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DFB-Elf vor Schweden-Spiel : „Nicht verdient, so durch den Kakao gezogen zu werden“

„All die Gerüchte und persönlichen Anfeindungen, das geht nicht“: Sami Khedira. Bild: dpa

Der Bundestrainer schweigt seit der Mexiko-Niederlage weitgehend. Die Führungsspieler sprechen – und wollen gegen Schweden vorangehen. Sami Khedira wehrt sich gegen hämische Kritik.

          Das erste Spiel verloren und nun vor dem zweiten Spiel mächtig unter Druck? Miroslav Klose hat im Laufe seiner Karriere einige solcher Momente erlebt, und dem Weltmeister von 2014, in Russland nun einer der Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw, ist deshalb vor der wegweisenden Partie gegen Schweden am Samstag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei Sky) nicht bange. „Unter Druck haben wir immer die besten Spiele gemacht.“

          Fussball-WM 2018
          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Klingt wie eine wunderbare Durchhalteparole oder eine gut abgehangene Fußball-Weisheit, und trifft doch den Kern ziemlich gut. Ärmel hochkrempeln und sich wehren, das ist Kloses Forderung an die ehemaligen Kollegen und an seine Nachfolger in der aktuellen Situation. „Der Rasen zu hoch, die Schiedsrichter zu schlecht, die Sonne zu tief – das alles war nie mein Ding“, sagt der bislang beste WM-Torschütze der Geschichte.

          Gesprochen worden sei nun genug, jetzt müssten die Führungsspieler voran gehen. „Sie wissen, was man machen muss“, sagt Klose und hofft auf eine trotzige Reaktion der Mannschaft in einem schweren Spiel gegen defensiv starke Schweden. Aber das Fußballerleben besteht eben nicht immer aus schönen Stunden, tat es auch bei Klose nicht. „Aus wie vielen Löchern bin ich denn rausgekrabbelt“, erinnert sich Deutschlands letzter Weltklassestürmer.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Voran gehen, das müssen die Führungsspieler in diesen Tagen schon auf jeden Fall, wenn es öffentliche Auftritte geht. Der Bundestrainer wird erst bei der internationalen Pressekonferenz am Freitag wieder sprechen, weil sein Erscheinen dort Pflicht ist. Hier und da ein kurzes Statement im Fernsehen, wenn ihn die Kameras beim morgendlichen Besuchen der Strandpromenade eingefangen haben – mehr ist nicht von Löw zu hören. Inhaltlich soll er sich mit Mats Hummels einig sein, der am Sonntag nach dem Spiel die Konteranfälligkeit des Teams angemahnt hatte. Dass daraus hier und dort gleich Angriffe des Bayern-Verteidigers auf einzelne Mitglieder konstruiert wurden, hat Hummels mächtig verstimmt: „Ich habe inhaltliche Dinge angesprochen, und es wird so getan, als habe ich jemanden beleidigt.“

          Welchen Stellenwert diese Niederlage gegen Mexiko einmal im Rückblick bekommen wird, hängt vom weiteren Weg der deutschen Mannschaft in diesem Turnier ab. „Ich bin keiner, der sagt, diese Partie hätte es gebraucht“, sagt Mario Gomez, „denn jedes negative Erlebnis ist eines zu viel“. Kann man so sehen, aber manchmal hilft es eben auch, deutlich aufgezeigt zu bekommen, wie es auf keinen Fall geht. „Vielleicht haben wir uns trotz der Testspiele gegen Österreich und Saudi-Arabien zu sehr darauf verlassen, dass sich schon alles ändert, wenn die WM erst begonnen hat“, vermutet Hummels. Nun, da sie gerade erst ein Spiel für die deutsche Mannschaft alt ist, droht schon das Aus im ungünstigsten Fall und damit ein historischer Misserfolg.

          „Wir wissen, dass jetzt nur noch Topleistungen nötig sind, um daraus noch ein gutes Turnier zu machen. Eine WM ist nur alle vier Jahre, das wollen wir uns selber nicht vermasseln. Das ist für jeden von uns etwas ganz Besonderes“, betont Hummels.  Wollen sie dieses Gefühl aber noch etwas länger genießen, werden sie etwas ändern müssen – und was sich auf die Schnelle verändern muss, ist für ihn keine große Frage: „Egal in welchem taktischen System wir antreten. Das, was wir spielen wollen, müssen wir schlau und gewissenhaft machen. Noch so ein Spiel, und wir fahren nach Hause.“

          Solche Spiele wie gegen Mexiko aber, erinnerte Sami Khedira, habe es schon immer gegeben. „2010 haben wir das zweite Spiel verloren (0:1 gegen Serbien/Die Red.), 2014 im zweiten Spiel mit aller Mühe ein 2:2 gegen Ghana gerettet.“ Diesmal allerdings sind die Deutschen schon im ersten Spiel offenbar ausgetrickst worden, ein Dämpfer der maximalen Art, was die gesamte Geschichte nun wesentlich  komplizierter macht. „Der Knackpunkt war Mexikos Taktik, das hatten wir anders erwartet. Wir haben nicht sofort darauf reagiert, hatten keine Lösungen. Das müssen wir uns alle ankreiden lassen“, sagt der Mittelfeldmann von Juventus Turin, der sich im Netz der mexikanischen Defensive am häufigsten verfing.

          „Ballverluste haben ja auch meistens mit zu wenigen Abspielmöglichkeiten zu tun“, sagt  Khedira, der jede sachliche Kritik der Medien am deutschen Auftreten gegen Mexiko für berechtigt und auch zutreffend hält, sich aber gegen die Häme wehrte, die ebenfalls auftrat. „Die Mannschaft hat es nicht verdient, so durch den Kakao gezogen zu werden. Aber all die Gerüchte und persönlichen Anfeindungen, das geht nicht“, sagte Khedira. Damit aber hatten sich nach der Auftaktniederlage vornehmlich jene hervor getan, die einst selber das Trikot der Nationalmannschaft trugen. Und ihren Namen mit möglichst derben Aussagen weiter im Gespräch halten. Auch auf Kosten ihrer Nachfolger.

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