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DFB-Team bei der WM : Die großen Debatten nach dem Führungsversagen

Findet der Weltmeister von Bundestrainer Joachim Löw bei der WM nochmal in die richtige Spur? Bild: Reuters

Nach der desillusionierenden WM-Niederlage gegen Mexiko gibt es beim DFB-Team zahlreiche Krisengespräche. Danach soll der Kapitän Zuversicht verbreiten. Sein Solo weckt aber eher neue Zweifel.

          Diese Reise hatten sich Joachim Löw und seine Spieler gewiss ganz anders ausgemalt. Am Dienstagnachmittag verließ die Nationalmannschaft ihr Quartier in der recht trostlosen Moskauer Randlage in Richtung Sotschi: Schwarzes Meer, Strand, schöne Erinnerungen – hier gedieh der Geist, der das deutsche Team im vergangenen Jahr zum Sieg im Confederations Cup führte. Joachim Löw hätte sich gerne auch während der WM in Sotschi niedergelassen, fügte sich dann aber der Lösung Watutinki. Ob er das wirklich für eine gute Wahl hält, wäre spannend zu wissen. Jedenfalls sollte der ungewöhnlich lange Aufenthalt bis zum Spiel dort gegen Schweden am Samstag für eine wohltuende Abwechslung, für ein paar schöne Tage sorgen. Nur: Jetzt fühlt sich das alles ganz anders an.

          Fussball-WM 2018

          Nach der Niederlage gegen Mexiko reisen die Deutschen nicht mit der Zufriedenheit nach einem standesgemäß bewältigten Auftakt an, sondern mit einem Spiel vor der Brust, wie sie es nicht kennen. Und jeder Menge Ballast, der sich in den vergangenen Tagen und Wochen angehäuft hat. „Ab jetzt haben wir nur noch Finals“, sagte Manuel Neuer, als er am Dienstag vor der Abreise bei der Pressekonferenz in Watutinki erschien. Ein Solo für den Kapitän, das Zuversicht verbreiten sollte, aber eher neue Zweifel weckte.

          Ganz zum Schluss war es Neuer wichtig, noch etwas loszuwerden. Es sei bis dahin vielleicht nicht deutlich genug geworden, sagte er, aber die Mannschaft glaube daran, „dass wir es schaffen“: die gegen Mexiko im Auftaktspiel gezeigten Mängel abzustellen und die K.-o.-Runde zu erreichen. Aber was Neuer in den zwanzig Minuten vorher angedeutet und manchmal auch ausformuliert hatte, ließ auf größere Schwierigkeiten im Team des Weltmeisters schließen, die sich nicht im Handumdrehen werden lösen lassen, wenngleich der Kapitän gegen Schweden Besserung in Aussicht stellte.

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          In Neuers Rückblick auf das Mexiko-Spiel wurde deutlich, dass ein Einstellungsproblem und inneres Führungsversagen in Tateinheit dafür sorgten, dass nichts zusammenlief – und dass es obendrein zu lange dauerte, bis sich daran etwas änderte. Neuer sprach zunächst allgemein davon, wie auf dem Platz die Verantwortungsketten laufen, „von hinten nach vorne und von innen nach außen“. Auf die Frage, wie es aber möglich sei, dass eine Mannschaft und ein Trainer mit dieser Erfahrung so lange gebraucht hätten, um auf die Situation zu reagieren, sagte er, dass „die Hauptursache bei uns Führungsspielern“ liege. Die hätten „nicht die Bereitschaft“ gehabt, „es auf dem Platz selber in die Hand zu nehmen, zu organisieren“. Das war, wie das bei Neuer immer so ist, leise gesprochen, eröffnete aber einen drastischen Blick auf die offenkundige Gedanken- und auch Sprachlosigkeit, mit der die Führungsachse um ihn, Mats Hummels und Jerome Boateng in der Innenverteidigung sowie Toni Kroos und Sami Khedira in der Mittelfeldzentrale, die Dinge gegen Mexiko geschehen ließ.

          Gesprochen wird dieser Tage ja offenkundig viel. „So stark war die Kommunikation noch nie in unserer Mannschaft wie nach dem Mexiko-Spiel“, sagte Neuer und entschuldigte sogar sein Zuspätkommen bei der Pressekonferenz damit, dass eine Aufarbeitungssitzung länger gedauert habe. „Wir sind unsere schärfsten Kritiker“, versicherte er. Auch Teammanager Oliver Bierhoff hatte am Montag gegenüber der ARD von der „Unzufriedenheit“ in der Mannschaft berichtet und darüber, dass viel untereinander diskutiert werde, „personelle Fragen, taktische Fragen, Einstellungsthemen“, sagte Bierhoff, „es ist ein Gemisch“.

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