hat Thomas Müller im Trainingslager in Eppan gesagt, „dann ist es eher unsere defensive Stabilität.“ Das war kein Versuch, die eigenen Abwehrleute anzuschwärzen, es ging eher darum, sich und seinesgleichen in die (Mit-)Verantwortung zu nehmen. Müller wies auf das hin, was zwar immer wieder heruntergebetet wird, in der Praxis des deutschen Teams zuletzt aber offenbar ein wenig in Vergessenheit geraten war. Dass erfolgreiches Verteidigen ziemlich weit vorne beginnt. Bedeutet nicht, dass Müller am eigenen Strafraum grätschen muss. Bedeutet aber, „mit Intensität die Passwege des Gegners schließen, damit die Verteidiger und defensiven Mittelfeldspieler den kürzeren Weg zum Gegner haben, in die Zweikämpfe kommen und ihre Stärken ausspielen können“, wie Müller sagt. Und bedeutet auch: allzu fahrlässige Fehler im Spiel nach vorn vermeiden: „Ein Konter geht oft bei falscher Riskoabschätzung eines Offensivspielers los.“

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